Pferdeartige

Przewalskipferd

Przewalski-Stute (Equus przewalskii) im Tierpark Chemnitz Przewalski-Stute (Equus przewalskii) im Tierpark Chemnitz
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Odnung: Unpaarzeher (Perissodactyla)
Familie: Pferdeartige (Equidae)

Red list status endangered

Urwildpferd, Przewalskipferd, Takhi

Equus przewalskii = Equus ferus przewalskii 
Engl.: The Przewalski's Horse
Franz.: Le cheval de Prjewalski
        
Urwildpferd-Hengst im Tierpark Oberwald, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Urwildpferd-Hengst im Tierpark Oberwald, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Das Urwildpferd war in freier Wildbahn ausgerottet, und konnte aus Zoobeständen wieder angesiedelt werden. Bis 1996 galt es als "in der Natur ausgestorben". 118 001 001 006 equus przewalskii map
Wiederansiedlungsprojekte in Zentralasien. Nicht auf Karte: Buchara-Nationalpark in Usbekistan
Nach erfolgreichen ersten Wiederansiedelungen wurde es von 1996 bis 2011 in der Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" aufgeführt. Aufgrund der Tatsache, dass es nun schon mehrere, gut geschützte Freilandpopulationen gibt, konnte der Status 2011 um eine weitere Kategorie heruntergestuft werden (Rote Liste: ENDANGERED). Die kleine Gesamtpopulation ist aber nach wie vor stark gefährdet, vor allem durch Hybridisation durch Hauspferde, durch den Verlust von genetischer PM 2013-06-06 p-horse LPZ
Przewalski-Stute (Equus przewalskii) mit Fohlen im Zoo Leipzig - Pressefoto zoo Leipzig
Variabilität und von Krankheiten. Auch die harten zentralasiatischen Winter fordern immer wieder ihren Tribut.

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Verbreitung: Eurasische Steppen. Heute wieder in China, Mongolei und Kasachstan

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg (Königsbrunner Heide), Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Chemnitz, Cottbus, Herberstein, Karlsruhe, Köln, Langenberg, Leipzig, München, Münster, Neumünster, Neuwied, Nürnberg, Salzburg, Stuttgart, Tallinn, Wien (NP Neusiedlersee).

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Urwildpferd im Winterfell (Equus przewalskii) im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1985. Das EEP wird vom Zoo Köln koordiniert (WZ).
        
Besonderes: MOHR (1970) hat die wissenschaftliche Benennung des Urwildpferds ausgiebig diskutiert und den nachvollziehbaren Schluss gezogen, der korrekte Name sei Equus przewalskii. Die gegenwärtig gebräuchlichste Nomenklatur gründet auf GROVES (1986), der Equus ferus als Artnamen wählte, was von BOYD & HOUPT (Hrsg. 1994), der IUCN und anderen übernommen wurde.

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Urwildpferde (Equus przewalskii) im Schnee, Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Im Neolithikum kamen Wildpferde von Spanien bis Ostasien vor, wobei sich die Taxonomen darüber streiten, ob es sich um mehrere Arten oder nur um Unterarten handelte. GROVES (in BOYD & HOUPT, Hrsg. 1994) geht davon aus, dass es in historischer Zeit nur noch eine Art mit zwei Unterarten, dem Tarpan Equus ferus ferus (Synonyme: E. f. sylvaticus und E. f. gmelini) und Equus ferus przewalskii gegeben habe, die zusammen eine Kline bildeten.    
        
Der Tarpan starb im Mittelalter in Mitteleuropa, im 18. Jahrhundert in Polen und im 19. Jahrhundert in Russland aus, wobei es sich bei den letzten Tieren um Bastarde mit Hauspferden gehandelt haben könnte. Bei den heute in Zoos gezeigten "Tarpanen" handelt es sich um "Rückzüchtungen", hervorgegangen aus Kreuzungen von Przewalskipferden hauptsächlich mit Dülmener Pferden, Koniks, Islandponies und Gotlandponies.

Wildpferdzeichnung aus Lascaux, 15'000 v. Chr.
Wildpferdzeichnung aus Lascaux, 15'000 v. Chr.
Dem Przewalskipferd wäre es nicht anders ergangen, hätten sich nicht Baron FALZ-FEIN und Carl HAGENBECK darum bemüht, Wildpferde aus der Mongolei zu erhalten. Von 1899 bis 1904 lieferte der russische Kaufmann ASSANOW insgesamt 53 Wildpferdfohlen nach Askania Nova bzw. Hamburg, welche die Grundlage für die Zoopopulation bildeten. Allerdings leisteten nur 12 Tiere (sowie eine mongolische Hauspferdstute) einen Beitrag zur heutigen Zoopopulation. Der zweite Weltkrieg brachte dann nochmals eine Einengung der genetischen Basis, da nur 11 der 31 überlebenden Pferde fortpflanzungsfähig waren. 1947 konnte dann zum letzten Mal eine wilde Stute gefangen werden, 1969 wurde letztmals ein Wildpferd der ursprünglichen Population in der Wildpferdzeichnung aus Lascaux, 15'000 v. Chr
Wildpferdzeichnung aus Lascaux, 15'000 v. Chr
Mongolei beobachtet.    
        
