Katzen

Schwarzfusskatze

Schwarzfusskatze im Zoo Wuppertal Schwarzfusskatze im Zoo Wuppertal
© AS, Kölner Zoo

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)

Zur Gattung Felis gehören je nach Autor vier (IUCN) bis sechs Arten (WILSON & REEDER, 2005). Bis auf die Graukatze, die auf der Roten Liste als Unterart von Felis silvestris aufgeführt ist, werden alle in VdZ-Zoos gehalten.

D VU 650

Schwarzfußkatze

Felis nigripes
Engl.: The Black-footed Cat
Franz.: Le chat à pieds noirs

Schwarzfusskatze (Felis nigripes) © AS, Kölner Zoo
Schwarzfusskatze (Felis nigripes) © AS, Kölner Zoo
Über Verbreitung und Bestand ist relativ wenig bekannt. Man geht aber davon aus, dass es weniger als 10'000 erwachsene Individuen gibt und dass die Verbreitung fragmentiert ist. Große Teile des Lebensraums werden durch Überweidung und Grundwasserabsenkung beeinträchtigt. Das Ausbringen von Giftködern und freilaufende Hunde setzen den Tieren zu. Die Art wird daher als gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE).

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Approximative Verbreitung der Schwarzfußkatze (Felis nigripes)
Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Verbreitung: Südliches Afrika: Botswana, Namibia, Südafrika, eventuell Angola, Schwarzfusskatze im Zoo Wuppertal © Sliwa
Schwarzfusskatze im Zoo Wuppertal © Sliwa
hauptsächlich in Trockengebieten mit weniger als 500 mm Niederschlag/Jahr.

Haltung in VdZ-Zoos: Aktuell keine, bis 2012 Wuppertal, zuvor auch 5 weitere VdZ-Zoos.

Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1994. Das Internationale Zuchtbuch wurde am Zoo Wuppertal geführt (AS), der auch das EEP koordinierte.

Der Bestand in Europa hat in den letzten Jahren massiv abgenommen. Im Januar 2011 lebten hier nur noch 5.2 Tiere in drei Haltungen. 2012 starben die letzten vier Tiere. Hauptgrund für den Niedergang der Population war das vermutlich durch eine genetische Disposition begünstigte Auftreten von Nierenamyloidose (TERIO et al. 2008).

Schwarzfusskatze im Zoo Wuppertal © AS, Kölner Zoo
Schwarzfusskatze im Zoo Wuppertal © AS, Kölner Zoo
Besonderes: Die Schwarzfußkatze ist mit durchschnittlich nur 1,6 kg (1,1 bis 2,5 kg) Körpergewicht die kleinste wildlebende Katzenart Afrikas. Sie ist nur in den Trockengebieten des südlichen Afrikas verbreitet. Ihre exakten Lebensraumansprüche sind trotz der bisher einzigen Feldstudie (mehr) noch nicht umfassend bekannt. Sie meidet wohl buschreiche Vegetation und felsiges Gelände und ist eher spezialisiert auf deckungsarme Kurzgrasgebiete mit gutem Kleinvogel- und Kleinsäugerbestand.

Die Schwarzfußkatze ist nachtaktiv. Um den Sonnenuntergang herum verlassen die Katzen ihre Tagesverstecke, meist verlassene Erdbauten der im Studiengebiet häufigen Springhasen (Pedetes capensis) oder hohle, verwitterte Termitenhügel und kehren erst bei Sonnenaufgang dorthin zurück. Mit einer im Vergleich zu anderen Katzenarten eher untypischen Energie laufen 10 bis 30 km pro Nacht. In einem Fall legte ein Kater in 277 Beobachtungsstunden 210 km zurück und hinterließ 3.400 Urinmarken. Dabei nutzte er ein Kerngebiet von wenigen Quadratkilometern intensiv und unternahm von dort aus Exkursionen. 

