Katzen

Eurasischer Luchs

Altai-Luchs (Lynx lynx wardi) im Tierpark Berlin Altai-Luchs (Lynx lynx wardi) im Tierpark Berlin
© KR, Berlin

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)

Es gibt vier Arten Luchse, von denen eine vom Aussterben bedroht ist. In VdZ-Zoos werden zwei Arten gezeigt.

D LC 650

Eurasischer Luchs

Lynx lynx 
Engl.: The Eurasian Lynx
Franz.: Le lynx (boréal)

Karpathenluchs mit Jungem im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Karpathenluchs mit Jungem im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Wegen seiner weiten Verbreitung gilt der Luchs nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Er ist aber in weiten Teilen Europas ausgestorben und konnte nur stellenweise während der letzten Jahrzehnte wiedereingebürgert werden. In Deutschland und der Schweiz, wo es wiedereingebürgerte Populationen gibt, wird die Art auf den nationalen Roten Listen als "stark gefährdet" bzw. als "vom Aussterben bedroht" aufgeführt.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Geschützt nach Berner Konvention Anhang III. Streng geschüJungluchs - Pressefoto Tierpark Chemnitz
Jungluchs - Pressefoto Tierpark Chemnitz
tzte Art nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie 92/43/EWG ausgenommen definierte Populationen.

Verbreitung: Afghanistan, Albanien, Armenien, Aserbeidschan, Bhutan, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, China, Estland, Finnland, Georgien, Griechenland, Indien, Iran, Irak, Kasachstan, Nord-Korea,Kirgistan, Kroatien, Lettland, Litauen, ehem. Jugoslawische RepSibirischer Luchs im Zoo Heidelberg © PD, VDZ
Sibirischer Luchs im Zoo Heidelberg © PD, VDZ
ublik Mazedonien, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Nepal, Norwegen, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Spanien, Schweden, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Weissrussland

Wiedereingebürgert in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien, Schweiz, Tschechien

Der hochbedrohte Iberische Luchs (Spanien, Portugal) wird heute als eigene Art (Lynx pardinus) angesehen.

Haltung in VDZ-Zoos: Neumünster, Stralsund (diese Zoos halten nicht-Karpathenluchs im Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ
Karpathenluchs im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VDZ
identifizierte Unterarten oder Unterart-Hybriden)
Lynx lynx carpathicus: Bern, Chemnitz (Tierpark und Wildpark Oberrabenstein), Dortmund, Goldau, Innsbruck, Karlsruhe, Langenberg, Magdeburg, Osnabrück, Straubing
Lynx lynx lynx: Aachen, Altschönau, Bernburg, Bochum, Duisburg, Gelsenkirchen, Herberstein, Innsbruck, Kronberg, Landau, Linz, München, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Tallinn, Wien
Lynx lynx wardi: Berlin-Tierpark
Lynx lynx wrangeli: Görlitz, HeSibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli) ehemals Zoo Krefeld © PD, VDZ
Sibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli) ehemals Zoo Krefeld © PD, VDZ
idelberg

Besonderes: In Rheinland-Pfalz wurden die letzten Luchse 1706-1710 im Pfälzer Wald und 1669 bei Fischbach im Hunsrück erlegt (HELB, 2003). In Hessen soll der letzte Luchs 1833 im Odenwald erlegt worden sein. Im Harz fanden die letzten Luchsjagden in den Jahren 1817 und 1818 statt. Nachdem schon im März 1817 an der Sonnenklippe nahe des Brockens nach mehreren vergeblichen Jagden ein Luchs erlegt wurde, bot man ein Jahr später rund 200 Jäger und Treiber auf, um einen wohl von irgendwoher zugewanderten Luchskuder nach elftägiger Jagd zur Strecke zu bringen. Der Herzoglich-Braunschweigische Forstmeister Werner Jungluchs - Pressefoto Tierpark Chemnitz
Jungluchs - Pressefoto Tierpark Chemnitz
Graf von VELTHEIM beschrieb den letzten Tag der Jagd wie folgt: „Kaum waren die nachgehenden Jäger 200 Schritte weit der Fährte gefolgt, als sie den Luchs frisch flüchtig spürten (...). Da springt der Luchs nun in die Dickung zwar zurück, kommt aber doch auf einer lichten Stelle vor dem Königlich Hannöverschen reitenden Förster SPELLERBERG aus Lautenthal, breit heraus, in welchem Augenblicke dann ihm dieser mit sicherer Hand eine Flintenkugel ächtmeisterlich durch das Herz schießt, worauf der Wütherich nach zwey Bogensätzen entseelt niederstürzet.“ (KAMKE, C., 2004, NHM Braunschweig). Wanderer finden noch heute einen Junger Altai-Luchs (Lynx lynx wardi) im Tierpark Berlin © Peter Dollinger, VDZ
Junger Altai-Luchs (Lynx lynx wardi) im Tierpark Berlin © Peter Dollinger, VDZ
Gedenkstein und eine erläuternde Tafel in der Nähe von Lautenthal und das Präparat ist im Naturhistorischen Museum in Braunschweig zu besichtigen.

Der letzte bodenständige Luchs in Thüringen wurde 1819 bei Luisenthal geschossen (Naturkundemuseum Erfurt).

