Schweine

Wildschwein

Wildschweine (Sus scrofa), Tierpark Berlin Wildschweine (Sus scrofa), Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Schweineartige (Suidae)
Tribus: Schweine i.e.S (Suini)

Die Wildschweine der Gattung Sus sind sehr vielgestaltig und je nach taxonomischer Modeströmung werden sie auf mehr oder weniger Arten verteilt. Erna MOHR stellte 1960 fest: Mit der rigorosen Zusammenziehung der eurasischen Wildschweine der Gattung Sus, wie FORSYTH MAJOR sie bereits 1897 vorschlug, wird man der Sachlage vermutlich am ehesten gerecht. Heute wird von 9-10 Arten ausgegangen, von denen vier auf den Philippinen und drei in Indonesien/Malaysia vorkommen. Nur das eurasische Wildschwein ist nicht gefährdet bei einer weiteren Art ist die Datenlage unklar. Alle anderen sind potenziell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. In VdZ-Zoos werden drei Arten gehalten.

Red list status Least concern

Wildschwein

Sus scrofa
Engl.: The Wild Boar
Franz.: Le sanglier
    
Schlafende Wildschweine (Sus scrofa), Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Schlafende Wildschweine (Sus scrofa), Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), da das Wildschwein eine weite Verbreitung und eine große Gesamtpopulation hat, auch veränderte Lebensräume nutzen kann und in Schutzgebieten vorkommt. Als einheimische Tierart und Ahnform des Hausschweins von zoopädagogischem Interesse.

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Verbreitung: Europa (fehlt in Island, in Dänemark, Norwegen und Irland ausgestorben), weite Teile Asiens (ohne Sibirien, zentralasiatische Hochländer und Wüsten, Inseln östlich von Java), Nordafrika (Algerien, Marokko, Tunesien, sonst ausgestorben)

Zeitungsartikel in der schweizerischen Tagespresse ("Der BUND"), der sich recht objektiv mit dem Töten, Schlachten und Verfüttern von Zootieren im städtischen Tierpark auseinandersetzt
Zeitungsartikel in der schweizerischen Tagespresse ("Der BUND"), der sich recht objektiv mit dem Töten, Schlachten und Verfüttern von Zootieren im städtischen Tierpark auseinandersetzt
Haltung in VdZ-Zoos: Altschönau, Basel, Bern, Bernburg, Chemnitz (im Wildpark), Cottbus, Eberswalde, Goldau, Innsbruck, Langenberg, Neumünster, Schwerin, Tallinn, Warder

Besonderes: Wildschweine haben Mehrlingsgeburten. Nach einer Tragzeit von 112-121 Tagen werden ein- bis zweimal im Jahr meist 6 bis 8, im Extremfall bis 13 Junge aufs Mal geboren (GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009). Es ist deshalb unmöglich, dass jeder Frischling bis zu seinem natürlichen Tod im Zoo verbleiben kann, sondern es kommt oft vor, dass im Zoo halbwüchsige Wildschweine getötet und z.B. an die Wölfe verfüttert werden. Obwohl Wildschweinfütterung im Dienst der Zoopädagogik © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Wildschweinfütterung im Dienst der Zoopädagogik © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Fortpflanzung und Aufzucht das Leben der Zootiere ungemein bereichern, obwohl es ein natürlicher Vorgang ist, dass Huftiere von Raubtieren gefressen werden und obwohl die Tötung im Zoo angst- und schmerzfrei erfolgt, unterstellt das durch die Boulevardpresse vertretene "gesunde Volksempfinden" der Zooleitung oft unlautere Absichten und spricht von Mord, und auch der seriöseren Presse sind solche Ereignisse viel Papier und Druckerschwärze wert.
 
