Robben

Kegelrobbe

Kegelrobben im ErlebnisZoo Hannover Kegelrobben im ErlebnisZoo Hannover
Pressefoto Zoo Hannover

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)

Die Hundsrobben (Phocidae) zählen 12-13 Gattungen mit 19 Arten, darunter die monospezifische Gattung Halichoerus.

Red list status Least concern

Kegelrobbe

Halichoerus grypus
Engl.: The Grey Seal
Franz.: Le phoque gris
    
Briefmarke Kegelrobbe
Briefmarke mit Kegelrobben-Motiv. DDR
Die Kegelrobbe ist weit verbreitet und hat einen großen Bestand, der an vielen Orten zunimmt. Sie ist daher nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) und wird in Zoos eher selten gehalten.

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Kegelrobbe fällt unter die Anhänge II und V der FFH-Richtline (92/43/EWG).

Verbreitung: Ostsee und europäische Atlantik-/Nordmeerküste von Belgien bis Karelien und Island,gelegentlich weiter südlich bis Portugal. In Nordamerika von Maine bis Labrador und St. Lorenz-Golf.

Haltung in VdZ-Zoos: Hamburg, Hannover, Münster, Tallinn
        
Besonderes: Jagen Kegelrobben bodenlebende Fische wie Flundern, drehen sie sich auf den Rücken - so überschauen sie einen größeren Bereich. Jagen sie Fische im Freiwasser, spüren sie diese mit ihren Barthaaren auf. Tauchen Robben im eiskalten Wasser, nimmt die Temperatur der Hautoberfläche ab. Nur im Bereich der Barthaare bleibt sie deutlich höher, denn bei verminderter Temperatur könnten die mechanischen Rezeptoren nicht mehr reagieren. Das stark durchblutete Kammergewebe garantiert eine ausreichende Wärmeversorgung der Rezeptoren. Kegelroben erreichen Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h. Ihre Tauchgänge können 20 Minuten andauern (Ozeaneum Stralsund).

Kegelrobben gebären ihre Jungen im Winter, in Schleswig-Holstein hauptsächlich im November-Dezember. Die Jungen haben ein Geburtsgewicht von 10-15 kg, Sie besitzen ein cremeweißes, langes Embryonalfell (Lanugo), das sie vor Kälte schützt. Im Prinzip können sie zwar gleich nach der Geburt schwimmen, meiden aber in den ersten Lebenswochen, das Wasser, damit sich ihr Fell nicht vollsaugt und der Kältschutz verloren geht. Zu Ende der Säugezeit wird das Erstlingsfell gewechselt.

Bereits nach der Geburt der Jungen beginnen die Bullen Territorien mit mehreren Weibchen abzugrenzen. Nachdem die Jungen abgestillt sind, kommt es zur Paarung, die entweder an Land oder im flachen Wasser stattfindet. Die Embryonalentwicklung setzt nach einer Keimruhe von drei Monaten ein und dauert acht Monate, sodass die Jungen jedes Jahr etwa zur gleichen Zeit geboren werden. Die Tiere werden mit etwa 4-7 Jahren geschlechtsreif, sind aber erst mit 10-15 Jahren voll ausgewachsen (Faltblatt Seehundstation Friedrichskoog).

Von den Fischern als  Konkurrenz angesehen, wurde die Kegelrobbe in 16. Jahrhundert in der Nordsee nahezu ausgerottet. Erst 1967 wurden die ersten wieder in deutschen Gewässern gesichtet, zuerst auf Amrum, 1975 dann auch auf Helgoland. Auf der Helgoländer Düne kam das erste Jungtier 1996 zur Welt. Die Zahl der Kegelrobbengeburten auf der Helgoländer Düne nahm in der Folge kontinuierlich zu. Im Winter 2014/15 wurden 247 Jungtiere gezält, 2015/16 deren  317 (FOCUS online).

Eine Kegelrobbe die sich im Januar 2008 nach Marokko verirrt hatte, schleppte sich an der Küste von Casablanca an Land. Das Tier, ein junges Männchen, wurde von Mitgliedern des nationalen Fischereiforschungsinstituts Marokkos in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand gefunden. Der Loro Parque auf Teneriffa erklärte sich bereit, das Tier vorübergehend in Pflege zu nehmen. In der Nacht vom 17. Januar traf die "Humphrey" genannte Robbe in Teneriffa ein, wo sie im Quarantänebereich des Zoos untergebracht und tierärztlich versorgt wurde. Nachdem sich "Humphrey" bis zum Sommer erholt hatte, wurde er in Begleitung des Zootierarztes nach Bilbao geflogen, um im Golf von Biskaya freigelassen zu werden.

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL besagt, dass die Fläche des Hauptbeckens für 5 Kegelrobben 200 m² groß sein muss. Dies entspricht den Best Practice Enpfehlungen der EAZA, ist also keine Mindestanforderung. Das Becken muss ferner mindestens 3 m tief sein, so dass die Tiere  im Großteil des Beckens vertikal frei im Wasser treiben können. Dies wird mit dem Schlafverhalten begründet. Diese Begründung ist aber nicht stichhaltig, denn eine Umfrage bei Zoos und der Seehundstation Friedrichskoog ergab, dass Kegelrobben nur selten vertikal unter Wasser schlafen. Hauptsächlich wird an der Wasseroberfläche oder im Flachwasserbereich sowohl auf dem Rücken als auch auf dem Bauch geschlafen, gerne auch auf dem Beckenboden, wobei sie von Zeit zu Zeit auch mit geschlossenen Augen zum Atmen nur mit der Nase an die Oberfläche kommen, um dann wieder nach unten zu sinken, ferner an Land oder treibend als Boje, wobei ein größerer Teil von Kopf und Hals aus dem Wasser ragt.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BAHRMANN, J. (2015)
MARKOWSKI, S. (2013)  
ULRICH, S.A., (2015)

Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
MEIJER, G. & JOUSTRA, T. (2009)

PD - 28.07.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 2858 mal Letzte Änderung am Montag, 29 Februar 2016 18:06
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