Zootierhaltung

Kritik

Diese Bärenhaltung wurde 2006 aufgegeben und der Bär in einen "alternativen Bärenpark" überstellt. Trotzdem ziert der traurige "Mario" auch heute noch den Internetauftritt des Vereins gegen Tierfabriken Schweiz Diese Bärenhaltung wurde 2006 aufgegeben und der Bär in einen "alternativen Bärenpark" überstellt. Trotzdem ziert der traurige "Mario" auch heute noch den Internetauftritt des Vereins gegen Tierfabriken Schweiz

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Primatenhaltung (Paviane, Makaken, Gibbons) mit viel zu kleinen Gehegen in einem schweizerischen Kleinzoo um 1970 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Zookritik gründet vielfach auf der für viele Zoos typischen Tierhaltungssituation wie sie  vorherrschte, also zu einer Zeit als die moderne Tiergartenbiologie noch nicht so weit entwickelt war und es weder "Taxon Advisory Groups" der Zooverbände  noch eine Tierschutzgesetzgebung gab.

Die Entwicklung, die seitdem durch den Einfluss der Veröffentlichungen HEDIGERS (1942, 1950, 1965) und anderer aufgeschlossener Zoodirektoren (z.B. DITTRICH, 1977), die Herausgabe von Haltungsempfehlungen der Zooverbände, den globalen Informationsaustausch etwa durch das International Zooo Yearbook (z.B. CONWAY, 1973) und, namentlich bei Nicht-haltung 10 3 1 2 gibbon2003
Gibbonhaltung in einem schweizerischen Kleinzoo um 2000. Das Gehege ist zwar optisch nicht unbedingt attraktiv, aber ausreichend groß und strukturiert © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Verbandszoos, die Gesetzgebung stattgefunden hat, wird nicht zur Kenntnis genommen, entweder weil Zoogegner keine Zoos besuchen oder, wenn doch, mit vorgefasster Meinung und nur das Negative sehen wollend.

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Gibbonhaltung 2016 im Tierpark Rheine © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Dass eine seriöse Überprüfung anhand objektiver Kriterienkataloge heute zu einer positiven Beurteilung der Zoos führt,  ficht  zoofeindliche Organisationen nicht an. Auch dass allein die VdZ-Zoos 2014/15 rund 150 Millionen € in ihre bauliche Weiterentwicklung investiert haben, interessiert nicht oder wird ihnen gar zum Vorwurf gemacht, denn Zoogegnern geht es nicht um die Verbesserung der Tierhaltung in Zoos, sondern um deren Abschaffung aus weltanschaulichen Gründen. 

Unbekümmert verbreitet die Tierrechts-Industrie im Internet und in ihren Pamphleten Behauptungen, die der Entwicklung der Zoos in den letzten Jahrzehnten keinerlei Rechnung tragen, wie z.B: "Stahlgitter, Beton, Glas und Kacheln bilden die trostlose Umgebung der Tiere im Zoo. Sie können nicht mehr auf Streifzüge gehen, eine Beschäftigung, die in der Natur einen großen Zeitraum ihres Lebens einnimmt. .... Die Zootiere sind ihrer natürlichsten Bedürfnisse beraubt. Die Folgen dieser brutalen Tierquälerei sind verhaltensgestörte und in den Wahnsinn getriebene Geschöpfe."

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Gnus mobben Löwen im Ngorongoro-Krater, Tansania © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Ferner wird bemängelt: Die Tiere "haben keine Möglichkeit, den Gerüchen ihrer natürlichen Feinde, die im Nachbarkäfig eingesperrt sind, zu entkommen.".

Ob die Gerüche ihrer natürlichen Feinde die Tiere stören, haben die selbsternannten Experten natürlich nicht abgeklärt. Tatsache ist, dass potenzielle Beutetiere sehr wohl abschätzen können, ob von einem Fressfeind eine Bedrohung ausgeht. Ist dies nicht der Fall, so flüchten sie auch im Freiland nicht, sondern ruhen oder fressen in nächster Nähe. Gelegentlich tauschen sie auch die Rollen und der Jäger wird zum Gejagten.

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Der Straußenhahn im Tierpark Hagenbeck könnte sich vor der Löwin ans andere Ende seines großen Geheges zurückziehen, er weiß aber, dass keine Gefahr droht © Götz Berlik, Hamburg
Im gleichen Atemzug behaupten die Tierschutzaktivisten, Zootiere hätten "keine Möglichkeit, Kontakt zu anderen Tierarten aufzunehmen", was ebenfalls nicht stimmt. Der Straußenhahn im Tierpark Hagenbeck hat nicht nur keine Angst vor der Löwin und teilt sein Gehege nicht nur mit seinen Hennen, sondern auch mit Zebras, Warzenschweinen und Marabus (siehe auch Vergesellschaftung).

Darüber hinaus wird Unsinn erzählt wie "Bevor die Tiere eingesperrt werden können, müssen sie an ihren Hauptfeind, den Menschen gewöhnt werden. Mit körperlicher und psychischer Gewalt wird in einer Art "Umerziehungslager" der Wille der Tiere gebrochen, bevor sie an die Zoos geliefert werden." Dass die allermeisten Säugetiere und viele Vögel, Reptilien und Amphibien im Zoo geboren wurden und daher von klein auf an den Menschen gewöhnt sind, wird verschwiegen.