Badende Wildschwein-Bache (Sus scrofa) im Tierpark Cottbus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Badende Wildschwein-Bache (Sus scrofa) im Tierpark Cottbus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Dabei geht vergessen, dass jährlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 50 Millionen Hausschweine im zarten Alter von sieben Monaten geschlachtet und zu Bratwürsten, Frankfurtern, Schweinshaxen, Speck und Schinken verarbeitet werden. Im Mittel verzehrt jeder Einwohner, ob Mann, Frau oder Kleinkind, eine Schweinehälfte pro Jahr. Das ist kein Thema. Dass die Haltungsbedingungen der geschlachteten Tiere vielfach inadäquat gewesen, die Transporte zum Schlachthaus mit Stress verbunden und die Betäubungsmethoden – Elektroschock oder Vergasen – nicht über alle Zweifel erhaben sind, stört die Konsumentenschaft wenig. Auch, dass im Jagdjahr 2007/08 allein in deutschen Landen 477'494, in Österreich 33'778 und in der Schweiz 2011/12 9'941 Wildschweine mehr oder weniger waidgerecht vom Leben zum Tode befördert - im Klartext, von Treibern und Hunden aufgescheucht, durch den Wald gejagt und dann auf der Flucht erschossen – wurden, interessiert bestenfalls ein paar Tierrechtler (DOLLINGER, 2003).

Die Wildschweinbestände haben innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich zugenommen, in Österreich und der Schweiz haben sich in diesem Zeitraum die Jagdstrecken verdreifacht (Statistik Austria, eidg. Jagdstatistik). In Österreich kommen in Wildschweine in allen Bundesländern vor, wobei die Bestände in Salzburg, Tirol und Vorarlberg eher bescheiden sind. In der Schweiz kommen, von der Zentralschweiz (UR, SZ, OW, NW, GL, ZG) abgesehen, Wildschweine mittlerweile in allen Kantonen zur Strecke. Manchenorts stellen die eingezäunten Autobahnen ein Hemmnis für die Verbreitung der Tiere dar, so etwa in der Linthebene, wo Wanderungen zwischen St.Gallen einerseits und Schwyz/Glarus andererseits kaum möglich sind (HAUSSER, 1995).

Auch bei Wildschweinen ist die Tendenz zu beobachten, dass sie sich zunehmend menschliches Siedlungsgebiet als Lebensraum zunutze machen. Im Berliner Raum z.B. halten sich Wildschweine bevorzugt in den Randbereichen der Stadt auf. Dabei werden Grünflächen oft als Wanderpfade und Trittsteine benutzt, um tiefer in die Stadt einzudringen. Besonders in der trockenen, warmen Jahreszeit zieht es die Tiere in die Stadt, weil dann in den innerstädtischen Grünanlagen, auf Friedhöfen und in Gärten viel leichter Nahrung zu finden ist als im Wald. Im Jagdjahr 2008/09 wurden auf Berliner Stadtgebiet 3035 Wildschweine erlegt, d.h. 3.4 Stück / 100 ha (MÖLLERS, 2010).

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sah sich deshalb veranlasst die Bevölkerung mittels Flugblättern zu informieren und u.a. Ratschläge dafür zu geben, wie man Grundstücke sichern kann und wie man sich bei einer Begegnung mit Wildschweinen verhalten soll.

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass Eurasischen Wildschweine bei extensiver Haltung aus Gruppen von mindestens 1 Eber und 4 Bachen bestehen sollen. Der gleiche Text war auch in den Leitlinien für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen enthalten, allerdings als Empfehlung. Es ist aber unsinnig, eine solche Empfehlung als Mindestanforderung zu übernehmen, da dasselbe Gutachten im Zoogehege die paarweise Haltung zulässt und es auch keinen Grund gibt, die extensive Haltung nicht-züchtender Gruppen nicht zuzulassen. Im Weiteren besagt das Gutachten, dass Wildschweingehege grundsätzlich nur in Abwesenheit der Tiere zu betreten sind. Dies ist für extensive Haltungen praxisfremd – in verschiedenen Wildparks gibt es sogar für die Besucher begehbare Wildschweinanlagen – und ist in Zoohaltungen nicht immer erforderlich. Außerdem handelt es sich nicht um eine tierschutzrelevante Anforderung.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
HARMUTH, D. (1962)

Literatur:
DOLLINGER, P. (Hrsg., 2003)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HAUSSER, J. (1995)
MOHR, E. (1960)
MÖLLERS, F. (2010)

PD - 27.01.2009; mehrfach aktualisiert

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