Katzen

Löwe

Angolanischer Mähnenlöwe im Zoo Leipzig Angolanischer Mähnenlöwe im Zoo Leipzig
© Peter Dollinger, VdZ

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)

Die Gattung Panthera umfasst vier, bzw. mit dem Schneeleoparden fünf Arten. Alle werden in VdZ-Zoos gehaltenD VU 650

Löwe

Panthera leo 
Engl.: The Lion
Franz.: Le lion

Weibliche Etoscha-Löwen (Panthera leo vernayi) im Zoo Basel © Zoo Basel
Weibliche Afrikanische Löwen im Zoo Basel © Zoo Basel
In Afrika ist das Verbreitungsgebiet des Löwen in den letzten Jahrzehnten massiv geschrumpft und ist heute stark fragmentiert. Mittlerweile sind die Löwen aus 80 % ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets verschwunden und  vom Bestand, der zur Mitte des letzten Jahrhunderts bei rund 400'000 Individuen lag, sind heute kaum mehr als 30'000 übrig. Ursachen dafür sind Konflikte mit der ländlichen Bevölkerung, weil der Mensch immer mehr Land für sich und seine Nutztiere in Anspruch nimmt, und Wilderei, etwa für die Zwecke traditioneller Medizin (IUCN/SSC Cat Specialist Group, 2015). 112 007 002 001 panthera leo Nuern PD
Asiatische Löwen (Panthera leo persica) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, VdZ
Der Afrikanische Löwe ist daher gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE), regional zum Teil bedroht. Die Bestände in West- und Zentralafrika werden auf maximal 2850 Tiere geschätzt. Von 2006-2010 durchgeführte Untersuchungen lassen vermuten, dass der Löwe in der Elfenbeinküste, in Ghana und im Kongo bereits ausgestorben Löwenjunges im Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück
Löwenjunges im Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück
ist (HENSCHEL et al., 2010).

Die asiatische Unterart mit einem Wildbestand von weniger als 400 Individuen in einer einzigen Population ist bedroht (Rote Liste: ENDANGERED). Der Bestand ist relativ stabil. Er kann aber weder wachsen noch sein Areal ausdehnen, weil die Kapazität des Gir Forest-Schutzgebiets erreicht ist.

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I (Asiatischer Löwe) eingeschränkt bzw. nach Anhang II (Afrikanischer Löwe) geregelt.

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Verbreitungskarte des Löwen aus der Roten Liste der IUCN
Verbreitung: Savannen, Steppen und Wüsten Afrikas südlich der Sahara. Indien: Kathiawar-Halbinsel im Bundeststaat Gudjerat.

Afrikanischer Löwe: Angola, Äthiopien, Benin, Botswana, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Dem. Rep. Kongo, Malawi, Mali, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik. Vorkommen fraglich in Burundi, Kongo, Togo. Der Löwe ist möglicherweise ausgestorben in Gabun und ausgestorben in Ägypten, Algerien, Dschibuti, Eritrea, Gambia, Lesotho, Libyen, Mauretanien, Marokko, Sierra Leone, Tunesien, West-Sahara

Afrikanischer Mähnenlöwe im ZooPark Erfurt © Peter Dollinger, VdZ
Afrikanischer Mähnenlöwe im ZooPark Erfurt © Peter Dollinger, VdZ
Asiatischer Löwe: Nur noch ein einziger Bestand im 1,400 km² grossen Gir Forest Nationalpark in Indien. Ausgestorben in Afghanistan, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Pakistan, Palästina, Saudi Arabien, Syrien, Türkei.

Haltung in VdZ-Zoos:
Asiatischer Löwe: Berlin-Tierpark, Frankfurt, Köln, Magdeburg, Nürnberg, Tallinn, Zürich.

Afrikanischer Löwe, "Berber": Berlin-Zoo, Erfurt, Hannover, Heidelberg, Herberstein, Neuwied, Osnabrück, Wien; "Angola": Chemnitz, Halle, Hoyerswerda, Leipzig; "Etoscha": Basel, Salzburg; sonstige: Augsburg, Dortmund, Dresden, 112-007-002-001 panthera leo ZRH ED
Junge Asiatische Löwen (Panthera leo persica) im Zoo Zürich © Edi Day, Zoo Zürich Zoo
Duisburg, Eberswalde, Gelsenkirchen, Hamburg, Karlsruhe, München, Münster, Osnabrück, Rostock, Schwerin, Stralsund, Ueckermünde, Wingst, Wuppertal.

Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Asiatische Löwen seit 1994.

Besonderes: Im Gegensatz zu anderen Katzenartigen leben Löwen gesellig. Bis zu zehn Löwinnen bilden ein Rudel und besetzten ein Revier. Bis zu vier Kater, 112-007-002-001 panthera leo hann
"Berber"-Mähnenlöwe im Zoo Hannover © Peter Dollinger, VdZ
oft Brüder, verteidigen gemeinsam das Revier gegen fremde Artgenossen. Die Jagd übernehmen daher vorab die Weibchen, wobei die Männchen Ihren Anteil erhalten. Zwischen den Männchen einer Gruppe gibt es nur wenig rivalisierende Kämpfe, die hauptsächlich der Einordnung innerhalb der Hierarchie dienen und nicht mit letzter Härte ausgefochten werden. Kämpfe auf Leben und Tod treten jedoch mit herumziehenden Löwen auf, welche sich dem Rudel anschliessen oder dieses übernehmen wollen. Gewinnen die Eindringlinge diesen Kampf, werden danach häufig die Jungen des Vorgängers getötet.

