Kamele

Trampeltier und Dromedar

Trampeltierstute Aila (im Vordergrund) Trampeltierstute Aila (im Vordergrund)
Pressefoto H. Will, Tierpark Chemnitz

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Schwielensohler (Camelidae)

Red list status Critically endangered

Trampeltier und Dromedar

Camelus bactrianus / dromedarius
Engl.: The Bactrian, or Two-humped, Camel and the Dromedary
Franz.: Le chameau à deux bosses et le dromadaire
        
Dromedar mit Fohlen - Pressefoto Zoo Berlin
Dromedar mit Fohlen - Pressefoto Zoo Berlin
Trampeltier und Dromedar sind Haustierformen. Vom Dromedar ist keine Wildform bekannt, es wird vermutet, dass diese auf der Arabischen Halbinsel lebte und vor mehreren tausend Jahren ausstarb. Die Wildform des Trampeltiers, das Wildkamel, ist in Kasachstan bereits ausgestorben und mit einem kontinuierlich abnehmenden Totalbestand von gegenwärtig weniger als 1000 Tieren in China und der Mongolei vom Aussterben bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED).
    
Dromedar im Zoo Landau © Peter Dollinger, VdZ
Dromedar im Zoo Landau © Peter Dollinger, VdZ
Die Hauptgefahren sind Hybridisierung mit Hauskamelen und Konkurrenzierung durch die Haustierherden der Nomaden.

Verbreitung: Das Trampeltier wird hauptsächlich in Iran, Afghanistan, Pakistan, Kasachstan, der Mongolei und China gehalten, kommt aber bis in die Türkei und Ostsibirien vor. Das Dromedar findet man zur Hauptsache in Nord- und Ostafrika, und dem Nahen und Mittleren Osten von der Türkei bis Arabien und ostwärts bis nach Indien. Eine große, verwilderte Population lebt in Australien, wo die Tiere bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Nutztiere importiert worden waren, kleinere eingeführte Bestände gibt es in Namibia und der Nordkap-Provinz Südafrikas, den Kanarischen Inseln und dem Balkan. Auch in die USA, nach Italien und Spanien wurde das Dromedar eingeführt, ist dort aber wieder ausgestorben.
    
Haltung in VdZ-Zoos:
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Zooschulunterricht bei den Dromedaren - Foto Zoo Landau
Trampeltier: Aachen, Berlin-Tierpark, Bernburg, Chemnitz, Cottbus, Dortmund, Dresden, Duisburg, Eberswalde, Erfurt, Frankfurt, Gelsenkirchen, Görlitz, Gossau, Hamburg, Heidelberg, Herberstein, Hoyerswerda, Karlsruhe, Köln, Krefeld, Kronberg, München, Münster, Neunkirchen, Neuwied, Nürnberg, Osnabrück, Rheine, Rostock, Saarbrücken, Salzburg, Stralsund, Straubing, Stuttgart, Tallinn, Zürich. Trampeltiere werden auch von vielen kleineren Tierparks, Zirkussen und Privatpersonen gehalten.

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Junges Trampeltier in der Wilhelma Stuttgart - Pressefoto Wilhelma
Dromedar: Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Chemnitz, Kronberg, Landau, Neunkirchen, Osnabrück, Rostock, Wuppertal

Besonderes: Das zweihöckerige Trampeltier und das einhöckerige Dromedar gehören mit einer Kopf-Rumpflänge von bis zu 345 cm, einer Höhe (mit Höcker) von bis zu 230 cm und einem Gewicht von bis zu 1000 kg zu den größten Huftieren. Neben den aus Fettgewebe bestehenden Höckern weisen sie noch eine Reihe weiterer anatomischer Besonderheiten auf: die Oberlippe ist gespalten und dient als Greiforgan, die Nasenlöcher sind 119-004-001-002 camelus bactrianus stuttgart presse2
Trampeltierstute mit Fohlen in der Wilhelma Stuttgart - Pressefoto Wilhelma
verschliessbar, im Oberkiefer fehlen die mittleren Schneidezähne, die 2. und 3. Schneidezähne sind nach hinten verlagert, am Hinterkopf befinden sich bei Stuten und Hengsten ein Paar Brunstdrüsen, beim Hengst ist das Gaumensegel als "Brüllsack" ausgebildet, der Magen ist, anders als bei den "echten" Wiederkäuern, dreihöhlig (der Psalter fehlt), am Oberschenkel hat es keine Spannhaut (Kniefalte), die Zehenknochen verlaufen nicht in einer 119-004-001-002a camelus dromedarius landau PD2
Ein symbolischer Graben reicht als Gehegebegrenzung. Alte Dromedaranlage im Zoo Landau © Peter Dollinger, VdZ
geraden, sondern einer gebrochenen Linie. Das Nagelendglied trägt einen kleinen Nagel mit gekrümmter Hornwand, der Fuss ist mit einem hochelastischen Sohlenpolster aus Binde- und Fettgewebe versehen und weist eine breite Auftrittsfläche auf.

