Schweine

Warzenschwein

Warzenschwein-Bache im Opel-Zoo Kronberg Warzenschwein-Bache im Opel-Zoo Kronberg
© PD, VDZ-Geschäftsstelle

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Schweineartige (Suidae)
Tribus: Warzenschweine (Phacochoerini)

Bis vor wenigen Jahren gab es nur eine, Phacochoerus aethiopicus genannte Warzenschweinart, von der etwa ein halbes Dutzend Unterarten beschrieben waren. Die Taxonomen der jüngsten Generation haben nun zwei Arten draus gemacht: Das Wüstenwarzenschwein, das in zwei Unterarten in Südafrika vorkam und noch am Horn von Afrika vorkommt und dazwischen das Gewöhnliche, nun Phacochoerus africanus genannte, Warzenschwein. Warzenschweine sind nicht gefàhrdet. "africanus" ist in VdZ-Zoos vertreten.

Red list status Least concern

Warzenschwein

Phacochoerus africanus
Engl.: The Warthog
Franz.: Le phacochère

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Westafrikanische Warzenschwein-Bache (Phaciochoerus africanus) mit Frischlingen im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin
Die Art hat eine weite Verbreitung und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Sie ist daher nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist aber heute wegen tierseuchenrechtlicher Bestimmungen so gut wie ausgeschlossen.

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Approximative Verbreitung der Warzenschweine. Rot: Phacochoerus aethiopicus; Dunkelblau: Phacochoerus africanus
Verbreitung: Savannengebiete Afrikas südlich der Sahara: Angola, Äthiopien,Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Dschibuti, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo, Dem. Rep. Kongo, Liberia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik. In Niger möglicherweise ausgestorben.

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Hamburg, Kronberg, Magdeburg, Münster, Osnabrück, Tallinn

Warzenschwein-Keiler (Phacochoerus africanus) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, VdZ
Westafrikanischer Warzenschwein-Keiler (Phacochoerus a. africanus) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, VdZ
Besonderes: Als Zoologischer Assistent am Zoo Frankfurt hat der nachmalige Direktor des Berliner Zoos, Hans FRÄDRICH, das Verhalten von Warzenschweinen im Nairobi-Nationalpark erforscht. Auch der ehemalige Verwaltungsratspräsident des Zoo Basel, Rudolf GEIGY, befasste sich am Forschungsinstitut Ifakara (TanSania) mit Warzenschweinen und wurde wegen seines wissenschaftlichen - und waidmännischen - Interesses an dieser Tierart mit dem Suahelinamen "Bwana Ngiri" (Herr Warzenschwein) bedacht. Frankfurt und Basel gehörten denn auch mit zu den ersten Zoos, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Warzenschweine zeigen konnten, allerdings kam es nur in Frankfurt ab 1959 zur Zucht.

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Westafrikanische Warzenschweine(Phacochoerus a. africanus) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin
Warzenschweine können zwar sehr zahm werden, bleiben aber wegen ihrer scharfen Hauer stets gefährlich. In Frankfurt kam es mehrmals zu Unfällen und in Duisburg wurde gar ein Tierpfleger von einem isoliert gehaltenen Warzenschwein-Keiler getötet.

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Warzenschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei 50-150 kg schwere Warzenschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen.

Ferner fordert das Gutachten für Warzenschweine im Außengehege „Halbhöhlen“. Solche Halbhöhlen werden von Warzenschweinen im Freiland nur zur Feindvermeidung und – nebst Erdferkelhöhlen - nachts zum Schlafen aufgesucht. Da im Zoo keine Fressfeinde im Gehege zu erwarten sind und die Tiere nachts Ställe zur Verfügung haben, ist diese Anforderung obsolet.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
HARMUTH, D. (1962)

Literatur:
MOHR, E. (1960)
PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
RADKE, R. (1991)

PD - 26.01.2009

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Gelesen 3231 mal Letzte Änderung am Sonntag, 25 Oktober 2015 17:30
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