Elefanten

Asiatischer Elefant

Asiatischer Elefant im Zoo Leipzig Asiatischer Elefant im Zoo Leipzig
© PD, VDZ

Überordnung: AFROTHERIA
Ordnung: Rüsseltiere (Proboscidea)
Familie: Elefanten (Elephantidae)

Elephas ist eine monospezifische Gattung.

Red list status endangered

Asiatischer Elefant

Elephas maximus
Engl.: The Asian Elephant
Franz.: L'éléphant d'Asie
        
Spielende Asiatische Elefantenkälber © PD, VDZ
Spielende Asiatische Elefantenkälber im ErlebnisZoo Hannover © Peter Dollinger, VdZ
Die Bestände des Asiatischen Elefanten nehmen seit Jahrhunderten ab. Aktuell dürfte es noch etwa 40-52'000 Tiere geben, die sich auf zahlreiche, fragmentierte Populationen verteilen. Die Art gilt daher als bedroht (Rote Liste: ENDANGERED). Am meisten Elefanten (26-30'000) gibt es noch in Indien.

Der Internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt. Für Deutschland werden Einfuhrgenehmigungen für Wildfänge nur erteilt, wenn die Voraussetzungen der Haltungsrichtlinien für Elefanten des Bundesamtes für Naturschutz Badender Elefant im Tierpark Hagenbeck © SSH, Hamburg
Badender Elefant im Tierpark Hagenbeck © SSH, Hamburg
aus dem Jahr 2000 erfüllt sind.

Verbreitung: Süd- und Südostasien: Bangladesch, Bhutan, Südchina, Indien, Indonesien (Kalimantan und Sumatra), Kambodscha, Laos, Malaysia (Halbinsel und Sabah), Myanmar, Nepal, Sri Lanka, Elefantengeburten in Menschenobhut (Vierjahresintervalle), Datenquelle www.elephant.se
Elefantengeburten in Menschenobhut (Vierjahresintervalle), Datenquelle www.elephant.se
Thailand, und Viet Nam, verwilderte Populationen auf den zu Indien gehörenden Andamanen. Die Unterart Elephas maximus asurus  von Südwestasien ist schon in der Antike ausgestorben..
        
Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Cottbus, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Krefeld, Leipzig, Magdeburg, München, Münster, Neunkirchen, Osnabrück, Stuttgart, Zürich.

Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1991.

Wie Asiatische Elefanten gehalten werden:
Die meisten VDZ-Zoos haben ihre Haltungen in den letzten Jahren neu- oder umgebaut. Die Hälfte der Zoos hält jetzt potenzielle oder effektive Zuchtgruppen, Der Zoo Heidelberg hat es übernommen, im Rahmen des EEP eine Junggesellengruppe zu halten und diesen Versuch wissenschaftlich zu begleiten (HAMBRECHT, 2012; HAMBRECHT & REICHLER, 2013). Siehe Elefantenanlagen in VdZ-Zoos

Asiatische Elefantenkuh im Zoo Hannover © Peter Dollinger, VdZ
Asiatische Elefantenkuh im Zoo Hannover © PD, VDZ
Beispiel auf ZOOLEX: Afrika-Haus im Zoo Dresden
    
Besonderes: Asiatische Elefanten werden maximal 60-70 Jahre alt. Bullen werden mit 10 -15 Jahren geschlechtsreif, Kühe bekommen im Freiland ihr erstes Kalb mit 15-16 Jahren.

Der älteste zur Zeit lebende Asiatische Elefant in Europa hat Baujahr 1951 und lebt im Zoo von Breslau. Am ältesten in Deutschland war während langer Zeit die Kuh "Vilia" in der Wilhelma Stuttgart mit Geburtsjahr 1949, die Elefantenjunge im Schlammbad im Tierpark Hagenbeck © Stephan Hering-Hagenbeck
Elefantenjunge im Schlammbad im Tierpark Hagenbeck © Stephan Hering-Hagenbeck
während der Hitzeperiode im Juli 2010 einer Kreislaufschwäche erlag. Der absolute Altersrekord unter den deutschen Zoo-Elefanten wird von "Birma" gehalten, die 1981 im Zoo von Gelsenkirchen 63-jährig verstarb. Die gegenwärtig ältesten Kühe sind "Targa" in Augsburg, geboren 1954, und "Rani" in Karlsruhe (1955), der älteste Bullen "Bindu" in Köln (1969).    
        
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Jungelefanten (Eleühas maximus) im erlebnisZoo Hannover - Pressefoto Zoo Hannover
Die Elefantenhaltung in Zoos hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Von den 100  (Stand August 2014) in VdZ- Zoos lebenden Asiatischen Elefanten wurden 39 seit dem Jahr 1996 in deutschen oder schweizerischen Zoos geboren. Die Grafik "Elefantengeburten in Menschenobhut" zeigt die Zunahme der Geburten (für beide Arten) von 1988-2007. Im nicht dargestellten Vierjahresintervall 2008-2011 wurden 251 Junge geboren.

