Pferdeartige

Somali-Wildesel

Somali-Wildeselhengste im Kölner Zoo Somali-Wildeselhengste im Kölner Zoo
© PD, VDZ-Geschäftsstelle

Ordnung: Unpaarzeher (Perissodactyla)
Familie: Pferdeartige (Equidae)

Red list status critically endangered

Somali-Wildesel

Equus africanus somalicus
Engl.: The Somali Wild Ass
Franz.: L'âne sauvage de Somalie
    
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Somali-Wildeselfohlen (Equus Acfricanus somalicus) in der Wilhelma Stuttgart - Pressefoto Wilhelma
Der Somali-Wildesel ist die letzte überlebende Unterart des Afrikanischen Wildesels. Er ist höchst bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED).

Der internationale Handel ist durch CITES -Anhang I eingeschränkt.

Verbreitung: Nordostafrika: Äthiopien, Dschibuti, Erithrea, Somalia, aber gebietsweise ausgestorben.

Haltung in VDZ-Zoos: Basel, Berlin-Tierpark, Chemnitz, Hannover, Nürnberg, Schmiding, Stuttgart.

Equus taeniopus Heuglin 1861 (Original)
Equus taeniopus Heuglin 1861 (Original)
Das Internationale Zuchtbuch wird am Tierpark Berlin geführt (CP). Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1989. Das EEP wird vom Zoo Basel (OP) koordiniert.

Besonderes: Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass es zwei rezente Unterarten des Afrikanischen Wildesels gibt: den Nubischen Wildesel (Equus africanus africanus), mit etwa 120 cm Stockmass, Schulterkreuz und ohne Beinstreifen, sowie den etwa 140 cm hohen Somali-Wildesel (Equus africanus somalicus) ohne Schulterkreuz und mit Zebrastreifen an den Beinen. Der württembergische Afrikaforscher Martin Theodor von HEUGLIN (1824-1876) hatte 1861 eine dritte Form, den "Equus taeniopus" beschrieben, der sowohl ein Schulterkreuz als auch Beinstreifen aufwies. Dummerweise war der genaue Somali-Wildesel im Zoo Basel © PD, VDZ-Geschäftsstelle
Somali-Wildesel im Zoo Basel © PD, VDZ-Geschäftsstelle
Fundort dieses Tieres nicht bekannt, die Richtigkeit der Originalabbildung, auf welcher der Esel ein hauseselartiges, breites Schulterkreuz zeigte, wurde angezweifelt, und in Brehms Tierleben von 1891 wurde eine Abbildung als "Steppenesel" gezeigt, für die ein ägyptischer Reitesel des Zoologischen Gartens Berlin Modell gestanden haben soll.
                
Es setzte eine ausgedehnte wissenschaftliche Debatte um den Status dieser "taeniopus"-Form ein. Wenn es sie als valides Taxon gab, so ist sie jedenfalls heute ausgestorben. Es wird mittlerweile aber auch akzeptiert, dass es innerhalb ein und derselben Population Esel mit und ohne Steppenesel (E. a. "taeniopus") aus Brehms Tierleben, 1891
Steppenesel (E. a. "taeniopus") aus Brehms Tierleben, 1891
Schulterkreiz geben kann und dass es zwischen Somali- und Nubischem Wildesel Mischformen gibt bzw. eher gab, den auch der Nubische Wildesel ist höchstwahrscheinlich seit den 1970er Jahre ausgestorben. Eine weitere Unterart, der Atlas-Wilesel (Equus africanus atlanticus) dürfte seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. ausgestorben sein. Bei im 20. Jahrhundert im Tschad und in der Zentral-Sahara beobachteten Eseln wird angenommen, dass es sich um verwilderte Hausesel handelte. (HEUGLIN, 1861; DENZAU, 1999; KRUMBIEGEL, 1958; LANG & v. LEHMANN, 1972; MOEHLMANN, 2002).
                
Der erste Somali-Wildesel, der in einen europäischen Zoo gelangte, wurde vom Tierfänger Joseph Menges im Auftrag von Carl HAGENBECK 1882 in Somalia gefangen und nach Hamburg gebracht. HAGENBECK (1908) schreibt dazu: "In dieser (d.h. der 1882 gefangenen) Sammlung befand sich eine neue Art Wildesel aus dem Somaliland, mit schönem, blaugrau gezeichneten Fell und mit schwarzen, bis zum Oberkörper reichenden Streifen an den Beinen. Die Zoologen wollten indes merkwürdigerweise von der Neuheit dieser Spezies nicht viel wissen." Der fragliche Esel wurde schließlich an den Zoo London verkauft.

Die heute in Europa lebenden Wildesel gehen ausnahmslos auf einen Import von 3 Hengsten und 2 Stuten im Jahr 1970 durch den Zoo Basel oder einen Import von 12 Eseln (von denen nicht alle zur Zucht gelangten) im Jahr 1972 in das Hai-Bar-Reservat in Israel zurück. Die Basler Tiere stammten aus dem Nogal-Tal in Somalia, die nach Israel eingeführten aus der Danakil-Wüste in Äthiopien (DENZAU, 1999).

Feldprojekte von VdZ-Mitgliedern

Literatur:
DENZAU, G. & H. (1999)
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
HAGENBECK, C. (1908)
HEUGLIN, Th. v. (1861);
KERN, C. (2011)
KRUMBIEGEL, I. (1958);
LANG, E. M.  & v. LEHMANN, E. (1972)
MOEHLMANN, P. D. (2002)

PD - 20.02.2009; 16.01.2010; 12.01.2011; 30.11.2013

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