Zu den physiologischen Besonderheiten gehört der geringe Wasserbedarf, der darauf beruht, dass die Tiere ihre Körpertemperatur von 34 °C auf über 40 °C erhöhen können. So wird die extreme Hitze im Körper gespeichert und während der Nacht bei kühleren Temperaturen abgegeben, ohne dass die Tiere 119-004-001-002 camelus dromedarius salzburg
Dromedar im Zoo Salzburg © Peter Dollinger, VdZ
Wasser verlieren. Erst nach Erreichen der maximalen Körpertemperatur beginnt ein Kamel zu schwitzen. (TVT, 2005)
    
Kamele sind für das Leben der Nomaden der asiatischen und nordafrikanischen Wüsten und Trockensteppen lebenswichtig. Sie werden als Reit- und Lasttiere eingesetzt, im arabischen Raum gar zur Veranstaltung von Rennen, und liefern Fleisch, Milch, Wolle, Leder und Dung als Brennstoff. Die Milch hat nicht nur einen großen Nährwert, sondern auch einen Vitamin-C-Gehalt, der vier- bis sechsmal so hoch ist, wie der von Kuhmilch und daher oft die wichtigste Vitamin-C-Quelle für die Bevölkerung darstellt.

Wissenschaftlich beschrieben wurden zuerst die Haustierformen, nämlich 1758 durch Carl von LINNÉ, der dem Trampeltier den Namen Camelus bactrianus gab, obwohl in Baktrien, der Gegend um Buchara, nicht Trampeltiere sonder Dromedare gehalten werden.
            
Das Wildkamel wurde von Nikolaj Michajlowitsch PRZEWALSKI 1878 in der Lop-Nor- Wüste entdeckt und mit dem Namen Camelus ferus versehen. Da das Trampeltier vermutlich vom Wildkamel abstammt, müsste es nach BOHLKEN (1958) Camelus ferus forma bactriana heissen.

Trampeltier und Dromedar lassen sich kreuzen. Die Nachkommen werden Tulus genannt. Sie haben nur einen eingedellten Höcker und sind fruchtbar.

Kamele sind nicht nur äußerst populäre Zootiere, sondern wegen ihrer anatomischen und physiologischen Besonderheiten, ihrer Lebensweise und kulturellen Bedeutung auch von hohem zoopädagogischem Wert. Obwohl Haustiere, können sie als Botschafterarten für den Schutz von Grasländern und anderen ariden Lebensräumen dienen.

Nach dem Säugetiergutachtens 2014 des BMEL ist Dromedaren  ein Innengehege mit einer Fläche von mindes-tens 15 m²  pro Tier einzurichten, weil das Dromedar (im Gegensatz zum Trampeltier) nicht winterhart sei. Tatsächlich überlappen sich aber die Verbreitungsgebiete von Dromedar und Trampeltier. Dromedare kommen z.B. in Turkmenistan und Kasachstan vor, wo die mittlere Monatstemperatur im Winter tagsüber bei unter 0°C und nachts bei -8 bis -9°C liegt. Auch in der Arabischen Wüste fallen die Nachttemperaturen im Winter auf 0°C. Die Tiere sind also kältetolerant, und da die Verweildauer im Stall relativ kurz ist, sind 8 m² ausreichend, wie im Falle der Trampeltiere, wenn diesen ein Stall und nicht nur ein Unterstand zur Verfügung gestellt wird.

 
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Wilhelm Busch: Naturgeschichtliches Alphabet, Münchener Bilderbogen Nro. 405/406
Kulturelle Bedeutung:
Das Kamel ist Gegenstand mehrerer Fabeln:

Aesop: Das Kamel
Aesop: Zeus und das Kamel

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
CORREIA, H.S. (1996)  
EICHNER, M. (1999)
FRANCKE, R. (1989)
MÜNCHAU, B. (1980)
WEDDING, S. (1979)

Literatur:
BOHLKEN , H. (1958)
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
WILSON, & MITTERMEIER (2011)

PD - 22.05.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 12018 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 31 März 2016 09:12
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