Artenschutz: Heute wird eine Vielzahl von Projekten durchgeführt, um Przewalskipferde wieder in die Natur zu integrieren. Zum Teil handelt es sich um die Haltung in europäischen Semi-Reservaten, wie im Tenneloher Forst, in der Schorfheide oder im Nationalpark Neusiedler See, zum Teil um Projekte in Zentralasien. Dort ist zu berücksichtigen, dass eine erfolgreiche Wiedereinbürgerung nur gelingen kann, wenn auch der Lebensraum geschützt wird und die sozioökonomischen Aspekte der lokalen Bevölkerung gebührend berücksichtigt werden (ZIMMERMANN, 2005). Ein paar Beispiele:

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Urwildpferde als Landschaftspfleger im Tennenloher Forst - Quelle: http://www.wildpferde-tennenlohe.de/
Der Wildpark Langenberg (Schweiz) koordiniert das vom VdZ finanziell unterstützte Wiederansiedlungsprojekt in der Gobi B in der Mongolei (BAUMGARTNER, 2000). Von 1992 bis 2007 wurden insgesamt 89 der von den Mongolen Thaki genannten Pferde aus Europa in die Mongolei gebracht, akklimatisiert und freigelassen. Im Jahr 2008 kamen in dem grossflächigen Reservat 35 Takhis zur Welt, dagegen waren nur 13 Todesfälle zu beklagen. Somit war der Bestand auf 135 Tiere gestiegen, wovon die meisten bereits in der Mongolei geboren waren. Im extrem kalten Winter 2009/10 starben 100 Tiere und der Bestand sank auf 118-001-001-006 equus przewalskii stute fohlen MS
Przewalski-Stute (Equus przewalskii) mit Fohlen im Allwetterzoo Münster © Allwetterzoo
knapp 50 Individuen. Bis September 2015 ist er aber wieder auf 132 angestiegen. An diesem von der International Takhi Group durchgeführten Projekt beteiligen sich, neben anderen Partnern, die folgenden VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Berlin Zoo, Chemnitz, Halle, Karlsruhe, Nürnberg, Rostock, Schwerin, Salzburg, Stuttgart und Wien.

Der Tierpark München-Hellabrunn betreibt in Zusammenarbeit mit dem Zoo von Almaty und den lokalen Behörden ein Projekt in Kasachstan.

Seit 2005 engagiert sich der Kölner Zoo in einem Projekt zur Wiederansiedlung von Przewalskipferden in China. Das 1,7 Millionen ha große Kalameili-Reservat im Nordwesten Xinjiangs ist Teil der Dschungarischen Gobi und gehört zum ehemaligen Verbreitungsgebiet des Przewalskipferdes.

Die Anforderung des Säugetiergutachtens 2014 des BMEL, dass bei extensiver Haltung eine Mindestanzahl von 1 Hengst und 2 Stuten erforderlich sein soll, ist widersinnig. Extensivhaltungen spielen hauptsächlich für die Pflege von Naturschutzgebieten eine Rolle. Dazu werden häufig nicht Zuchtgruppen, sondern, im Sinne einer verantwortungsvollen Zuchtplanung, reine Hengst- oder Stutenherden eingesetzt.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BAUCH, Ch. (2004)
BRABENDER, K. (2007)
CORREIA, H.S. (1996)   
GROSS, D. (1995)
KIFFER, K.S. (2014) 
KOBBELT, A. (2000)
KULISCH, M. (2013)
PAWLIK, K. (2013)
GREIF, A. (1989)  
RAUCAMP, M. (2012)
ROTH, F. (2002)
STEIDELE, N. (2011)  
WEBER, Th. (1995)

Literatur und Internetquellen:
BAUMGARTNER, R. (2000)
BOYD, L. & HOUPT, K. A. (Hrsg. 1994)

GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
KACZENSKY, P., WALZER, C. & STEINHAUER-BURKART, B. (2004)
MOHR, E. (1970)
STAUFFER, C 82008)
STAUFFER, C. & ISENBÜGEL, E. (1998)
ZIMMERMANN, W. (2005)

International Takhi Group

PD - 24.02.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 6611 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 07 September 2016 15:40
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