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Dösender Mähnenlöwe im Zoo Berlin © Peter Dollinger, VdZ
Löwen pflegen bis zu 20 Stunden pro Tag zu ruhen und jagen hauptsächlich nachts. Als der Berliner Zoo zum Olympiajahr 1936 seine 2400 m² große Löwenanlage einweihte, waren die Besucher anfänglich wenig begeistert. Denn nachdem die Löwen ihr Territorium erst einmal erkundet hatten, liessen sie es hinfort mit einem kurzen Morgenspaziergang bewenden. Anschliessend legten sie sich - oft hinter Felsen verborgen - zur Ruhe nieder. Damit die Zoobesucher überhaupt etwas sahen, wurde daraufhin eine Gruppe Zirkuslöwen angeschafft und von ihrem Dompteur zweimal täglich im vorderen Teil der Freilanlage vorgeführt (POLEY, 1993). In jüngerer Zeit erstellte Löwenanlagen sind daher oft etwas kleiner als jene des Zoologischen Gartens Berlin. So misst die 2001 eröffnete Löwensavanne des Leipziger Zoos 1000 m² oder das 2006 gebaute Hauptgehege des Löwenwaldes im Zoo Zürich 1330 m².

Afrikanischer Mähnenlöwe im Zoo Eberswalde © Zoo Eberswalde
Afrikanischer Mähnenlöwe im Zoo Eberswalde © Zoo Eberswalde
In der Wildbahn umfasst das Territorium eines Rudels zwischen 266 und über 20'000 km² (BREITENMOSER-WÜRSTEN & BREITENMOSER, 2013). Diese riesigen Flächen hängen offenischtlich nicht damit zusammen, dass die Löwen ein großes Bewegungsbedürnis hätten, sondern sind erforderlich, damit das Rudel genügend Nahrung findet.

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Berberlöwen-Paar im ErlebnisZoo Hannover vor dem Umzug nach Heidelberg © Zoo Hannover
Die Taxonomie der Löwen hat die Zoologen ausgiebig beschäftigt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden 23 Formen wissenschaftlich beschrieben, zum Teil auf der Grundlage unzulänglichen Materials oder solchem unklarer Herkunft. Im Rahmen einer Dissertation an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde 1826 erstmals versucht, in geordneter Weise Unterarten zu beschreiben (MEYER, 1826). Eine umfassende Darstellung gab HEMMER (1974) auf Grundlage der Morphologie. Seitdem führten genetische Untersuchungen zu weiteren Erkenntnissen und Diskussionen. Die reich illustrierte Darstellung von LUPTAK & CSURMA (2009) gibt eine gute Übersicht. Die Rote Liste der IUCN geht von zwei Unterarten, dem Asiatischen und dem Afrikanischen Löwen aus, ISIS dagegen führt acht verschiedene afrikanische Unterarten auf.

Jagdszene aus Ninive 7. Jhdt. v. Chr.; British Museum, London
Jagdszene aus Ninive 7. Jhdt. v. Chr.; British Museum, London
In Afrika ist der Löwe aus weiten Teilen seines ehemaligen Areals verschwunden. So wurde z.B. dem Kaplöwen seit Gründung der Kapkolonie 1652 intensiv nachgestellt. Der britische Kolonialoffizier Captain William CORNWALLIS HARRIS musste 1836 bereits bis in die Gegend von Kuruman in der südlichen Kalahari reisen, um Löwen zu Gesicht bzw. vor das Gewehr zu bekommen (CORNWALLIS HARRIS, 1840). Der letzte Kaplöwe (Panthera leo melanochaita) wurde 1879 in Ost-Griqualand (heute Eastern Cape Province) geschossen. Aus Natal verschwand die Art etwa um dieselbe Zeit.

Die letzten wilden Atlaslöwen (Panthera leo leo) wurden 1891 (Tunesien), 1942 (Marokko), und ev. 1943 (Algerien) erlegt bzw. gesichtet. Ihr Blut ist aber noch in der Zoopopulation vorhanden.

Kaplöwen gezeichnet von Captain William CORNWALLIS HARRIS (1840)
Kaplöwen gezeichnet von Captain William CORNWALLIS HARRIS (1840)
Löwen hatten früher auch in Eurasien eine sehr viel weitere Verbreitung. Der Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea) lebte bis zum Ende der Würm-Eiszeit vor 11'700 Jahren in Mitteleuropa. Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen sind die Bundesländern in Deutschland, in denen besonders viele Zähne und Knochen von Höhlenlöwen gefunden wurden. Aus Österreich sind Fossilien von Höhlenlöwen bis in ca. 2000 Meter Höhe und aus der Schweiz bis in 1500 Meter Höhe bekannt. Die bisweilen als Panthera leo vereschagini bezeichneten, etwas kleineren sibirischen Löwen des mittleren Pleistozäns fanden vor 300'000 Jahren gar den Weg über die Beringstrasse nach Nordamerika, von wo sie sich als "Panthera leo atrox" bis ins nördliche Südamerika ausbreiteten. Diese sehr großen Löwen starben, wie viele andere Elemente der amerikanischen Megafauna, vor etwa 10'000 Jahren aus.

