Marder

Fischotter

Fischotter im Kölner Zoo Fischotter im Kölner Zoo
© Peter Dollinger, VDZ

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie Otter (Lutrinae)

Die traditionell der Gattung Lutra zugerechneten Arten werden heute auf vier Gattungen verteilt: Lutra (2 Arten, ev. 3, Eurasien, Nordafrika, Süd-/Südostasien), Lutrogale (1 Art, Süd-/Südostasien), Lontra (4 Arten, Nord-, Mittel- und Südamerika), Hydrictis (1 Art, Afrika südlich der Sahara. Eine Lutra-Art ist potenziell, eine stark gefährdet. In VdZ-Zoos wird nur die einheimische Art gezeigt.

D NT 650

Europäischer Fischotter

Lutra lutra
Engl.: The European Otter
Franz.: La loutre d'Europe

Fischotter (Lutra lutra lutra) im Alpenzoo Innsbruck © Pressefoto Alpenzoo
Fischotter (Lutra lutra lutra) im Alpenzoo Innsbruck © Pressefoto Alpenzoo
Weltweit potenziell gefährdete Tierart (Rote Liste: NEAR THREATENED), in Europa zum Teil bedroht oder regional ausgestorben.

Der internationale Handel wird nach CITES-Anhang I eingeschränkt. Die Art fällt unter die Anhänge II und IV der FFH-Richtline (92/43/EWG) und ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II des Berner Übereinkommens.

Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1985. Am 1.1.2012 174 Otter, wovon 124 (71 %)  der für Wiederansiedlungen geeigneten A-Linie und 5  der Iberischen Linie.

Fischotterweibchen (Lutra lutra lutra) mit Jungem im Naturschutz-Tierpark Görlitz © AG, Görlitz
Fischotterweibchen (Lutra lutra lutra) mit Jungem im Naturschutz-Tierpark Görlitz © AG, Görlitz
Verbreitung: Eurasien

Haltung in VdZ-Zoos: Altschönau, Augsburg, Bern, Goldau, Görlitz, Hoyerswerda, Innsbruck, Köln, Krefeld, Langenberg, Neumünster, Nürnberg, Rostock, Salzburg, Schwerin, Straubing, Stuttgart, Ueckermünde, Zürich.

Besonderes: In Mitteleuropa ist der Fischotter heute weitgehend ausgestorben. In Deutschland, wo der Otter seit 1962 (DDR) bzw. 1968 (BRD) geschützt ist und wo der Bestand um 1980 auf 400-800 Individuen in Ost- und 250-450 in Westdeutschland geschätzt wurde, ist er nur noch in wenigen Regionen anzutreffen. Heute ist festzustellen, dass sich die Bestände nur in den östlichen Bundesländern weitgehend erhalten konnten. Reproduzierende Subpopulationen gibt es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Unterwassersicht auf Europäische Fischotter, TP Ueckermünde © BM
Unterwassersicht auf Europäische Fischotter, TP Ueckermünde © BM
Sachsen-Anhalt. Ausgehend von dieser Teilpopulation ist der genetische Austausch in östliche Richtung mit Polen und Tschechien wahrscheinlich oder zumindest möglich. Restvorkommen sind in Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein nachweisbar. Ausbreitungsvorgänge ausgehend von Bundesländern mit stabilen Beständen sind bei der Verbesserung der Lebensraumbedingungen in diesen Bundesländern denkbar. Der Fischotter ist in Mecklenburg-Vorpommern fast flächendeckend nachweisbar. Es sind aber keine Bestandszahlen bekannt (GRIESAU, A., 2004).

Fischotterfamilie im Zoo Krefeld © PD, VDZ-Geschäftsstelle
Fischotterfamilie im Zoo Krefeld © PD, VDZ-Geschäftsstelle
In Österreich begann der Niedergang der Otterpopulation im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. In den Jahren 1947-50 stellten die Bundesländer die Art im Rahmen ihrer Jagdgesetze unter Schutz. Trotzdem gab es um 1980 in Niederösterreich nur noch zwei Restvorkommen im Waldviertel bzw. in den Nordalpen und aus den übrigen Bundesländern bloß sporadische Meldungen (REUTHER & FESTETICS, 1980). Seit etwa 1990 breitet sich der Otter in Österreich wieder langsam aus. Die Zunahme des Bestandes ist vermutlich primär auf die Abnahme von Umweltgiften und die jagdliche Vollschonung zurückzuführen, weniger auf die Verbesserung der Lebensraumausstattung. Um 2000 besiedelte der Fischotter etwa 20 % des Bundesgebietes. Seine Verbreitung umfasste im Wesentlichen das Wald- und Mühlviertel, das Südburgenland und angrenzende Bereiche in der Steiermark. (KRANZ, 2000)

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Fischotter (Lutra l. lutra) im Zoo Zürich © Stiftung Pro Lutra
In der Schweiz wurde der Otter traditionellerweise nur moderat bejagt. Unglücklicherweise forderte Artikel 22 des Fischereigesetzes von 1888: "Die Ausrottung von Fischottern, Fischreihern und anderen der Fischerei besonders schädlichen Tieren ist möglichst zu begünstigen." In der Folge wurden von 1892 bis 1915 Prämien für 1840 getötete Otter ausgerichtet, wobei die Strecken von anfänglich über 130/Jahr auf 10 zurückgingen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden im Mittel noch 4.5 Otter pro Jahr erlegt, die beiden letzten im Jahr 1950. Briefmarke Fischotter
Briefmarke Fischotter
1952 wurde der Fischotter dann unter Schutz gestellt, was aber sein Aussterben nicht verhindern konnte. Ein Wiederansiedlungsversuch mit 8 Tieren aus Bulgarien in den 1970er Jahren war nicht erfolgreich.