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In Verbindung mit dem Bild eines Schimpansen hinter Gittern behauptet "animal public" aufgrund einer nicht-repräsentativen Umfrage, die Mehrheit der Deutschen sei gegen exotische Tiere in Zoos
Diese Texte werden per "copy-paste" von Aktivistenseite zu Aktivistenseite übertragen. Ihren Wahrheitsgehalt überprüft niemand. Illustriert wird das Ganze mit Fotos, auf denen hauptsächlich gestochen scharfe Gitter und dahinter ein Tier auf nacktem Betonboden zu sehen ist, oder gerne auch ein Bär, der scheinbar Mitleid heischend zwischen schweren Gitterstäben hindurchschaut.

Wie leicht es ist, mit Bildern und Videos ein negatives Zoo bild zu zeichnen, wird von zoos.media exemplarisch dargestellt, anhand eines Videos, das zeigt, wie man in JEDEM Zoo - auch im besten - Bilder erzeugen kann, die den Eindruck vermitteln, den Tieren ginge es schlecht. Damit kombiniert wird durch nicht-repräsentative Umfragen der Eindruck erweckt, die Mehrheit der Bevölkerung sehe Zoos als Tiergefängnisse an und lehne sie ab.

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Von klein auf mit ihrer Tierpflegerin vertraut: Mhorrgazelle im Zoo Frankfurt. Die Mutter schaut zu © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Tatsache ist, dass die allermeisten Zootiere nicht in der Savanne oder im Urwald eingefangen wurden, sondern bereits im Zoo geboren sind, und dass die Menschen nicht ihre Hauptfeinde sind, sondern ihr Personal, das sie mit Futter versorgt. Ihr Gehege nehmen die Zootiere nicht als Gefängnis wahr, sondern als ihr Heim, das sie gegebenenfalls als ihr Eigentum markieren und notfalls gegen Eindringlinge verteidigen. Und wer in den Zoo geht kann sich davon überzeugen, dass moderne Zoogehege möglichst naturnah gestaltet sind, dass, wo immer es geht, Tierarten miteinander vergesellschaftet werden, und dass die Tierpfleger vielfach dafür sorgen, dass die Tiere beschäftigt sind.

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Teilansicht der Anlage für Riesenotter mit Teich und Bachlauf im Gondwanaland, Zoo Leipzig © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Nachdem nun aber die Zoos massiv in neue Anlagen investieren, ziehen die alten Argumente der Tierschutzaktivisten immer weniger. Der Geschäftsführer einer großen deutschen Tierschutzorganisation hat sich deshalb in Zusammenhang mit der Eröffnung der Ökosystemhalle "Gondwanaland" in Leipzig etwas Neues ausgedacht: Nicht die Bedürfnisse der Tiere, sondern die Wünsche der Menschen stünden im Vordergrund. Die Tiere verkämen zur Staffage, um den Besuchern ein exotisches Ambiente schaffen zu können. Zu einer artgerechten Haltung gehöre aber auch, den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu geben. "Für den biertrinkenden VIP-Besucher" seien die Wildtiere nur noch Kulisse. Mit Artenschutz und Bildung habe das nichts zu tun.

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Komodowaran in Gondwanaland, Zoo Leipzig. Diese Art entstand vor 5 Millionen Jahren in Australien. Heute gibt es nur noch Restvorkommen auf einigen indonesischen Inseln, Zoo Leipzig © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Ungeschickterweise hatte der Mann seinen Rundumschlag vor der Eröffnung gemacht und ohne "Gondwanaland" gesehen zu haben. Er konnte deshalb nicht ahnen, wie abwegig seine Kritik war: Der Einstieg durch einen Bergwerksschacht vermittelt durch die Präsentation "Lebender Fossilien" Einsichten in die Erdgeschichte. Die Bootsfahrt auf dem Tropenfluss ist verbunden mit einer fulminanten Multimedia-Präsentation zur Erdentstehung, Ökologie und Gefährdung der Biodiversität der Regenwälder. In einem besonderen Pavillon wird ein vom Zoo gefördertes Artenschutzprojekt in Malaysia vorgestellt. Der Restaurationsbetrieb befindet sich diskret in einer Ecke, von wo aus keine Tiere zu sehen sind. Diese sind keineswegs Staffage, sondern bewohnen geräumige Anlagen, die so gestaltet und so dicht bepflanzt sind, dass sich das Publikum oft anstrengen muss, um überhaupt ein Tier zu Gesicht zu bekommen. Wer die Tropenhalle Gondwanaland besucht hat, kann daher nur sagen: "Dümmer geht's nümmer".

Literatur:
CONWAY, W.G. (1973)
DITTRICH, L. (1977)
HEDIGER, H. (1942)  
HEDIGER, H. (1950)
HEDIGER, H. (1965)

PD - 07.01.2013; aktualisiert

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Gelesen 6179 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 Dezember 2016 19:18
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