Tiere kommen und gehen

Woher die Zootiere kommen

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Bild aus HAGENBECK, C. (1908)

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Giraffenfang mit dem Lasso in Ostafrika. Fotos aus L. HECK (1952)
Noch immer wollen Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen die Leute glauben machen, Zootiere seien zur Hauptsache der Wildbahn entnommen worden, wie weiland im Film "Hatari!", befänden sich jetzt in einem Gefängnis und sehnten sich zurück nach der goldenen Freiheit. Das trifft zumindest für Säugetiere, auf die sich solche Aussagen in der Regel beziehen, schon längst nicht mehr zu. Dass sich Lutz Heck, der damalige Direktor des Berliner Zoos, auf Tierfang nach Ostafrika begab, ist schon über 80 Jahre her.

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Nach dem Fang wird die Giraffe mit Brachialgewalt auf den Laster bugsiert. Stene aus dem film "Hatari!" auf dem Jahr 1962
Der hinsichtlich Tierfang relativ lebensechte Film "Hatari!" mit John Wayne und Hardy Krüger wurde 1962 gedreht, also vor mehr als einem halben Jahrhundert. Was damals üblich war, ist heute Geschichte: Die Entnahme von Wildtieren aus der Wildbahn ist selten geworden und steht zahlenmäßig hinter den Entnahmen für die Hobbytierhaltung und erst recht für die Gewinnung tierischer Produkte weit zurück (WÜNNEMANN & ORBAN, 2007). Einfuhren von Huftieren aus Afrika und weiten Teilen Asiens sind aufgrund strenger Veterinärvorschruiften der EU seit Jahrzehnten so gut wie ausgeschlossen.

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Plakat zum Film "Hatari!" aus dem Jahr 1962
Der Tierhandel im heutigen Sinn begann im 19. Jahrhundert mit der sich entwickelnden Zirkusindustrie und intensivierte sich mit der in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Gründungswelle bürgerlicher zoologischer Gärten. Zu den bedeutendsten Tierhändler jener Epoche gehörten die Firmen HAGENBECK, Hamburg, und RUHE, Alfeld. Mit dem Ende des Kolonialismus nach dem Zweiten Weltkrieg war die Blütezeit des Handels mit Großtieren vorbei. Ab den 1950er Jahren konzentrierte sich der Handel daher auf Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, die ihre Abnehmer vorab pei privaten Liebhabern fanden (DITTRICH, 1977).

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Der Import von Großsäugern von außerhalb Europas ist enorm selten und mit enorm viel Bürokratie verbunden © Peter Linhart †, Wien
Carl HAGENBECK begann seine Tierhandelstätigkeit als Sechzenhnjähriger im Jahr 1848 als Mitarbeiter seines Vaters Gottfried Claes Carl HAGENBECK. 1866 übernahm er die Firma „C. Hagenbecks Handlungs-Menagerie St. Pauli“. 1874 kamen als Nebenprodukt des Tierhandels die Völkerschauen hinzu, deren letzte 1932 wegen mangelnden Interesses abgebrochen wurde. 1887 wurde der Circus Carl Hagenbeck gegründet und 1907 erfolgte die Eröffnung des Tierparks Hagenbeck in Stellingen. Dort wurde anfänglich auch noch Tierhandel betrieben, aber das Geschäft verlor zunehmend an Bedeutung. (HAGENBECK, 1908; STAEHELIN, 1993)

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Die Regel ist der Austausch zwischen Zoos © Peter Linhart †, Wien
Hermann RUHE I (1861-1923) übernahm 1883 den Kanarienvogelhandel seines Vaters und begann bald, in den Handel mit anderen Tieren einzusteigen, wozu er eigenen Expeditionen nach Übersee ausgerüstete und Fanglager in Malaysia, Burma, Indonesien, Indien. Abessinien, Südwestafrika und Kamerun einrichtete. Die Tiere wurden an alle Zoos der Welt, Circusse und Privatliebhaber verkauft. Nach seinem Tod ging die Terhandlung 1923 an seinen Sohn Hermann II über, der noch im selben Jahr, ähnlich wie  HAGENBECK, ins Zirkusgeschäft einstieg, dann Zoos in aller Welt konzipierte und sie mit Tieren beliefert. Von 1931-72 übernahm er den Zoo Hannover von der Stadt und 1948 errichtete er den den Ruhr-Zoo Gelsenkirchen als ersten einer Reihe eigener Zoos (RUHE, 1960). Unter seinem Sohn und Nachfolger Hermann III wurden bis 1990 15 Safariparks errichtet und jeweils für einige Zeit betrieben. Der Tierhandel ging aber ab den 1960er Jahren immer mehr zurück, weil die Zoos jetzt zunehmend selbst in der Lage waren, ihren gesamten Bedarf an Tieren durch Eigenzucht oder im Tausch mit anderen Parks zu erhalten. 1993 ging die Firma RUHE in Konkurs.

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Heute produzieren die Zoos ihre Giraffen selbst und tauschen sie unter sich aus. Hier Giraffengeburt im Opel-Zoo Kronberg © Opel-Zoo
Anderen Tierhandelsfirmen ging es aus demselben Grund nicht besser: Die Firma Julius Mohr, die seit anfangs des 20. Jahrhunderts in Ulm einen Großtierhandel mit Tierpark betrieb, stellte ihre Tätigkeit 1968 ein (Südwest-Presse vom 22.05.2010). Der pakistanische Großtierhändler George Munroe, der sich 1961 mit dem Bremer Tierpark ein festes Standbein in Deutschland geschaffen hatte,  musste 1973  Konkurs anmelden (Weser-Kurier vom 11.04.2011).

Da aufgrund von Einfuhrrestriktionen der EU auch die Einfuhr von Wildvögeln drastisch abgenommen hat, spielt der Tierhandel als Quelle für Zootiere heute praktisch nur noch bei Reptilien, Amphibien, Fischen und Wirbellosen eine Rolle. Dabei stammen die meisten Süßwasserfische und Schmetterlinge aus Zuchten oder Ranching-Programmen.

Literatur und Internetquellen:
DITTRICH, L. (1977)   
DOLLINGER, P. (2014)
HAGENBECK, C. (1908)
HECK, L. (1952)
LANG, E.M. (1994)
RUHE, H. (1960)
STAEHELIN, B. (1993)
SCHÜRER, U. (1977)
WÜNNEMANN, K. & ORBAN, S. (2007)

www.alt-alfeld.de

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PD - 08.01.2012; ergänzt

Gelesen 6965 mal Letzte Änderung am Montag, 01 August 2016 08:18
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