Hirsche

Rothirsche

Mitteleuropäischer Rothirsch im Zoo Dortmund Mitteleuropäischer Rothirsch im Zoo Dortmund
© FB, Dortmund

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Geweihträger (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)

Red list status least concern

Rothirsch (einschließlich Wapiti)

Cervus elaphus (einschließlich canadensis)
Engl.: The Red Deer
Franz.: Le cerf rouge

Europäische Rothirschkuh, TG Bernburg © PD, VdZ
Mitteleuropäische Rothirschkuh (Cervus elaphus hippelaphus) im Tiergarten Bernburg © Peter Dollinger, VdZ
Die Rothirsche Europas, die Marale und die anderen Formen Asiens sowie die Wapitis aus Nordamerika und Ostasien werden heute zumeist als Angehörige einer Art betrachtet (HECK, 1970, IUCN Red List, ISIS, ITIS), da sie einander geografisch vertreten und durch zahlreiche Übergangsformen miteinander verbunden sind. Als Art ist daher der Rothirsch nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Dies trifft allerdings für manche Unterarten und Populationen nicht zu. So wird die Art von der IUCN für Albanien, Israel, Jordanien, Libanon, Marokko, Mexiko, Nepal und Syrien als ausgestorben geführt.

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt, außer im Falle von Cervus elaphus hanglu (Anhang I), Cervus e. bactrianus (Anhang II) und C. e. barbarus (Anhang III).

 

 Westpaläarktische Rothirsche

Europäischer Rothirsch
Cervus e.elaphus (hippelaphus, hispanicus, montanus, scoticus etc.)
Engl.: The European Red Deer
Franz.: Le cerf d'Europe

Kapitaler Rothirsch im Tierpark Goldau © PD, VdZ
Kapitaler Mitteleuropäischer Rothirsch (Cervus elaphus hippelaphus) im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ
Verbreitung: Belgien, Bosnien-Herzegowina, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland (v.a. Exklave Königsberg), Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland

Haltung in VdZ-Zoos: Altschönau, Bernburg, Bern, Chemnitz (Wildpark Oberrabenstein), Dortmund, Goldau, Innsbruck, Langenberg, Kronberg, 119-006-004-005 c elaphus stralsund PD
Mitteleuropäischer Rothirsch (Cervus elaphus hippelaphus) mit Bastgeweih im Tierpark Stralsund © Peter Dollinger, VdZ
Neumünster, Stralsund, Straubing, Ueckermünde

Rotwild wird häufig in Wildparks und zur Fleischproduktion in landwirtschaftlichen Betrieben gehalten. Die Anforderung des Säugetiergutachtens 2014 des BMEL, dass bei der extensiven Haltung von Rotwild 3000 m² pro Adulttier zur Verfügung gestellt werden müssen, steht in Widerspruch zu landesrechtlichen Anforderungen für die Haltung von Gehegewild, z.B. zu Anlage 1 der Bayerischen Richtlinien für die Haltung von Dam-, Rot-, Sika- sowie Muffelwild (GehegewildR) vom 2. Januar 2007, die lediglich 2000 m² vorschreibt. Im Säugetiergutachen steht ferner, dass lediglich bei Milus, Dam- und Weißwedelhirschen  in großen Gehegen auch mehrere Männchen gemeinsam gehalten werden könnten. Diese bei PUSCHMANN et. al. (2009) abgeschriebene Behauptung ist falsch. Im Freiland leben Rothirsche während des Sommers ohnehin in Junggesellengruppen (SCHMIDT, P., 1971). Wird eine gute Alterspyramide bedacht und dem Platzhirsch nicht gerade ein ebenbürtiger Hirsch vor die Nase gesetzt, so kann bei Westpaläarktischen Rothirschen und Maralen die Haltung von Beihirschen sogar während der Brunft funktionieren und sich auf das Sozialverhalten positiv azuswirken. Bei Wapitis sollte man nur männliche Tiere bis max. 3 Jahren dabeilassen - selbst außerhalb der Brunft, denn die Hirsche attackieren sich auch im Bastgeweih mit den Vorderläufen.
        
