Katzen

Leopard

Persischer Leopard (Panthera p. saxicolor) im Tierpark Nordhorn Persischer Leopard (Panthera p. saxicolor) im Tierpark Nordhorn
© Ina Deiting, TP Nordhorn

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)

Die Gattung Panthera umfasst vier, bzw. mit dem Schneeleoparden fünf Arten. Alle werden in VdZ-Zoos gehalten.

D VU 650

Zootier des Jahres 2016:

Leopard

Panthera pardus 
Engl.: The Leopard
Franz.: Le léopard ou la panthère

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Amurleopard (Panthera pardus orientalis) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig
2008 war der Leopard als potenziell gefährdet eingestuft worden. Aufgrund einer Neubeurteilung, bei der angenommen wurde, dass die Art innerhalb von 22.5 Jahren über 30% ihres Bestandes eingebüsst habe, wurde sie 2016 insgesamt als gefährdet beurteilt (Rote Liste: VULNERABLE). Der Leopard wurde in zahlreiche Unterarten aufgespaltet, wovon sich jedoch viele nicht als valid herausstellten. So werden heute z.B. die Leoparden des Kaukasus, Irans, Afganistans und Pakistans alle zu einer Unterart gezählt, was allerdings nicht unumstritten ist. 112-007-002-004 leopard map
Verbreitung des Leoparden nach IUCN RDB, modifiziert, Differenzierung nach Unterarten. Verbreitung in China nach JUTZELER (2010)
Der Ceylonesische Leopard (P. p. kotiya ) und der Persische / Kaukasische Leopard (P. p. saxicolor) sind gefährdet (ENDANGERED), der Amurleopard (P. p. orientalis ), dessen Bestand 2007 auf weniger als 30 Individuen geschätzt wurde, und der Java-Leopard (P. p. melas ) mit möglicherweise weniger als 100 erwachsenen Tieren sind stark gefährdet (CRITICALLY ENDANGERED), ebenso der Arabische Leopard (P. p. nimr) mit einem Bestand von weniger als 250 erwachsenen Individuen in der Wildbahn (MALLON & BUDD, 2011).

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt und der Persische / Kaukasische Leopard ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II des Berner Übereinkommens.

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Amurleopard (Panthera pardus orientalis) im Tiergarten Schönbrunn © Franz Wunsch
Verbreitung: Afrika  südlich der Sahara und Restbestände in den Maghreb-Ländern Algerien und Marokko. Diese Leoparden werden heute alle einer Unterart (Panthera p. pardus ) zugerechnet, obwohl es deutlich phänotypische Unterschiede z.b: zwischen Leoparden aus dem Regenwald und solchen aus Trockengebieten gibt.

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Javaleopard (P. p. melas) im Tierpark Berlin © Christian Kern, Tierpark Berlin
In Asien  vom Sinai (vermutlich ausgestorben), der Arabischen Halbinsel, wo noch kleine Restbestände in Oman und im Jemen existieren, sowie dem Negev, wo noch Einzeltiere leben (P. p. nimr, s. SPALTON et al. 2006 ) und dem Nahen und Mittleren Osten (P. p. saxicolor ) über den Indischen Subkontinent (P. p. fusca ) und Sri Lanka (P. p. kotiya ) bis Südostasien (P. p. delacouri ), in Indonesien auf  Java (P. p. melas), ferner in Nordostchina (P. p. japonensis ), Korea und Ostsibirien (P. p. orientalis ).

Persischer Leopard im Allwetterzoo Münster - Pressemitteilung Allwetterzoo Münster
Persischer Leopard (Panthera pardus saxicolor) im Allwetterzoo Münster - Pressemitteilung Allwetterzoo Münster
In Europa (P. p. saxicolor ) beschränkt auf den Kaukasus (Armenien, Aserbeidschan, Georgien, Russland).

