Katzen

Wildkatze

Wildkatze (Felis s. silvestris) im Natur- und Tierpark Goldau Wildkatze (Felis s. silvestris) im Natur- und Tierpark Goldau
© PD, VDZ-Geschäftsstelle

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)

Zur Gattung Felis gehören je nach Autor vier (IUCN) bis sechs Arten (WILSON & REEDER, 2005). Bis auf die Graukatze, die auf der Roten Liste als Unterart von Felis silvestris aufgeführt ist, werden alle in VdZ-Zoos gehalten.

 D LC 650

Wildkatze

Felis silvestris 
Engl.: The Wild Cat
Franz.: Le chat sauvage

Oman-Falbkatze im Zoo Wuppertal © AS, Kölner Zoo
Oman-Falbkatze im Zoo Wuppertal © AS, Kölner Zoo
Trotz allgemein abnehmender Bestandestendenz gilt die Wildatze weltweit als nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Diese Beurteilung trifft aber nicht für alle Unterarten bzw. Regionen zu. Auf der Roten Liste Deutschlands ist die Art als "gefährdet", auf jener der Schweiz als "stark gefährdet" aufgeführt.

Der Internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Wildkatze fällt unter Anhang IV der FFH-Richtline (92/43/EWG) und ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II des Berner Übereinkommens.

Verbreitung und Taxonomie:
Von der Wildkatze wurden zahlreiche Unterarten beschrieben und in der Regel in drei Gruppen zusammengefasst:

Junge Wildkatze im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Junge Wildkatze im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Europäische Wildkatzen – silvestris-Gruppe
Asiatische Wildkatzen – ornata-Gruppe
Afrikanische Wildkatzen – libyca-Gruppe

In WILSON & MITTERMEIER (2009) sind 19 Unterarten angegeben. Nach neueren genetischen Untersuchungen werden jedoch nur noch fünf Unterarten unterschieden, nämlich

F. s. lybica aus Nordafrika und Südwest-Asien. Diese ist die Stammform der Hauskatze.

F. s. cafra aus Afrika südlich der Sahara, wobei es zwischen lybica und cafra eine Hybridzone gibt.

Wildkatzenkuder (Felis s. silvestris) im Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ-Geschäftsstelle
Wildkatzenkuder (Felis s. silvestris) im Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ-Geschäftsstelle
F. s. ornata
von Zentralasien bis Indien,

F. s. silvestris aus Europa,

sowie die bis anhin als selbständige Art betrachtete Graukatze, F.( s.) bieti. Dies ist jedoch noch umstritten.

Die Europäische "Waldwildkatze" kommt vor in Albanien, Andorra, Armenien, Aserbeidschan, Belgien, Bosnien- Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Grossbritannien, Kroatien, Italien, Luxemburg, ehem. Jugoslaw. Rep. Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Oman-Falbkatze im Zoo Wuppertal © AS, Kölner Zoo
Oman-Falbkatze im Zoo Wuppertal © AS, Kölner Zoo
Ukraine, Ungarn, Weißrussland (PIECHOCKI, 1990)

Haltung in VdZ-Zoos:
Felis silvestris gordoni: Berlin-Tierpark, Chemnitz, Wuppertal
Felis silvestris silvestris: Altschönau, Berlin-Tierpark, Bern, Chemnitz (Tierpark und Wildgehege Oberrabenstein), Duisburg, Goldau, Innsbruck, Kronberg, Langenberg, Neumünster, Neuwied, Nordhorn

Das Internationale Zuchtbuch für die Oman-Wildkatze Felis silvestris gordoni   wird am Kölner Zoo geführt.

112-007-001-017 felis s gordoni wuppert PD
Oman-Falbkatze (Felis silvestris gordoni) im Zoo Wuppertal © Peter Dollinger, VDZ
Besonderes: Einst in vielen Mittelgebirgen zu Hause, war die Wildkatze in Deutschland fast vollständig ausgerottet worden. 1934 wurde sie durch das Reichsjagdgesetz unter Schutz gestellt. Nur geringe Bestände hatten im Pfälzer Wald, im Harz und den umliegenden Mittelgebirgen, in der Eifel, im Taunus, im Schwarzwald und im Thüringischen Schiefergebirge überlebt. In folgenden Bundesländern war sie ganz ausgestorben: Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Bayern (PIECHOCKI, 2001).

