Insektenfresser und Spitzhörnchen

Braunbrustigel

Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), Tierpark Goldau Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), Tierpark Goldau
© NTP Goldau

Überordnung: Insektenfresser (Insectivora / Eulipotyphla)
Ordnung: Igelverwandte (Erinaceomorpha)
Familie: Igel (Erinaceidae)
Unterfamilie: Stacheligel (Erinaceinae)

Die Unterfamilie der Stacheligel umfasst 5 Gattungen mit 15 Arten (WILSON & REEDER, 2005), darunter Erinaceus mit vier Arten, von denen eine in VdZ-Zoos gehalten wird.

D LC 650

Braunbrustigel, Westeuropäischer Igel

Erinaceus europaeus
Engl.: The European Hedgehog
Franz.: Le hérisson commun

Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), Tierpark Goldau © NTP Goldau
Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), Tierpark Goldau © NTP Goldau
Der Braunbrustigel ist eine endemische Art Europas. Er ist hier weit verbreitet und häufig, daher nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN)

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Approximative Verbreitung des Braunbrustigels (Erinaceus europaeus)
Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt.

Verbreitung: Europa: Belgien, Dänemark, Deutschland Estland, Finnland; Frankeich; Großbritannien, Irland; Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg; Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Slowenien, Spanien, Tschechien
Igelmotiv auf Briefmarke
Igelmotiv auf Briefmarke

Haltung in VdZ-Zoos: Verschiedene Zoos halten temporär pflegebedürftige Igel. Der Natur- und Tierpark Goldau unterhält eine offizielle Igel-Pflegestation und stellt in diesem Zusammenhang zeitweilig auch Igel aus. Ferner: Straubing, Tallinn

Besonderes: Da Igel bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich "einigeln", werden sie häufig Opfer des Straßenverkehrs. Als Kulturfolger machen sie sich oft in Gärten bemerkbar und werden von gut meinenden Leuten behändigt und "gerettet", d.h. ins Haus genommen oder zu einem Zoo oder einer Igelstation gebracht. Dies ist grundsätzlich unzuläßig, es sei denn, das Tier benötige wirklich Hilfe.

Pflegebedürftig sind verletzte oder offensichtlich kranke Igel, eindeutig mutterlose Igelsäuglinge sowie Jungigel, die Ende Oktober das notwendige Winterschlafgewicht von 700 Gramm noch nicht erreicht haben. (FRITZSCHE, 1985). Wer IAus Conrad Gesners Thierbuch
Aus Conrad Gesners Thierbuch
gel zur Pflege aufnimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass dies mit sehr viel Aufwand verbunden ist, wie Walter und Christl PODUSCHKA (1972) schön beschreiben. Wildlebende Igel sind auch so gut wie immer voll von Flöhen und Zecken und leiden an Lungenwürmern (Capillaria aerophila, Crenosoma striatum) und Darmparasiten (Capillaria erinacei, Capillaria ovoreticulata, Brachylaemus erinacei, Hymenolepis erinacei, Kokzidien), die mit den entsprechenden Medikamenten anzugehen sind.

Igel, die in menschlicher Obhut überwintert wurden, sollen mindestens auf das Gewicht aufgefüttert werden, das sie vor dem Einwintern hatten und sollen dann ab Mitte April bis spätestens Mitte Mai an eDer Igel war das persönliche Logo von Bernhard Grzimek
Der Igel war das persönliche Logo von Bernhard Grzimek
inem Abend wieder freigelassen werden, wenn immer möglich und vertretbar am Fundort. Wenn möglich, sollte man nach der Freilassung noch einige Tage abends zufüttern.

Obwohl als Kulturfolger in unmittelbarer Nähe zum Menschen lebend, blieb Vieles über die Lebensweise des Igels lange unbekannt. So enthält Conrad GESNERS beschreibung des Igels mehr Dichtung als Wahheit: "Zweierlei geschlechs deß Igels werden zu unseren zeiten gefunden / der ein hat ein rüssel gleich einer Sauw / wird genannt auf Teutsch Sauwigel: der ander aber ein schneugen wie ein Hund / wird auß der ursach genennt Hundsigel. Sie haben ein unterscheid von den orten her: dann etliche sein wild / werden in den wildnüßen und höltzeren gefunden: etliche aber bey den heüseren. Feißt als ein sauw ist der Igel so er entbestet ist oder geschunden: haben ihre hoden in dem leib / mehren sich nicht auf weiß und form als andere Thier so sie nicht aufsitzen mögen von wegen ihren dörnen / sondern mit auffrechten leib / oder stehend mit ihren beüchen.
Der Igel wohnet in dicken Hegen oder zeünen / und weingärten / vorauß zu Herbst zeit: Winters zeit aber verbergen und verschlieffen sie sich in höle baum / fressen speiß / äpffel unnd ander ding / so sie Sommers zeit zusamen getragen haben / dann sie walcken sich mit ihren dörnen auff die frücht äpffel oder traubenbeer / nemmen nicht mehr dan davon in ihr maul / tragen also die frücht in die holen baum."

Kulturelle Bedeutung: Igel sind Hauptdarsteller des bekannten Grimm-Märchens "Der Hase und der Igel". Christian Morgenstern hat ihnen ein Galgenlied gewidmet. Wilhelm Busch erwähnt den Igel in seinem Naturgeschichtlichen Alphabet: "Trau ja dem Igel nicht, er sticht, - Der Iltis ist auf Mord erpicht." und hat eine alte Fabel in ein Gedicht umgewandelt. Und dann gibt's "noch'n Gedicht" von Heinz Erhardt.

Grimm: Der Hase und der Igel 
Morgenstern: Igel und Agel
Busch: Bewaffneter Friede
Erhardt: Der Igel

Mecki-Puppen der Margarethe Steiff GmbH
Mecki-Puppen der Margarethe Steiff GmbH
Eine im deutschen Sprachraum sehr populäre Figur ist der Igel "Mecki". Diese Igelpuppe geht auf einen während des Dritten Reiches produzierten Tiertrickfilm zurück und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Maskottchen der Programmzeitschrift Hörzu aufgebaut. Den Namen "Mecki" erhielt sie nach einem Hörzu-Redakteur namens Mecklenburg. Von 1952 bis 1964 erschien jeweils zu Weinachten ein "Mecki"-Bilderbuch im Verlag Hammerich & Lesser. Etwa während desselben Zeitraums wurden zahlreiche "Mecki"-Filme produziert. Auch die Margarethe Steiff GmbH in Giengen (Baden-Württemberg) nahm sich der Figur an und kreierte verschiedene Mecki-Puppen.

Literatur:
FRITZSCHE, H. (1985)
PODUSCHKA, W. & CH. (1972)

PD/SN - 24.03.2010; mehrfach aktualisiert

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