Haltung in VdZ-Zoos:
Panthera pardus fusca : Wuppertal
Panthera pardus japonensis : Berlin-Tierpark, Cottbus, 112 007 002 004 panthera pardus melas TPB CKern
Javaleopard (Panthera pardus melas) im Tierpark Berlin @ Christian Kern, TPB
Eberswalde, Hamburg, Karlsruhe, München, Neuwied, Stralsund
Panthera pardus melas : Berlin-Tierpark
Panthera pardus orientalis : Dortmund, Gossau, Hoyerswerda, Leipzig, Tallinn, Wien-Schönbrunn
Panthera pardus saxicolor : Augsburg, Berlin-Zoo, Bern, Chemnitz, Hannover, Köln, Münster, Nordhorn, Stuttgart
andere : Berlin-Tierpark

Der Allwetterzoo Münster führt das Internationale Zuchtbuch (ISB) für den Persischen, Hagenbecks Tierpark koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Nord-Chinesischen Leoparden und seit 2014 führt der Tierpark Berlin gemeinsam mit einem indonesischen Zoo das Internationale Zuchtbuch (ISB) für den Java-Leoparden. 112 007 002 004 panthera pardus nimr Budd Sharjah
Arabische Leoparden (Panthera pardus nimr) werden außerhalb der Arabischen Halbinsel keine gehalten. Hier ein Tier im Breeding Centre for Endangered Arabian Wildlife (BCEAW) in Sharjah © Jane and Kevin Budd, EPAA
Im Arabischen Raum gibt es seit 1999 ein regionales Zuchtbuch für P.p. nimr , das 2006 48 (25.23) Individuen in sechs Haltungen umfasste (EDMONDS et al., 2006).

Junger Schwarzpanther im Tierpark Berlin - Pressefoto Tierpark Berlin
Junger Schwarzpanther im Tierpark Berlin - Pressefoto Tierpark Berlin
Besonderes: Der Leopard ist ein nächtlicher Jäger, der am Boden im Verborgenen auf geeignete Beutetiere lauert und dann versucht, sich so nahe wie möglich anzuschleichen. Junger Persischer Leopard - Pressefoto Zoo Hannover
Junger Persischer Leopard (Panthera pardus saxixolor) - Pressefoto Zoo Hannover
Es sind über 92 verschiedene Beutetierarten bekannt, die von Paarhufern, Schliefern, Hasen, Schakalen und Junger Persischer Leopard - Pressefoto Zoo Hannover
Junger Persischer Leopard (Panthera pardus saxixolor) - Pressefoto Zoo Hannover
Affen über Vögel, Reptilien, Amphibien und Invertebraten reichen. Eine besondere Delikatesse scheinen Hunde zu sein, jedenfalls zirkulieren verschiedene Geschichten über Hunde, die - in Anwesenheit von Menschen - von Leoparden aus Safarizelten oder Stadtwohnungen geholt wurden. Oft versteckt der Leopard seine Beute, die zwei- bis dreimal schwerer sein kann als er selbst, auf Bäumen, um sie so vor dem Zugriff von Löwen, Hyänen oder Wildhunden zu schützen. (EICHHOLZER, A et al., 2008)

Der Leopard gehört zu jenen Katzenarten, bei denen oft Schwärzlinge, auftreten. Besonders häufig sind solche melanistischen Individuen beim Java- und beim Hinterindischen Leoparden. Im Zoo werden sie oft in reinen Linien gezüchtet und als "Schwarze Panther" in eigenen Gehegen ausgestellt, was zwar zoopädagogisch verwertet werden kann, aber natürlich vom Artenschutz her nicht viel Sinn macht. Ein solches Tier hat im Jahr 1933 dem noch jungen Zoo Zürich zu ungeahnter Bekanntheit verholfen: Der Zoo hatte ein Paar Schwarzer Panther erworben. Das Weibchen "Suma" war ein Wildfang. Sie war recht scheu und vertrug sich mit dem Kater nicht besonder gut. In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober gelang es ihr, sich durch ein kleines Loch im Deckengitter durchzudrücken und durch ein Ventilationsfenster zu entweichen.