Besonderes: In Europa wurde eine Vielzahl von Unterarten beschrieben. VON RAESFELDT (1970) vertrat allerdings schon 1970 die Ansicht, dass dies nicht gerechtfertigt sei, sondern dass man bestenfalls von einem maraloiden Typ im Osten und einem hippelaphiden Typ im Westen sprechen könne, die aber geografisch nicht streng getrennt seien und von denen es Mischpopulationen gebe. Eine Aufsplittung in Unterarten lässt sich umso weniger rechtfertigen, als in Europa neben massiver Zufütterung auch „Blutauffrischung, Fremdblutkreuzung und Rotwildverpflanzung“ in grossem Stil eingesetzt wurden, um stärkere Trophäen zuVerbreitung des Rothirschs in Deutschland
Verbreitung des Rothirschs in Deutschland
erzielen.

Durch die Folgen der Revolution von 1848 wurde das Rotwild in Deutschland fast ausgerottet. Heute gibt es wieder 142 behördlich festgelegte Rotwildbezirke, meist in den Wäldern der Mittel- und Hochgebirge sowie der norddeutschen Tiefebene. Die Strecke des Jagdjahres 2014/15 belief sich auf 74'359 (Vorjahr 75'773) Stück (Deutscher Jagdverband).

In Österreich ist das Rotwild in den Gebirgsregionen verbreitet, wo es noch zusammenhängende Lebensräume vorfindet. Durch den Zivilisationsdruck kommt es in ehemals hervorragenden Rotwildgebieten des Tieflands, wie den Donauauen, nur mehr inselartig vor. Die Strecke des Jagdjahres 2014/15 belief sich auf 51'677 (Vorjahr 58'138) Stück (Statistik austria).

Europäische Rothirschkuh, TG Bernburg © PD, VdZ
Mitteleuropäische Rothirschkuh (Cervus elaphus hippelaphus) im Tiergarten Bernburg © Peter Dollinger, VdZ
In der Schweiz war der Rothirsch um 1850 so gut wie ausgestorben. Ab 1900 wanderte er spontan aus Tirol, dem Vintschgau und Vorarlberg wieder nach Graubünden ein und breitete sich von dort Richtung St. Gallen, Uri, Tessin und Wallis aus. Um 1920 wurde der Kanton Glarus erreicht.
        
Wappen von Württemberg
Wappen von Württemberg
Gleichwohl setzten die Jagdbehörden 1930 einige Rothirsche aus dem Wildpark Langenberg im eidgenössischen Banngebiet Schilt aus. Diese Tiere wechselten ins Klöntal, wo sie sich zur bleibenden Population entwickelten, die sich weiter westwärts, in den Kanton Schwyz ausdehnte (KUSTER, 1966). Heute besiedelt die Art das Alpen- und Voralpengebiet sowie den Jura praktisch durchgehend und Beobachtungen im Mittelland mehren sich. Im Jahr 2014 wurde der Bestand auf 33'072 Tiere geschätzt und die Jagdstrecke belief sich auf 10'7158 (Vorjahr 10'482) Stück (Eidg. Jagdstatistik).

Im Südtirol betrug im Jagdjahr 2014 der Rothirschabschuss 2949 Stück (Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Forstamt).

Kulturelle Bedeutung: Im antiken Griechenland war der Hirsch der Göttin Artemis heilig, von den Römern wurde er als heiliges Tier der Jagdgöttin Diana übernommen und er wird in mehreren Sagen beider Kulturen (Aktäon, Iphigenie in Aulis) thematisiert.
        