Die „Terrasse der Löwen” auf Delos mit fünf – ursprünglich sechs - von Bewohnern der Insel Naxos als Weihgeschenk gestifteten Löwenstatuen aus Marmor, 7. Jhdt. v. Chr.
Löwenmonumente auf Delos, 7. Jhdt. v. Chr.
Andere Löwenformen schafften es aber bis in die Neuzeit. Wie Fossilfunde aus Ungarn belegen, kamen Löwen bis in die Bronzezeit in Mitteleuropa vor. In Griechenland starben sie wohl im 1. Jahrhundert v. Chr. aus, in der Ukraine und in Aserbaidschan um das Jahr 1000 n. Chr.. Um 1810 verschwanden sie aus Pakistan, womit die letzte Population in Indien isoliert war. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Löwen noch von der Türkei bis zur Arabischen Halbinsel. 1879 wurden die letzten in der Osttürkei gespürt (letzter Abschuss 1870 bei Birecik), 1891 in Syrien, 1918 im Irak, 1923 in Saudi Arabien und 1942 in Iran. (LUPTAK & CSURMA, 2009, NOWELL & JACKSON, 1996, und weitere Quellen). Die Morphologie ausgestorbener Löwenformen hat Helmut HEMMER (1963; 1966; 1967) in einer Reihe von Publikationen dargestellt.

Löwenjagd 4. Jhdt. v. Chr. Mosaik, Pella-Palast, Makedonien
Löwenjagd 4. Jhdt. v. Chr. Mosaik, Pella-Palast, Makedonien
Kulturelle Bedeutung: Als wohl beliebtestes Wappentier findet sich der Löwe im Wappen oder als Schildhalter vieler Adelshäuser und ihrer Rechtsnachfolger. Er wird schreitend oder aufgerichtet dargestellt. Eine kleine Auswahl: Er ist Schildhalter des Bayerisches Staatswappen und Symbolfigur Bayerns. Der Bergische Löwe ist das Wappentier des ehemaligen Herzogtums Berg und findet sich heute noch in den Wappen von Bonn, Düsseldorf, Hennef, Kierspe, Leverkusen, Monheim, Mülheim an der Ruhr, Wuppertal und verschiedener Landkreise. Auch die Herzöge von Brabant und die Großherzöge von Luxemburg führten den Löwen im Wappen. Der zweischwänzige Luxemburger Löwe ist heute Wappentier und Schildhalter Luxemburgs. Im Wappen des Saarlandes finden wir den Nassauer und den Wittelsbacher Löwen. Zwei Löwen zieren das Wappen des Kantons Thurgau, der "Züri-Leu" ist das Symboltier Zürichs. Salzburg hat einen, Kärnten drei Löwen im Wappen....

Im Tierepos Reineke Fuchs, in Märchen und Fabeln ist der Löwe der König der Tiere, der aber schon mal gelegentlich vom Fuchs übertölpelt wird. Ferner ist er eine Hauptfigur in zahlreichen Märchen, Sagen und Fabeln:

Grimm: Der Fuchs und das Pferd
Grimm: Die zwei Brüder
Aesop: Der Fuchs und der Löwe
Lessing: Der Löwe und der Hase
Busch: Die Teilung
Gugitz: Die Löwenbraut
Chamisso: Die Löwenbraut

Zu den Pflanzen, die nach dem Löwen benannt sind, gehören die Löwenmäulchen (Antirrhinum spp., Plantaginaceae), der Löwenzahn (Taraxacum spp., Asteraceae), Löwenschwanz (Leonurus cardiaca, Lamiaceae) und das aus Südafrika stammende Löwenohr (Leonotis leonurus, Lamiaceae).

Wie Löwen gehalten werden (Beispiele):
Löwenland im Zoo Schwerin - ZOOLEX Gallery
Makasi Simba im Zoo Leipzig - ZOOLEX Gallery

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
ACHENBACH, S. (2002a)
AMBROSCH, J. (2009)
EXNER, C. (1995)   
KUPFER, F. (1998)  
RAHOFER, L. (2015)
SÈJA, R. (2004)

Literatur:
BREITENMOSER-WÜRSTEN, CH. & BREITENMOSER, U. (2013)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HENSCHEL, P., AZANI, D., BURTON, C., MALANDA, G., SAYDU, Y., SAM, M. & HUNTER, L. (2010)
LUPTAK, P. & CSURMA L. (2009)
NOWELL, K. & JACKSON, P. (1996)
POLEY, D. (1993)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD - 15.02.2009

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