Bären

Malaienbär

Malaienbär im Kölner Zoo Malaienbär im Kölner Zoo
© Rolf Schlosser - Kölner Zoo

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Bären (Ursidae)
Unterfamilie: Eigentliche Bären (Ursinae)

Helarctos ist eine monospezifische Gattung.

D VU 650

Malaienbär

Helarctos malayanus 
Engl.: The Malayan Sun Bear
Franz.: L'ours des cocotiers ou ours malais

Malaienbär im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Malaienbär im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Gefährdete Tierart (Rote Liste: VULNERABLE), hauptsächlich durch Verlust des Lebensraums, d.h. das Abholzen des Tropenwaldes in Südostasien, ferner durch illegale Jagd z.B. mittels Fangzäunen mit Schlingen. Es liegen keine verlässlichen Bestandesschätzungen vor, aber es wird angenommen, dass der Gesamtbestand innerhalb der letzten 30 Jahre um über 30% abgenommen hat.

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

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Approximative Verbreitung des Malaienbären (Helarctos malayanus). Dunkelblau: Gegenwärtig noch vorhanden oder möglicherweise noch vorhanden; rot: ausgerottet
Verbreitung: Helarctos malayanus malayanus: Bangladesch, Kambodscha, China (marginal im Süden); 112-002-002-001 helarctos TPBerlin
Im Tierpark Berlin wurden bisher 50 Malaienbären geboren. Damit ist er einer der erfolgreichsten Halter dieser Tierart © Tierpark Berlin
Indien (nur im Osten), Indonesien - Sumatra, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand, Vietnam. Gebietsweise (z.B. in Laos) kommen Malaein- und Kragenbär sympatrisch vor.
Helarctos malayanus euryspilus: Borneo

Haltung in VdZ-Zoos: Helarctos malayanus malayanus: Basel, Berlin-Tierpark, Köln, Münster

Das Europäische Zuchtbuch (ESB, seit 1994) wird am Kölner Zoo (LK) geführt.

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Malayenbärin (Helarctos malayanus) mit Jungtier in Tierpark Berlin © TP Berlin
Besonderes: Der Malaienbär ist der kleinste aller Bären. Er wiegt zwischen 27 und 65 Kilogramm und wird nur etwa 140 Zentimeter lang. Seine kleine gedrungene Gestalt brachte ihm in Thailand den Spitznamen “Hundebär” ein, während er ihn Malaysia und Indonesien aufgrund seiner Vorliebe für die Nester wilder Bienen “Beruang Madu", Honigbär, genannt wird.

Sein kurzes schwarzes, dichtes, glänzendes Fell ist nicht einmal einen Zentimeter lang. Auf der Brust hat er eine helle halbmondförmige Zeichnung. Er hat einen 112-002-002-001 helarctos malay BSL PD
Malaienbär (Helarctos malayanus) im Zoo Basel zeigt Zunge © Peter Dollinger, Zoo Office BernZ
für seine Statur auffällig breiten Kopf, eine kurze Schnauze und einen recht kräftigen Kiefer  Mit Hilfe seiner großen, gebogenen Klauen und der kurzen O-Beine kann er hervorragend auf Bäume klettern. Seine Fußsohlen sind  nicht behaart. Die Zunge ist sehr beweglich und lang und kann bei der Nahrungsaufnahme auf bis zu 20 bis 25 Zentimeter herausgestreckt werden (HARTMANN, 2004)

Der Malaienbär gehört zu den wenigen Tierarten, welche die bis zu 4 cm langen Samen der bei der einheimischen Bevölkerung beliebten Stinkfrucht (DAlte Malaienbärenanlage im Zoo Basel durch geeignete Möblierung aufgewertet © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Alte Malaienbärenanlage im Zoo Basel durch geeignete Möblierung aufgewertet © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
urian, Zibetbaum, Durio zibethinus) unzerkaut verschlucken und unverdaut wieder ausscheiden. Von der dadurch geförderten Verbreitung des Durian profitieren auch die Orangutans (PAGEL et al. 2010).

Im Zoo galten Malaienbären lange als nicht züchtbar. Durch bessere Unterbringung, Gehegegestaltung und Ernährung hat dies aber geändert. 1940 gelang dem Zoo von San Diego die Erstzucht. In Europa, konnte der Tierpark Berlin 1961 die erste Malaienbärengeburt verzeichnen. Hier entwickelte sich in der Folge eine äußerst erolgreiche Zucht: Am 8. April 2011 kam der 50. Malaienbär zur Welt, ein Weibchen, dem die Tierpfleger den Namen "Linh" gaben. Auch ihre Eltern, "Tina" (20) und "Johannes" (12), wurden bereits im Tierpark geboren. Wie im Freiland, kümmert sich nur die Mutter um das Junge, die Väter sind nicht an der Jungenaufzucht beteiligt.

Das Säugetiergutachten’96 sah für ein Außengehege für zwei Malaienbären 60 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 10 m² vor. Das war zweifellos anpassungsbedürftig. Allerdings sollten sich, wie bei anderen solitär lebenden Tieren, die Maße für die Grundeinheit eines Geheges auf ein Einzeltier beziehen und nicht, wie im Säugetiergutachten 2014 des BMEL auf zwei Tiere. Weil Bären solitär lebende Tiere sind, ist die Einzelhaltung in vielen Fällen mit weniger Stress verbunden als die Gruppenhaltung. Für bestehende Anlagen wäre demnach eine Fläche von 100 m² für jedes Tier zu fordern. Da sich an der Situation, dass  Malaienbären ausschließlich in EAZA Zoos gehalten werden, kaum etwas ändern wird, ist davon auszugehen, dass sich Neuanlagen hinsichtlich Dimensionen und Ausstattung an den umfangreichen Empfehlungen der EAZA orientieren werden.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten: 
DIETERMANN, A. (1996)  
FELLENDORF, S. (2012) 
KRÄMER, M. (2001)
RIESE, R. (2001)
SCHLOTZ, M. (2014)
SCHNEIDER, M. (2004)  
SCHNEIDER, M. (2015) 
STEFFEN, M. (1996)
WELTER, M. (2010)

Literatur:
HARTMANN, D. (2004)
KOLTER, L., KAMPHORST, N.F. & RUVEN, S.A.W. (2007)
PAGEL, T., RECKEWITZ, M. & SPIESS, W. (2010)
SCOTSON, L. (2013)
USHER SMITH, J. & KOLTER, L. (2007)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD/SN - 13.01.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 4233 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 21 September 2016 09:23
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