Wie der VdZ feststellte, waren die Anforderungen des Säugetiergutachtens des BML von 1996 anpassungsbedürftig, allerdings schießt das Säugetiergutachten 2014 teilweise über das Ziel hinaus. Für Gruppen von bis zu vier Elefantenkühen sollten nicht die Anforderungen des neuen Säugetiergutachtens gelten, sondern nach einer angemessenen Übergangsfrist die jene der Haltungsrichtlinie des BfN, d.h. Einzelboxen und mindestens 200 m² nutzbare Lauffläche. Dies  für Kühe und für Kälber ab zwei Jahren, jüngere werden nicht mitgerechnet. Diese Fläche kann auch durch die Verbindung von Einzelboxen erreicht werden, die mindestens 33 m² groß sein sollen. Für größere Zuchtgruppen und für die Bullenhaltung erachtet der VdZ die Vorgaben des Gutachtens akzeptabel, auch wenn sie eher „Best practice“ darstellen als eigentliche Mindestanforderungen.

Die Position des VdZ wird gestützt durch eine umfangreiche epidemiologische Studie in 68 akkreditierten nordamerikanischen Zoos, die ergab, dass die Gehegefläche für das Wohlergehen der Elefanten wenig bedeutsam ist. Wesentlich sind die Gehegestruktur, Gehegeböden, ein stabiles soziales Umfeld und gute Programme für Fütterung und Verhaltensanreicherung (MEEHAN et al., 2016).

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Briefmarke mit Asiatischen Elefanten. DDR

Bei der Elefantenhaltung unterscheidet man heute drei verschiedene Haltungsformen: Der "Direkte Kontakt "hat viele Vorteile, ist aber für die Pfleger nicht ganz ungefährlich, und im Laufe der Zeit sind etliche Elefantenpfleger schwer verletzt oder gar getötet worden. Mehrere Zoos sind deshalb zum "Geschützten Kontakt" übergegangen, bei dem die Pfleger die 115-001-001-001 ganesha
Elefantengott Ganesha - Quelle: powerlisting.wikia.com
Gehege nicht mehr zeitgleich mit den Elefanten betreten und die Tiere so trainiert werden, dass sie sich durch ein Gitter manipulieren lassen, etwa zum Zwecke der Fusspflege. Beim "Offhand Management" kommen die Tiere gar nicht mehr in Kontakt mit den Pflegern. Diese Haltungsform ist aber unter den Bedingungen eines normalen Zoos kaum durchführbar.
        
Dann noch eine hübsche Reminiszenz von Carl HAGENBECK: Dieser hatte im Jahr 1866 sieben zwei- bis dreijährige Elefanten nach Wien zu bringen. In der Gegend von Nürnberg bemerkte er, dass die Tiere an Kolik litten: "Es gibt nun ein sehr einfaches Mittel, Elefanten von der Kolik zu befreien: da der Mangel an Bewegung die Krankheit häufig verursacht, so muss Bewegung sie auch wieder beseitigen. Ich führte also meine sieben Elefanten auf dem Bahnhof spazieren, und nach zwei Stunden hatte die Promenade ihre Wirkung soweit getan, dass ich die Tiere wieder in den Wagen zurückbringen konnte. Das dicke Ende folgte indes noch nach. Alsbald kam der Stationschef angerannt und machte einen heillosen Spektakel, und nicht mit Unrecht, denn ich muss gestehen, dass der Bahnhof nach dieser zweistündigen Promenade nicht gerade einen sauberen Eindruck machte. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu erklären, der Stationschef möge den Platz nur durch seine Leute säubern lassen, ich würde alles bezahlen.
    
Es kam aber noch ein dickeres Ende nach. Ehe der Zug weiterging, begab ich mich in die Stadt und kaufte dort einige Flaschen guten Rum und einige Pfund Zucker. Davon braute ich einen kräftigen Grog, den ich meinen Elefanten als bewährte Nachkur gegen die Kolik zu saufen gab. Dieses Mittel tat den Tieren sehr gut, alle gerieten in eine heitere Stimmung. Einer der Elefanten schien aber des Guten etwas zuviel bekommen zu haben, denn er begann, allen möglichen Unsinn zu machen, boxte seine Gefährten und traktierte sie mit Fusstritten. Für diesen Süffel braute ich noch einen Extragrog, sodass er nunmehr total betrunken wurde. Es dauerte auch gar nicht lange, da legte er sich hin und brauchte sechs volle Stunden, bis er seinen Rausch ausgeschlafen hatte."
        