Schwarzfußkatzen haben einen beachtlichen Nahrungsbedarf. Sie fressen jede Nacht etwa ein Fünftel ihres Körpergewichts, das sind bei einem 1,3 kg schweren Weibchen ca. 250 g. Sie sind hervorragende Jäger und fressen durchschnittlich alle 50 Minuten ein Wirbeltier. Die durchschnittliche Beutegröße ist bei Katern grösser als bei Weibchen. Kater können schon mal einen bis zu 2 kg schwere Kaphasen (Lepus capensis), eine hühnergroße Weißflügeltrappe (Eupodotis afraoides) oder andere Raubsäuger wie Fuchsmangusten und Erdmännchen fangen. Kleinsäuger mit Körpergewichten zwischen 5 und 40 g machen den größten Teil der Beute aus, gefolgt von größeren Säugern mit mehr als 100 g sowie kleinen Vögeln. Wirbellose, Amphibien und Reptilien stellen nur einen geringen Prozentsatz der Gesamtbeutemasse. Was nicht sofort verspeist werden kann, wird in kleinen Mulden unter Sand und Gras verscharrt, um einige Stunden später gefressen zu werden.

Katzen haben Streifgebiete von etwa 10 km², diejenigen der Kater sind etwa doppelt so groß. Die Gebiete benachbarter Kater überlappen sich nur wenig, schließen aber die Gebiete von ein bis drei Katzen ein, die z.T. relativ stark miteinander überlappen. Die innerartliche Verständigung erfolgt hauptsächlich über Geruchsmarkierung mit Urin. Schwarzfußkater sprühen feinzerstäubten Urin ungefähr 200 mal pro Nacht an Grasbüschel, Zwergbüsche und Termitenhügel, die weiblichen Katzen etwa 100 mal. Dies wird während der winterlichen Paarungszeit erheblich gesteigert.

Nach einer Tragzeit von 62 bis 68 Tagen werden in einem hohlen Termitenhügeln oder verlassenen Springhasenbau ein bis vier Junge geboren. Die Jungen werden schon nach zwei Tagen von der jagenden Mutter für lange Zeit während der Nachtstunden allein gelassen und bleiben still im Unterschlupf oder langen Gras verborgen. Die Mutter verlegt die Jungen ab dem sechsten Tag regelmäßig in neue Baue. Damit wird ein Aufbau von Gerüchen in den Bauen vermieden, die durch die Ausscheidungen der Jungen entstehen würden, die andere Raubsäuger anlocken könnten. Schwarzfußkatzenjungtiere wachsen schnell heran und sind mit ca. fünf bis sechs Monaten unabhängig, nachdem ihr Milchgebiss durch das permanente Gebiss ersetzt ist. Danach wandern sie zum Teil ab, zum Teil bleiben noch einige Zeit im Revier der Eltern, um sich dann später bei Freiwerden eines Nachbarreviers dort anzusiedeln.

Erwachsene Schwarzfußkatzen genießen bei den Bewohnern der Karoo und Kalahari ebenso wie bei den Tierpflegern verschiedener Zoologischer Gärten einen beachtlichen Respekt ob ihrer Wildheit. Während sich viele andere Kleinkatzen bei Entdeckung oder wenn in die Ecke getrieben in ihr Schicksal ergeben, kämpft die Schwarzfußkatze entschlossen gegen jeden noch so großen Feind. Bei Begegnungen mit durchschnittlich viermal so schweren Schakalen setzten sich besonders die ausgewachsenen Kater durch, jedoch dürfte eine weibliche Katze oder vor allem unerfahrene Jungkatzen in ernste Gefahr kommen. Vor allem paarweise jagende Schakale stellen eine ernste Bedrohung dar (SLIWA, 2007).

Artenschutz: Forschungsprojekt

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
ALMASBEGY, M.M. (2011)
HANSCHKE, A. (2009)

HOHAGE, B. (2012)
ZIMMERMANN, P. A. (2009)

Literatur:
ALMASBEGY, M. & PFLEIDERER, M. (2011)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)

SLIWA, A. (2007)  
TERIO, K. A., O'BRIEN, T., LAMBERSKI, N., FAMULA, T. R. & MUNSON, L. (2008)
WEIGEL, I. (1970)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD - 23.09.2007; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 4471 mal Letzte Änderung am Sonntag, 04 September 2016 07:00
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