Robben

Seehund

Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum
Pressefoto TP Bochum

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)

Die Hundsrobben (Phocidae) zählen 12-13 Gattungen mit 19 Arten, darunter die Gattung Phoca mit zwei Arten, zu denen je nach Autor auch noch die Sattelrobbe (Pagophilus) gerechnet wird. In VdZ-Zoos wird eine Art gehalten.

Red list status Least concern

Seehund

Phoca vitulina 
Engl.: The Harbour Seal
Franz.: Le phoque veau-marin
        
Seehundbecken im Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Seehundbecken im Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Der Seehund hat eine außerordentlich weite Verbreitung. Er ist häufig und weltweit nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Seine Haltung ist von zoopädagogischem Interesse. Verwaiste Seehunde, sogenannte Heuler, verbleiben gelegentlich aus Tierschutzgünden im Zoo.

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Der Seehund fällt unter die Anhänge II und V der FFH-Richtline (92/43/EWG).

Verbreitung: Küstennahe Gebiete von Nordatlantik und Nordpazifik, in Europa von Nowaja Semlja bis Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum - Pressefoto TP Bochum
Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum - Pressefoto TP Bochum
zur Bretagne, einschließlich Wattenmeer sowie der westlichen Ostsee bis nach Öland und Rügen. Gelegentlich auch im Unterlauf von Elbe, Weser und Rhein sowie im Elbe-Lübeck-Kanal.

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Berlin-Zoo, Bern, Bochum, Bremerhaven, Duisburg, Frankfurt, Karlsruhe, Neumünster, Neunkirchen, Neuwied, Nordhorn, Nürnberg, Osnabrück, Rheine, Rostock, Saarbrücken, Zürich
    
Besonderes: Im Wattenmeer DänemJunger Seehund im Tierpark Nordhorn © Stephan Konjer, Tierpark Nodhorn
Junger Seehund im Tierpark Nordhorn © Stephan Konjer, Tierpark Nodhorn
arks, Deutschlands und der Niederlande ergab eine Zählung im Jahr 2006 insgesamt 15'426 Seehunde. Dies sind 8 % mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahl schliesst gut 4'500 Jungtiere ein. Im Niedersächsischen Wattenmeer alleion nahm der Bestand von 1975 auf 2014 von 1014 auf 9343 Tiere zu, und dies trotz massiver Verluste während der Staupeepidemien von 1988 und 2002 (Seehundstation Norddeich). Es fallen immer wieder verwaiste Jungtiere an, sogenannte Heuler, die nach Mögöiovhkeit rehabilitiert werden, zum Teil aber auch von Zoos übernommen werden.

Seehunde sind Säugetiere, die sich perfekt an das Leben im Meer angepasst haben. Sie leben in eisfreien Küstengewässern, so an der deutschen Nord- und Ostseeküste, besonders im Wattenmeer. Sie ernähren sich vor allem von Küstenfischen, bevorzugt Plattfischen, wie Flunder, Scholle und Kliesche, sowie Sandgrundeln, aber auch von anderen Fischen, wie Wittling, Hering, Dorsch und Stint, Krebsen und Weichtieren (Faltblatt Seehundstation Friedrichskoog).

Da sich fast ihr ganzes Leben im Wasser abspielt, sind die Beine der Seehunde zu Flossen umgewandelt; damit erreichen die Tiere Geschwindigkeiten bis zu 35 km/Stunde. Während sie an Land kurzsichtig sind, können sie im Wasser gut sehen, und die Tasthaare an der Schnauze helfen beim "Fischen im Trüben". Sie können 20 Minuten lang tauchen, in Notsituationen auch bis zu 40 Minuten. Im Sommer sonnen sie sich gern auf Sandbänken, wo sie im Juni oder Juli auch ihre Jungen zur Welt bringen. Die Seehundmutter kann nach elf Monaten Tragzeit die Geburt hinauszögern, bis die Ebbe eingetreten ist. In der Regel wird ein ca. 80 - 90 cm großes Junges geboren, welches weit entwickelt ist und schon kurz nach der Geburt schwimmen kann. Seehunde werden bis zu zwei Meter groß und bis zu 130 kg schwer.
        
Im Zoo besteht die Gefahr, dass Seehunde - wie auch andere Robben - vom Publikum ins Wasser geworfene Gegenstände, etwa Münzen, spielerisch im Tauchgang aufschnappen und abschlucken, was zu ihrem Tod führen kann. So geschehen z.B. vor drei Jahrzehnten im Zoo Dortmund (SARRAZIN & LUTHE, 2003). Dies war aber beileibe kein Einzelfall: Im Essener Grugapark wurden seit Beginn der Robbenhaltung im Jahr 1961 bis 1983 acht Seehunde vom Publikum zu Tode "gefüttert". Im Magen eines der Tiere fand man 137 Geldmünzen, nebst einem Plüsch-Teddybären, einem Handschuh, Kronenkorken, Plastiktüten, Ohrclips und diversen anderen Fremdkörpern (DIE ZEIT, 27.05.1983 Nr. 22).
        