Kulturelle Bedeutung: Über die kulturelle Bedeutung der Elefanten, namentlich des Asiatischen, sind ganze Bücher geschrieben worden (z.B. PETRI AB HARTENSTEIN, 1715; OETTERMANN, 1982; GRÖNIN & SALLER, 1998)

Der Asiatische Elefant wird seit rund 5'500 Jahren gefangen und gezähmt, um als Reit-, Last-, und Zugtier, als Kriegsmaschine oder für kultische Zwecke eingesetzt zu werden. Er wurde allerdings in der Regel nicht in Menschenobhut gezüchtet. Insbesondere wurde er keiner vom Menschen bestimmten Zuchtwahl unterworfen, womit es nicht zur Ausbildung einer domestizierten Form kam.

Die ältesten bildlichen Darstellungen zahmer Elefanten sind kleine, meist aus weichem Speckstein geschnitzte Siegel aus dem 2./3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechung, die in der 1922 wieder entdeckten Ruinenstadt Mohenjo-Daro (besiedelt von 2600 bis 1800 v. Chr.) im Stromgebiet des Indus, im heutigen Pakistan gefunden wurden. Nach dem Zerfall der Induskultur lernten die einwandernden indogermanischen Hirtenkrieger mit dem Elefanten umzugehen. Sie setzten ihn für Kriegszwecke ein und lehrten andere Völker Südostasiens die Kunst des Fangens, Zähmens und Abrichtens.
        
Auch die Sumerer, Babylonier und Assyrer kannten den, damals in Mesopotamien noch wild vorkommenden, Elefanten. Sie bejagten ihn und hielten gelegentlich lebende Exemplare in ihren Tiergärten, aber erst durch die von Alexander dem Großen erbeuteten Elefanten und deren Mahouts wurden Elefanten auch im Nahen Osten für andere, namentlich Kriegszwecke genutzt.

In keinem anderen Land ist der Elefant so in den Alltag, in die Arbeitswelt, die Festlichkeit und die Mythen integriert worden wie in Indien. Er ist Reittier des Liebesgottes Kama, wird selbst im Hinduismus als Ganesha, Sohn von Shiva und Parvati, verehrt und Buddha soll in einem früheren Leben der Elefant Chaddanta gewesen sein, der sechs Stoßzähne hatte, fliegen konnte und eine Herde von 8000 Elefanten anführte. Die moslemischen Mogule, die im 16./17. Jahrhundert in Indien ihr gewaltiges Reich errichteten. Mohammed Akbar, der dritte Mogulkaiser besaß Tausende von Elefanten, 100 für seinen persönlichen Bedarf, von denen jeder über einen Personalbestand von zehn Mann verfügte.

In Thailand entwickelte sich ein besonderer Kult um die sogenannten "weißen" Elefanten, wobei es sich allerdings in aller Regel weder um Albinos noch wirklich leuzistische Tiere handelt- (GRÖNING & SALLER, 1998)

Der Elefant kommt in zahlreichen Fabeln und Gedichten vor:

Artenschutzprojekte:
Schutz des Asiatischen Elefanten in Thailand

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten: 
ABDEL-GAWAD, E. (2007)
ARNDT, J. (2014)  
BECK, J. (2015)  
BEHR, B.V. (2009)
BENZ, A. (2005)
BORN, S. (1996)  
BRANDES, A. (2015)
DANIEL, I. (2010)
DREWS, B. (2007)
FISCHER, N. (2009) 
FRINK, T. (2009)
HAMBRECHT, S. (2012)  
HERZOG, S. M. (1989)
HOHNEDER, N. (2014)
KLEMT, A. (2001)  
KONZ, A. (2009)
LINN, S. (2011)
LÖHLEIN, W. (1999)  
LODERSTEDT, S. (2009)
PRAHL, S. (2009)  
RAASCH, J. (2009)   
SCHMID, J. (2006)
SCHMIDT-BURBACH, J. (2008)  
SCHMUDE, I. von, 2011  
SEIBOLD, P. (2000)
WEISSENBÖCK, N. (2010)

Literatur:
EAZA Elephant TAG (2005)
GRÖNING, K.. & SALLER, M. (1998)
HAGENBECK, C. (1908)
HAMBRECHT, S. (2012)
HAMBRECHT, S. & REICHLER, S. (2013)  
MEEHAN, C.L., MENCH, J.A., CARLSTEAD, K. & HOGAN, J.N. (2016)
OETTERMANN, S. (1982)
PETRI AB HARTENSTEIN, G. C. (1715)   
RÜBEL, A. & ZINGG, R. (2015)

AS-6 kaziranga elephant JV
Elefantenbulle (Elephas maximus) im Kaziranga NP, Indien © Jürg Völlm, Basel

 

PD/SN - 03.03.2009; 1mehrfach aktualisiert

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