1984 startete der Bund Naturschutz in Bayern e.V. eine Wiederansiedlung. Bis zum Jahr 2000 wurden im Spessart 250 Tiere, im Steigerwald 64 Tiere und im Vorderen Bayerischen Wald / Oberpfälzer Wald 109 Tiere freigelassen (WOREL, 2001). Diese Tiere stammten aus VDZ-Zoos in Deutschland, Österreich und der 112-007-001-026-felis s silvestris BREHM
Felis s. silvestris aus BREHMS TIERLEBEN (1883)
Schweiz und aus Wildparks, oder waren in besonderen Zuchtstationen für die Wiederansiedlung gezüchtet worden. Seitdem wurden weitere Tiere freigelassen und neue Ansiedlungsgebiete werden geprüft.

Heute gibt es in der Bundesrepublik wieder rund 5000 Wildkatzen.

112-007-001-026 felis silvestris goldau
Wildkatze (Felis s. silvestris) im Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ-Geschäftsstelle
In der Schweiz kommt die Wildkatze nur im Jura und gelegentlich im Mittelland vor. In den Alpen fehlte sie wohl stets. Um 1960 war die Art praktisch ausgestorben. Unter dem Schutz des Bundesgesetzes über Jagd und Vogelschutz ab 1962 fand eine Wiederbesiedlung des Juras statt, teils durch aus Frankreich einwandernde Tiere, teils durch Aussetzungen, im Kanton Bern von Tieren aus dem Tierpark Bern, im Kanton Wadt von Tieren aus dem Kleinzoo La Garenne und Wildfängen aus Frankreich. Ein Ansiedlungsversuch in den Alpen durch die Bernische Jagdverwaltung, die von 1962-1967 am Augstmatthorn 19 Wildkatzen, drei davon aus dem Zoo Basel, acht aus dem Tierpark Bern und acht aus Burgund, freiliess, scheiterte. (LIBEREK, 1999).

In Österreich waren die meisten Wildkatzenpopulationen um 1900 erloschen. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb ein kärntner und südsteirisches Vorkommen erhalten, das in Verbindung mit der Population in Slowenien stand. Nach den 1950er-Jahren, starb der autochthone reproduzierende Bestand in Österreich aus und es seitdem gibt es nur noch sporadisch und lokal einzelne Meldungen, die sich vermutlich auf aus Nachbarpopulationen (Bayern, Italien) zugewanderte Tiere beziehen.

Durch Vermischung mit Hauskatzen ("genetic pollution") sind reinblütige Wildkatzen in machen Teilen ihres Verbreitungsgebiets ausgestorben. In anderen Gebieten, z.B. in Italien, findet dagegen kaum eine Vermischung statt. Im Rahmen eines Langzeitprojekts wird die Situation in der Nordwestschweiz und im angrenzenden Elsass geklärt. Mittels mit Baldrian imprägnierter Lock-Stöcke werden Haare für Gentests gesammelt. Mehrere Katzen-Generationen sollen Aufschluss darüber geben, ob und wie die Vermischung der Populationen abläuft. Nach dem Stand von 2009 wird vermutet,dass zwischen Aesch (Basel-Land) und Kiffis (Elsass) am Blauen/Glaserberg rund 30 wilde Katzen leben, ein Viertel davon Mischlinge.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
MÄDER, A. (2013)

Literatur:
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HARTMANN-FURTER, M. (2005)
LIBEREK, M. (1999)
PIECHOCKI, R. (1990)
PIECHOCKI, R. (2001)
WEIGEL, I. (1970)

WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)
WOREL, G. ( 2001)

30.06.2013; 13.11.2014

Zurück zu Raubtiere

Weiter zu Kleinfleckkatze (Leopardus geoffroyi)

Gelesen 3895 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 14 Oktober 2015 14:48
© Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. hyperworx