Ansonsten können die Seehunde im Zoo ein langes Leben von über 30 Jahren erreichen.

Bis in die 1930er Jahre war die Seehundjagd in Deutschland Gewohnheitsrecht der Küstenbewohner. Erst 1934 wurde sie im Rahmen des Reichsjagdgesetzes formell geregelt. Es wurden Schonzeiten festgelegt, erste Seehundschutzgebiete ausgewiesen und die Netz- und Hetzjagd verboten. Ab 1951 wurde die Seehundjagd durch amtlich bestellte einheimische Seehundjäger ausgeübt- Auswärtige durften nur mit Ausnahmegenehmigung und in Begleitung Seehunde jagen. 1973 wurde die Seehundjagd in Niedersachsen, 1974 in Schleswig Holstein eingestellt. (Quelle: Seehundstation Friedrichskoog)

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL macht die Vorgabe, dass bei Hundsrobben für  jedes Tier ein räumlich gesonderter Liegeplatz von 2 – 6 m² vorzusehen ist. Falls dies nicht möglich ist, muss für bis zu 5 Tiere ein Landteil mit Sichtschutzbereichen von mindestens 100 m² vorhanden sein. Für weitere Tiere sind möglichst räumlich gesonderte Liegeplätze anzulegen. Wie sinnvoll diese Anforderung ist, zeigt die untenstehende Freilandaufnahme.

Die Vorgabe, dass ein System von mehr als zwei Becken erforderlich sei, ist nicht zu begründen. Robben leben in Kolonien und bedürfen im Prinzip keiner Separierungen. Dagegen ist ein kleines separates Becken oder ein vom Becken abtrennbares Abteil namentlich in Zusammenhang mit der Aufzucht von Jungtieren oder aus veterinärmedizinischen Gründen angezeigt.

Das Säugetiergutachten besagt ferner, dass die Fläche des Hauptbeckens für 5 Seehunde 200 m² groß und die Mindestwassertiefe im Hauptteil des Beckens auf die Körpergröße der Tiere abgestimmt sein muss, so dass diese im Großteil des Beckens vertikal frei im Wasser treiben können. Dies wird  mit dem Schlafverhalten begründet. Im Klartext bedeutet dies, dass ein Seehundbecken mindestens 2 m tief sein muss. Mit der Begründung des vertikalen Schlafens wurde auch in der Schweiz die Mindesttiefe des Beckens von 1.5 auf 2 m erhöht.

Diese Begründung ist aber nicht stichhaltig: Wenn Seehunde richtig fest schlafen, geschieht dieses indem sie an der Oberfläche einschlafen und dann auf den Grund absinken. Dort bleiben sie bis zu 20 Minuten liegen und tauchen dann „automatisch“ wieder auf, um mehrmals Luft zu holen und dann wieder abzusinken. Bei einer zweiten Version treiben die Tiere schräg im Wasser und schließlich gibt es auch Schlafphasen an Land.

Eine Umfrage bei VdZ-Mitgliedzoos und der Seehundstation Friedrichskoog ergab, dass Seehunde an Land, im Flachwasser (so dass der Körper zur Hälfte außerhalb des Wassers liegt) oder abgesunken auf dem Beckenboden liegend schlafen, „vertikales“ Schlafen wurde selten oder nie beobachtet, wegen des Auftriebs ist dieses ohnehin nicht vertikal, sondern der Winkel zwischen Wasseroberfläche und Körperachse beträgt knapp 35°.

Für die im Gutachten festgelegten Zahlenwerte gibt es weder eine wissenschaftliche Grundlage noch lassen sie sich mit tierhalterischer Erfahrung begründen. Im Gutachten 96 wurden für 4 Seehunde eine Fläche von 60 m² und eine mittlere Tiefe von 1 m vorgegeben. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung  für 5 Seehunde eine Fläche von 80 m² und eine mittlere Tiefe von 1.5 m. Der Entwurf der Best Practice Guidelines der EAZA gibt für vier Seehunde  und ein Becken von 60 m² bei einer mittleren Wassertiefe von etwa 1 m vor. Dies entspricht dem Gutachten’96. Bestehenden Anlagen, die die Vorgaben des Gutachtens 96 erfüllen, sollten daher ohne Auflagen akzeptiert werden.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
KURZ, J. (2006)
MARKOWSKI, S. (2013)  
ULRICH, S.A., (2015)

Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
MEIJER, G. & JOUSTRA, T. (2009)
SARRAZIN, E. & LUTHE, F. (2003)

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Seehunde im natürlichen Lebensraum. Mitlenatch Island, Kanada © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PD - 14.02.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 6461 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 07 September 2016 15:45
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