1989 wurde ein einzelnes Tier im Neuenburger See gesichtet. Seit anfangs Dezember 2009 konnte im Alpenrhein beim Kraftwerk Reichenau mittels der automatischen Videoüberwachung des Fischaufstiegs mehrmals ein Briefmarke Fischotter
Briefmarke Fischotter
Fischotter festgestellt werden (PM Jagdverwaltung Graubünden). Im Zuge eines Hochwassers im Jahr 2005 aus dem Tierpark Bern entwichene Ottern und deren Nachkommen konnten sich im Aareraum halten, 2010 wurden mindestens 3 Tiere nachgewiesen und 2015 wurde ein Weibchen mit Jungtier von einer Fotofalle erfasst. Nach einer von der am Zoo Zürich domizilierten Stiftung Pro Lutra in Auftrag gegebenen Studie könnten Otter über die Westschweiz oder Graubünden wieder zuwandern.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher im Herbst 2007 und Februar 2008 insgesamt 477 Routen in Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich, die für die Einwanderung des Otters in die Schweiz geeignet wären. Dabei konnten Fischotternachweise erbracht werden an der Fecht im Elsass, am Ticino südwestlich von Mailand sowie am Inn und am Ziller im Tirol. Die jüngst beobachtete Ausbreitung der Fischotter in den Ostalpen deutet darauf hin, dass sich die Tiere nicht unbedingt kontinuierlich 112-004-023-004 lutra lutra jagd
"Victorian sportsmen hunting otters with the help of Otterhounds". Unbekannter Künstler, etwa 1830 © Mary Evans Picture Library
ausbreiten, sondern aus dicht besiedelten Regionen zuerst in die Oberläufe nicht besiedelter Gebiete wanderten, um von dort flussabwärts das Gebiet zu besiedeln. Aus Österreich gibt es diesbezüglich konkrete Hinweise von mehreren Flüssen. Und auch die Tiere südlich des Genfersees könnten sich auf diese Weise ausbreiten. Im frühjahr 2014 wurde erstmals wieder ein Otter mittels einer Fotofalle im Kanton Genf dokumentiert.

Wie Europäische Fischotter gehalten werden (Beispiel):
Ottergehege im Naturschutz-Tierpark Görlitz (ZOOLEX Gallery)

Kulturelle Bedeutung: In traditionellen Märchen und Sagen spielte der Fischotter kaum eine Rolle. Seine Bedeutung war die einer Fastenspeise, eines Pelzlieferanten und eines Fischereischädlings. Körperteile wurden in der traditionellen Medizin verwendet. Gebietsweise war er Objekt einer Sportjagd, bei der vielfach tierquälerische Methoden zur Anwendung kamen. Junge Otter Die Wappen von Ottersberg und Otterbach
Die Wappen von Ottersberg und Otterbach
wurden als Hausgenossen gezähmt oder für die Zwecke der Jagd oder des Fischfangs abgerichtet. (BREHM, 1883; REUTHER & FESTETICS, 1980).

Einige Gemeinden führen den Otter im Namen oder im Wappen, so D-21762 Otterndorf, D-28870 Ottersberg, D-7783 Ottersweier, D-67166 Otterstadt, D- 67697 Otterberg, (hier gibt es auch eine Otterburg) und D-67731Otterbach. Otterbach ist auch ein Ortsteil von Gemünden (Hessen), ein Stadtteil von Weil am Rhein, eine Katastralgemeinde in der Gemeinde Sankt Florian am Inn (Oberösterreich), ein Weiler der Gemeinde Affoltern i. E. (Kt. Bern), sowie eine frühere Gemeinde im Amtsbezirk Konolfingen (Kt. Bern, heute zu Linden). Ferner gibt es Ottersleben (heute Staddteil von Magdeburg), Otterswang (heute Stadtteil von Bad Schussenried). Auch Grambeck (Schleswig-Holstein), Schwarzheide (Brandenburg) sowie Gossau und Männedorf (beide Kt. Zürich) führen den Otter im Wappen. Männedorf hat einen Fischotterverein mit 550 Mitgliedern, der in Zusammenarbeit mit dem Zoo Zürich ein Fischottergehege eingerichtet hat und sich für den Fischotterschutz einsetzt.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
GÜNTHER-WEIGL, A. (2009)

Literatur:
BREHM, A. E. (1883)
GRIESAU, A. (2004)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
KRANZ, A. (2000)
REUTHER, C. & FESTETICS, A. (Hrsg.1980)
SCHMID, H. (2005)

WEBER, D. (1990)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD/SN -  12.01.2009 - mehrfach aktualisiert

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