In der Folge erschienen über 800 Artikel im helvetischen Blätterwald und auch die ausländische Presse, bis hin nach China, nahm von dem Vorfall Notiz. Aus der ganzen Schweiz gingen (Falsch-)Meldungen über Panthersichtungen ein. Der Panther wurde überall gesucht, blieb aber verschwunden. Erst Mitte Dezember, etwa zehn Wochen nach dem Ausbruch, entdeckte der Taglöhner Richi (Richard) MÜLLER aus Walde im Grenzgebiet zwischen Zürcher Oberland und St. Gallen den Panther unter einem Stadel (Schuppen). Er verschloss das Schlupfloch mit einem Brett, holte eines seiner Gewehre und schoss auf das Tier, das sich unter dem Stadel verkrochen hielt und von dem er glaubte, es sei ein wilder Hund. Der Schuss ging durch den Bauch ins Kreuz, sodass beide Hinterbeine gelähmt wurden. Danach schlug der Wilderer das langsam hervorkriechende Tier mit einem Zappi (einer Hacke) tot.

Persischer Leopard © WW, Tierpark Nordhorn
Junger Persischer Leopard (Panthera pardus saxixolor) © Werner Westdoerp, Tierpark Nordhorn
Das Fleisch wanderte in die Pfanne und aus dem weichen Fell wollte man Einlagesohlen herstellen. (HUBER, 1954). Am Ende vom Lied lieferte MÜLLER das Fell ab, kassierte einerseits eine Belohnung von 200 Franken und musste andererseits eine Busse wegen Wilderei bezahlen. 1983 und 2008 gedachte die Gemeinde Walde des Vorfalls jeweils im Rahmen eines "Pantherfests". Suma war zehn Wochen lang in der schon damals dicht besiedelten Schweiz unterwegs gewesen, ohne den geringsten Schaden anzurichten.

Leopardenanlage im Tierpark Bern ©  Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Leopardenanlage im Tierpark Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Kulturelle Bedeutung:
In europäischen Fabeln kommt der Leopard nur selten vor:

Äsop: Der Fuchs und der Leopard

1902 schrieb Rainer Maria Rilke in der Menagerie von Paris sein berühmtes Gedicht "Der Panther"

Rilke: Der Panther

Artenschutz: Im Mai 2012 unterzeichneten 112-007-002-004 panthera pardus orientalis stamp eesti
Briefmarke mit Amurleopard-Motiv, Estland
die Species Survival Commission der IUCN und der Europäische Zoo- und Aquarienverband EAZA eine Vereinbarung mit dem russischen Naturschutzministerium. Diese hat zum Ziel, den Leoparden im Kaukasus-Biosphären-Reservat wieder anzusuiedeln. Zu diesem Zweck wurde in Sotschi ein Zuchtzentrum gebaut und mit 2.2 Leoparden aus Turkmenistan und dem Iran besetzt. Weitere Tiere sollen aus dem EEP dazu kommen.

Forschung:  2014 sind zum ersten Mal weltweit im Tierpark Nordhorn zwei junge nordpersische Leoparden nach einer künstlichen Besamung zur Welt gekommen. Dies war das ergebnis einer jahrelangen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem Tierpark Nordhorn und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung von Mitarbeitern des Tierparks Berlin und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gelang 2016 der Nachweis, dass es sich beim Java-Leoparden (Panthera pardus melas) tatsächlich um eine eigene Unterart handelt, zu deren erhaltung die Schutzbemühungen verstärkt werden sollten (WILTING et al.).

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BERGER, H. (1993)
EXNER, C. (1995)   
KUPFER, F. (1998)
LUMETSBERGER, T. (2014)
MANATI, A. R. (2008)
MOORE-JONES, J. (2013)  
TELKMANN, J. (2015)

Literatur und Internetquellen:
BREITENMOSER, U. (2012)
EDMONDS, J.-A., BUDD, K. J., VERCAMMEN, P. & AL MIDFA, A. (2006)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)

JUTZELER, E., ZHIGANG, W., WEISHI, L. & BREITENMOSER, U. (2010) 
MALLON, D. P. & BUDD, K. (2011)
MANATI, A. R. (2011)
SPALTON, J. A. & AL HIKMANI, H. M. (2006)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)  
WILTING, A., PATEL, R., PFESTORF, H., KERN, C., SULTAN, K., ARIO, A., PEÑALOZA, F. et al. (2016)

PM IZW (Javaleopard)

AS-5 Yala JV3
Sri Lanka-Leopard (Panthera pardus kotya) im Yala-Nationalpark © Jürg Völlm, Basel

PD - 26.04.2009; mehrfach aktualisiert

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