In Bayern verschwand der Luchs um 1850. Der letzte verbürgte Abschuss im Bayerischen Wald stammt vom Jahr 1846 nahe Zwiesel (SPERBER, 1974), im selben Jahr wird der letzte Luchs Württembergs auf der Schwäbischen Alb bei der Ruine Reußenstein getötet. In der Provinz Preußen wurden die letzten Luchse in Masuren, 1861 bei der Oberförsterei Nassawen und 1868 bei der Oberförsterei Puppen (heute Spychowo) erlegt. Im ersten Falle handelte es sich um einen 1860 zugewanderten Luchs, der dem Rehbestand ziemlich zusetzte, worauf Treibjagden auf ihn veranstaltet wurden, die am 10. Februar 1861 zum Erfolg führten. Im zweiten Fall befand sich der Förster WIENKOWSKI am 21. September auf Schnepfenjagd, als er ein Tier erblickte, das er erst als Reh, dann als einen der damals noch häufiger vorkommenden Wölfe ansprach und in der Aufregung mit Schnepfenschrot Nr. 6, darauf mit grobem Schrot aus dem anderen Lauf beschoss.

Das verletzte Tier flüchtete etwa 200 Schritt, wurde vom Hund gestellt und nach einer weiteren Flucht von 50 Schritt aus einer Distanz von 10 Metern in den Kopf geschossen. Es handelte sich um einen Kater mit einem Gewicht von 32 Pfund. Ein zweiter Luchs konnte sich der Bejagung entziehen (DROSTE, 1869).

Luchsmotiv auf Briefmarke
Luchsmotiv auf Briefmarke
Die heute wieder im Bayerischen Wald vorkommenden Luchse gehören zur böhmisch-bayerischen Population, die auf 17 Tiere zurückgeht, die in den 1980er-Jahren im tschechischen Šumava-Gebirge ausgesetzt wurden, nachdem ein Jahrzehnt zuvor ein ähnlicher Wiederansiedlungsversuch im Bayerischen Wald gescheitert war. Bis Mitte der 90er Jahre wuchs die Population und dehnte sich im Dreiländereck Tschechien-Deutschland-Österreich aus. Dann wurde der Trend rückläufig. Heute umfasst der Bestand etwa 75 Tiere.

Die Luchse im Harz gehen auf die Auswilderung von 24 Luchsen aus Zoos und Wildpärken im Zeitraum 2000-2006 zurück. Der Bestand von gegenwärtig etwa 30 Luchsen erstreckt sich über die beiden Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und ist von anderen Luchspopulationen völlig isoliert. Einzelne Luchse wurden auch im Schwarzwald, im Pfälzerwald und im oberen Donautal nachgewiesen.

In der Schweiz , wo der letzte autochthone Luchs 1902 im Wallis geschossen worden war, wurden von 1970-76 Jahren zehn Luchse mit behördlicher Genehmigung wiederangesiedelt. Diese Luchse waren zuvor in den Karpaten gefangen und danach in den Zoo von Mährisch Ostrau (Moravské Ostrava) verbracht worden, wo sie auf den Transport in die Schweiz vorbereitet wurden. Vor der Freilassung wurde jeweils noch eine Quarantäne im Zoo Basel durchgeführt.

Neben diesen offiziellen Aussetzungen sollen weitere 14 bis 20 Luchse ohne behördliche Bewilligung freigelassen worden sein. Soweit dies heute noch nachvollzogen werden kann, stammten auch diese Tiere aus den Karpaten, vermutlich mit der Ausnahme eines illegal vom WWF im schweizerischen Nationalpark ausgesetzten Paares, das aber nicht zur Fortpflanzung gelangte. Heute wird der schweizerische Bestand in den Alpen auf etwa 100 Tiere geschätzt, jener im Jura auf etwa 50.

In Österreich war der Luchs 1892 ausgerottet worden. In den letzten Jahrzehnten wanderten immer wieder einzelne Tiere aus den Nachbarländern ein. Zusätzlich wurden in der Steiermark neun Luchse ausgesetzt. Heute kommt der Luchs in Österreich vor allem im nördlichen Mühl- und Waldviertel sowie im Dreiländereck Salzburg-Steiermark-Kärnten (Gurktaler Alpen) und in Südkärnten (Karawanken) vor, zählt aber immer noch zu den seltensten Säugetieren des Landes. Am 9. Mai 2011 wurde erstmals ein Luchs aus der Schweiz in den Nationalpark Kalkalpen (Oberösterreich) umgesiedelt. Weitere Tiere sollen folgen (WILD Info 20, Nr. 3: 5),

In Nordschweden kann ein Luchsterritorium bis zu 1'000 km² groß sein, in Mitteleuropa liegen die Flächen zwischen 50 und 300 km², in der Schweiz typischerweise bei 90 km² für Kätzinnen und 150 km² für Kuder (BREITENMOSER-WÜRSTEN & BREITENMOSER, 2013).

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
AMBROSCH, J. (2009)  
EHLERT, K. (2005) 
EHLERT, K., LUEDICKE, T. (2003)
LUEDICKE, T. (2005)
MARKOWSKI, S. (2013)
SCHÖNE, J. (2001)
WILHELM, S. (2011)

Literatur:
BREITENMOSER, U. & BREITENMOSER-WÜRSTEN, CH. (1998)
BREITENMOSER-WÜRSTEN, CH. & BREITENMOSER, U. (2013)
DROSTE, F. Baron von (1869)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)

HAUSSER, J. et al. (Hrsg., 1995)
HELB, H.-W. (2003)
SPERBER, G. (1974)
WEIGEL, I. (1970)

WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD - 25.02.2009

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