Schweine

Pinselohrschwein

Pinselschwein im Zoo Duisburg Pinselschwein im Zoo Duisburg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Odnung: Paarzeher 
Familie: Schweineartige (Suidae) 
Tribus: Buschschweine (Potamocherini) 

Zur Gattung Potamocherus gehören zwei nicht-gefährdete Arten. Eine davon wird in VdZ-Zoos gezeigt.

Red list status Least concern

Pinselohrschwein

Potamochoerus porcus
Engl.: The Red River Hog
Franz.: Le potamochère d'Afrique
        
Pinselschwein im Zoo Landau © Zoo Landau
Pinselschwein im Zoo Landau © Zoo Landau
Wegen seiner weiten Verbreitung gilt das Pinselohrschwein nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), obwohl die Bestände abnehmen.

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Verbreitung der Art: Afrika südlich der Sahara : pictus-Gruppe in Pinselschwein-Frischlinge im Zoo Landau © Zoo Landau
Pinselschwein-Frischlinge im Zoo Landau © Zoo Landau
Äquatorial-Guinea, Benin, Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Demokratische Republik Kongo (Zaire), Kongo, Liberia, Mali, Nigeria, Senegal, Togo, Uganda, Zentralafrikanische Republik) .

Adultes Pinselschwein und Überläufer im Zoo Landau © Jens-Ove Heckel Zoo Landau
Adultes Pinselschwein und Überläufer im Zoo Landau © Jens-Ove Heckel Zoo Landau
Haltung in VdZ-Zoos: Aachen, Berlin-Zoo, Duisburg, Hamburg, Hannover, Köln, Krefeld, Landau, Magdeburg, München, Münster, Nürnberg, Osnabrück, Saarbrücken, Salzburg, Schmiding, Tallinn, Wuppertal

Das Europäische Zuchtbuch (ESB, seit 2001) wird am Zoo Duisburg geführt (JR).

Pinselschwein mit Frischlingen im Allwetterzoo Münster © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Pinselschwein mit Frischlingen im Allwetterzoo Münster © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Besonderes: Es gibt etwa 13 Unterarten, die in zwei Gruppen bzw. Arten  unterteilt werden können, die bunteren pictus-Schweine mit rotem Fell, weissem Rückenkamm und schwarzer Stirn aus Westafrika und die choeropotamus-Schweine mit schwarzbraunem Fell und fahler Stirn aus dem südlichen und östlichen Afrka (SEYDACK, 1991). Die in Europa gehaltenen Pinselohrschweine gehören zur Unterart Potamochoerus porcus pictus.

Eigenartigerweise kam die erste Kunde vom Pinselohrschwein nicht aus seiner afrikanischen Heimat, sondern aus Brasilien: Der deutsche Naturforscher Georg MARCGRAV schrieb im Jahr 1664 an einer Naturgeschichte Brasiliens und bildete darin deutlich erkennbar ein Pinselohrschwein ab. Mögligerweise sind Pinselohrschweine von den Portugiesen bzw. Negersklaven nach Brasilien gebracht worden, konnten sich dort aber trotz ähnlichen klimatischen Bedingungen nicht halten. In seiner Beschreibung bezeichnet MARCGRAV das Schwein als "Porcus guineensis de Guinea 119-001-004-001 potamochoerus duisburg reiter
Pinselohrschweine (Potamochoerus porcus) beim Baden im Zoo Duisburg © Jochen Reiter, Duisburg
in Brasiliam translatus
", Merkwürdigerweise lebt Porcus guineensis im Englischen heute noch als die Bezeichnung für das Meerschweinchen (Guinea Pig) fort (MOHR, 1960).

Nach Europa kamen die ersten Pinselohrschweine erst im Jahr 1852 und zwar in den Zoo London. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Zoo Frankfurt 1956 einen Keiler aus Spanisch Guinea, und 1959 die Bache "Helene" aus Léopoldville (Kinshasa), bekannt aus Bernhard GRZIMEK's Buch "Kein Platz für Wilde Tiere", die beide recht lange gehalten wurden. Auch der Zoo Leipzig erhielt in den 50er Jahren Pinselohrschweine aus Spanisch Guinea (MOHR, 1960). Der Zoo Duisburg importierte 1975 bzw. 1977 ein Paar aus Togo. Dieses und seine Nachkommen werden tagsüber auf der 1500 m² grossen Aussenanlage des Afrikanums gemeinsam mit Watussirindern, Damaraziegen und Schwarzkopfschafen gehalten. Die Schweine überwältigen gelegentlich bis zu sechs Monate alte Schaf- und Ziegenlämmer und fressen sie auf, wobei sie ihre Beute mit einem Vorderlauf festhalten (NEUROHR, 1991).

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Pinselohrschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei 50-120 kg schwere Pinselohrschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen.Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen. Darüber, wie häufig Pinselohrschweine im Außengehege baden, gehen die Angaben Pinselohrschweine haltender Zoos auseinander. Pinselohrschweine haben in der Regel während des ganzen Jahres Auslauf im Freien. Aus diesem Grund ist auch die geforderte Mindesttemperatur von 18°C nicht angebracht. Die Erfahrung in mehreren Zoos zeigt, dass, wenn keine kleinen Jungtiere da sind oder keine Geburten erwartet werden, eine mittlere Raumlufttemperatur von 14-15°C zweckmäßiger ist, wenn Auslauf gewährt wird bzw. die Tiere die freie Wahl haben, denn zu große Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außengehege sind riskant.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
HARMUTH, D. (1962)
KALTHOFF, A. (2000)

Literatur:
GRZIMEK, B. (1954)
MOHR, E. (1960)
NEUROHR, B. (1991)

PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
SEYDACK, A. (1991)
    
PD - 23.02.2009; mehrfach aktualisiert

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