Kleinbären

Waschbär

Waschbär, Tierpark Goldau Waschbär, Tierpark Goldau
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Bären (Ursidae)

Zur Gattung Procyon gehören drei Arten, darunter eine vom Aussterben bedrohte Inselform. In VdZ-Zoos wird nur eine Art gehalten.

D LC 650

Waschbär

Procyon lotor 
Engl: The Raccoon
Franz.: Le raton-laveur

Waschbär, Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Waschbär, Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Der Waschbär hat eine weite Verbreitung und einen großen, zunehmenden Bestand. Er ist nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), ist aber als invasive, mittlerweile auch bei uns heimische Tierart von zoopädagogischem Interesse.

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Approximative Verbreitung des Waschbären (Procyon lotor) in Mitteleuropa (aus mehreren Quellen kombiniert)
Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Erwerb und Abgabe, Haltung, Zucht, Aufzucht, Transport und Freilassen von Waschbären sind nach Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 betreffend invasive Arten verboten.

Waschbär, Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Waschbär, Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Verbreitung: Nord und Mittelamerika  vom mittleren Kanada bis Panama. In Mittelamerika überlappt sich das Areal mit jenem des Krabbenwaschbären (Procyon cancrivorus). Auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wurde der Waschbär aktiv eingebürgert. In West- und Mitteleuropa gehen die Bestände hauptsächlich auf aus Pelztierfarmen entwichene Tiere zurück.

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Waschbär (Procyon lotor) im Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Heute gibt es Waschbären in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg (seit 1979), den Niederlanden (seit 1960), Österreich, Polen, Russland, der Schweiz, Slowenien, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Weißrussland, Russland, Georgien, Aserbaidschan, Usbekistan und Japan. Vereinzelt auch in weiteren Ländern.

Haltung in VdZ-Zoos: Aachen, Altschönau, Berlin-Tierpark, Bern, Bremerhaven, Eberswalde, Gelsenkirchen, Goldau, Görlitz, Gossau, Halle, Hannover, Heidelberg, Köln, Kronberg, Neumünster, Neunkirchen, Neuwied, Osnabrück, Rostock, Schwerin, Stralsund, Straubing, Tallinn.

Besonderes: 112 003 007 003 procyon lotor eberswalde
Junge Waschbären (Procyon lotor) in Baum im Zoo Eberswalde © Zoo Eberswalde
Der Waschbär hat einen sehr gut entwickelten Geruchssinn und setzt seine Vorderpfoten als Tastorgane  ein. Unter Zoobedingungen trägt er oft sein Futter zum Badebecken und "wäscht" es, was als Ersatzhandlung für die  Nahrungssuche unter Wasser gedeutet wird. Er ist ein Allesfresser, der sich je nach Jahreszeit von Früchten, Nüssen oder animalischer Kost, wie Wirbellosen, Fischen, Amphibien, Vogeleiern oder Jungvögeln ernährt (HOHMANN, 2005). Inwieweit er in Europa als gebietsfremde Art einen negativen Einfluss auf die Biodiversität hat, ist umstritten.

Erwachsene Waschbären leben einzeln oder in lockeren Kleinverbänden (HOHMANN, 2000). Im Zoo ist Gruppenhaltung die Regel und ist problemlos.

In Deutschland wurden im Jahr 1934 im Forstamt Vöhl am Edersee (Hessen) zwei Waschbär-Paare angesiedelt. Eine weitere, vermutlich erfolglose Aussetzung von einem männlichen und zwei weiblichen Tieren wurde 1935 in der Schorfheide (Brandenburg) vorgenommen. Farmflüchtlinge verbreiteten sich hauptsächlich ab 1945, als im Kreis Strausberg, östlich von Berlin, einige Tiere entwichen (HOHMANN, 2000).

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Waschbär (Procyon lotor) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
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Waschbär (Procyon lotor) guckt in NTP Goldau aus Schlafhöhle © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Heute ist der Waschbär in Deutschland flächendeckend verbreitet mit höheren Konzentrationen in Hessen, im angrenzenden Nordrhein-Westfalen und Thüringen sowie in Brandenburg (GORETZKI et al., 2009; DIE WASCHBÄREN KOMMEN)). In den Mischwäldern des Solling haben die Tiere regelmäßig genutzte Streifgebiete von 300-1000 ha, die sich mehr oder weniger stark überschneiden. Gelegentlich machen die Waschbären auch größere Exkursionen. Als Schlafbäume bevorzugen sie im Solling Eichen und meiden Buchen, gerne suchen sie auch Schlupfwinkel in Steinbrüchen zum Ruhen und Schlafen auf (HOHMANN, 2000). Als Kulturfolger dringt der Waschbär ins Siedlungsgebiet ein und durchsucht im Randgebiet von Städten auch Vorgärten und Mülltonnen nach Fressbarem. GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009) Im Jagdjahr 2009 wurden bundesweit 54'790 Waschbären erlegt.

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Waschbär (Procyon lotor) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
In der Schweiz wurden die ersten Waschbären 1976 nördlich des Rheins im Kanton Schaffhausen nachgewiesen. Seitdem wird die Art regelmässig im nördlichen Mittelland, bis in die Gegend von Bern und Freiburg festgestellt. Sie ist aber selten, von 1996-2014 wurden nur 19 Tiere erlegt. (EIDG. JAGDSTATISTIK)

In Österreich ist der Waschbär seit 1974 heimisch, wobei die ersten Beobachtungen in den Bundesländern Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gemacht wurden. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in Ober- und Niederösterreich, die Dichte ist aber sehr gering (AUBRECHT, 1985).

In Liechtenstein werden Waschbären seit 1990 sporadisch festgestellt (Liechtensteiner Volksblatt vom 14. Januar 2010).

In Belgien wanderte der Waschbär aus Deutschland ein. Das erste Exemplar wurde 1986 festgestellt (LIBOIS, 1987).

In Frankreich wanderten einerseits Waschbären aus Deutschland ein, andererseits entwickelte sich aus im Jahr 1966 entwichenen oder freigesetzten Waschbären US-amerikanischer Natotruppen eine Population im Departement Aisne, die sich rasch ausbreitete (LÉGER & RUETTE, 2014).

In Italien wurden Waschbären erstmals 2004 nachgewiesen. Bis 2008 gab es in der Lombardei insgesamt zehn Nachweise (CANOVA & ROSSI, 2008).

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten: 
DIETERMANN, A. (1996)  
FELLENDORF, S. (2012)

Literatur und Internetquellen:
ALLEN, T. B. (1979)
AUBRECHT, G. (1985)  
CANOVA, L. & ROSSI, S. (2008)
GORETZKI J., SPARING, H., SUTOR, A. (2009)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)  
HOHMANN, U. (2000)   
HOHMANN, U. (2005)
LÉGER, F. & RUETTE, S. (2014)   
LIBOIS, R. M. (1987)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

DAISIE 
DIE WASCHBÄREN KOMMEN

PD/SN -  18.10.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 6501 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 07 September 2016 15:35
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