Marder

Dachs

Dachs (Meles meles), Tierpark Goldau Dachs (Meles meles), Tierpark Goldau
© NTP Goldau

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Bären (Ursidae)
Unterfamilie: Eigentliche Marder (Mustelinae)

die Dachse werden bisweilen als eigene Unterfamilie angesehen, oder aber den Eigentlichen Mardern zugeordnet. Zur Gattung Meles werden drei Arten (WILSON. & REEDER, 2005) gerechnet. Keine davon ist gefährdet. Eine wird in VdZ-Zoos gehalten.

D LC 650

Dachs

Meles meles
Engl.: The European Badger
Franz.: Le blaireau d'Europe

Der Dachs ist weit verbreitet und im Allgemeinen häufig. In Mitteleuropa nehmen die Bestände nach Erlöschen der Tollwut wieder zu. Die Art ist somit nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Verbreitung: Europa, Naher Osten und Teile Zentralasiens: Afghanistan, Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Irak, Iran, Irland, Israel, Italien, Lettland, Libanon, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien ehem. Jug. Rep., Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland (westlich der Wolga), Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Turkmenien, Syrien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland

Haltung in VdZ-Zoos: Dortmund, Goldau, Neuwied

Jahresstrecke Dachs, Schweiz 1958-2008
Jahresstrecke Dachs, Schweiz 1958-2008
Besonderes: Obwohl der Fuchs der Hauptüberträger der Tollwut in Europa war, litt der Dachs viel mehr unter dem Seuchenzug, der 1939 in Polen seinen Ursprung genommen hatte, 1947 die Oder und über die damalige Tschechoslowakei im selben Jahr das Waldviertel Österreichs erreichte, 1950 die damalige innerdeutsche Grenze überschritt und 1967 bei Schaffhausen die Schweiz gelasngte. Faktisch war allerdings weniger die Tollwut als die anfänglich zur Tollwutbekämpfung eingesetzte Fuchs- und Dachsbau-Begasung das Problem. Währendem die wendigen Füchse sich rasch neue Heimstätten suchten, gingen die Dachse in ihren Bauen jämmerlich zugrunde und die Bestände kollabierten allenthalben.

Dachsmotiv auf Briefmarke
Dachsmotiv auf Briefmarke
In der Schweiz war das Tief in den Jahren 1979-84 erreicht. Danach ging es kontinuierlich aufwärts und ab Mitte der 90er-Jahre waren die Jagdstrecken mit rund 2500 Tieren gleich hoch wie vor der Tollwut. Auch in Österreich stiegen die jährlichen Abschüsse kontinuierlich an und erreichten 2003 mit 9'322 erlegten Dachsen das Maximum. Seitdem nahmen die Zahlen wieder etwas ab. In Deutschland haben sich die Jahresstrecken innert 30 Jahren verzehnfacht und scheinen sich jetzt auf hohem Niveau zu stabilisieren (2007/08: 49'794 Abschüsse, Quelle: DJV-Nachrichten).

HEDIGER (1951) charakterisiert den Dachs als gleichzeitig konservativ und anpassungsfähig. Konservativ, weil er seine Lebensgewohnheiten und seinen Wohnbezirk kaum ändert - man kennt Dachsbaue, die seit Jahrhunderten bewohnt werden -, anpassungsfähig weil er dem Menschen geschickt ausweichen kann und sich durch die fortschreitende Technisierung nicht stören lässt.

Wie recht HEDIGER hatte: Als vor einigen Jahren militante Tierschützer die Dachse des Tierparks Bern "befreiten" liess sich eines der Tiere in unmittelbarer Nähe des Geheges nieder und wurde zur Attraktion für spätabendliche Tierparkbesucher © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Wie recht HEDIGER hatte: Als vor einigen Jahren militante Tierschützer die Dachse des Tierparks Bern "befreiten" liess sich eines der Tiere in unmittelbarer Nähe des Geheges nieder und wurde zur Attraktion für spätabendliche Tierparkbesucher © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Allerdings verirren sich Dachse bisweilen in Städten in Situationen, aus denen sie nicht mehr herauskommen, worauf jeweils besorgte Anwohner den Zoo informieren, es sei ein Stachelschwein oder ein Ameisenbär im Hinterhof oder im Vorgarten. So geschehen 1945 in Basel, wo ein alter Dachs, vom Kleinbasel oder dem deutschen Grenzach-Wyhlen her kommend, über die Wettsteinbrücke gelaufen war und sich im Innenhof des Kunstmuseums verkriechen wollte. Das für das Leben im Freiland nicht mehr taugliche Tier wurde eingefangen und verbrachte seine beiden letzten Lebensjahre im Zoo, bis es wegen fortschreitender Altersbeschwerden eingeschläfert werden musste."Ganz sicher wurde der Dachs nicht von einer Sehnsucht nach der "goldenen Freiheit" geplagt, die in Wirklichkeit eine Erfindung naturfremder Menschen ist."

Literatur:
DO LINH SAN, E. (2010)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HEDIGER, H. (1951)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD/SN - 24.02.2010; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 6270 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 21 September 2016 17:16
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