Im Mittelalter und der Neuzeit bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Jagd auf den Rothirsch dem Adel vorbehalten - daher der Name "Edelhirsch" - und bis heute gehört er zu den Arten, die zur "Hochjagd" zählen. Mit seinem Geweih wurde und wird ein eigentlicher Kult betrieben -und es kommt natürlich auch zu Missbräuchen. 2005 machte eine Geschichte die Runde, wonach ein Baron von Gemmingen-Hornberg in Bulgarien einen "Weltrekordhirsch" mit 37 Enden erlegt und für den Abschuss 65'000 Euro bezahlt habe. Leider stamme der Hirsch aus einem Kleingatter bei Braunau in Österreich und sei handzahm gewesen, weshalb der Weltrektord aberkannt wurde.

Rothirschmotiv auf Briefmarke
Rothirschmotiv auf Briefmarke
Rothirschmotiv auf Briefmarke
Rothirschmotiv auf Briefmarke
Die Eckzähne des Oberkiefers, die sogenannten Grandeln, werden in Halsbänder, Ohr- und Fingerringe etc, eingearbeitet und als Schmuck verwendet.
        
Der Hirsch kommt in zahlreichen Märchen, Fabeln und Gedichten vor, Hier ein paar Beispiele aus der Feder von Gotthold Ephraim Lessing:

Der Stier und der Hirsch (Fabel)
Der junge und der alte Hirsch (Fabel)
Der Hirsch (Fabel)
Der Hirsch und der Fuchs (Gedicht)
Der Hirsch und der Fuchs (Fabel)
        
Eine beachtliche Zahl von Ortschaften sind nach dem Rothirsch benannt und führen ihn oder das Hirschgeweih im Wappen. In Deutschland: 01594 Hirschstein, 04932 Hirschfeld, 06636 Hirschroda, 07554 Hirschfeld, 07927 Hirschberg, 08144 Hirschfeld, 55483 Hirschfeld, 57635 Hirz-Maulsbach, 63697 Hirzenhain, 65558 Hirschberg, 66996 Hirschthal, 67732 Hirschhorn/Pfalz, 69434 Hirschhorn/Hessen, 69493 Hirschberg an der Bergstrasse, 92242 Hirschau, 92275 Hirschbach, 96114 Hirschaid. In Österreich: Hirschbach, Hirschbach im Mühlkreis, Hirschegg, Hirschenschlag, Hirschenwies, Hirschwang. In der Schweiz: Hirschmatt, Hirschthal, Hirzel, Hirzwang. Das Wappen des Landes Württemberg zeigte bis zur Zusammenlegung mit Baden zwei Felder mit je drei Hirschgeweihstangen und hatte zwei Hirsche als Schildhalter.
        
Auch verschiedene Pflanzen sind nach dem Rothirsch benannt, so Hirschheil (Seseli libanotis, Apiaceae), Hirschsprung (Corrigiola litoralis, Caryophyllaceae bzw. Molluginaceae), Hirschwurz (Peucedanum cervaria, Apiaceae), Hirschkolben-Sumach (Rhus typhina; Anacardiaceae), Hirschgeweihfarne (Platycerium spp., Polypodiaceae), Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium, Aspleniaceae) und Hirschtrüffel (Elaphomyces cervinus, Eurotiaceae).

Atlashirsch
Cervus e. barbarus
Engl.: The Barbary Stag
Franz.: Le cerf de barbarie
        
Atlashirsch (Cervus elaphus barbarus) im Tierpark Berlin © Christian Kern, Berlin
Atlashirsch (Cervus elaphus barbarus) im Tierpark Berlin © Christian Kern, Berlin
Verbreitung: Algerien, Tunesien, in Marokko 1932 ausgestorben

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark (als einziger Zoo in Europa)

Besonderes: Der Atlas- oder Berberhirsch ist der einzige auf dem afrikanischen Kontinent heimische Hirsch. Er war ursprünglich im westlichen Nordafrika von Marokko bis Tunesien verbreitet und besiedelte offenes Busch- und Grasland bis hin zu Korkeichenwäldern an den Hängen des Atlasgebirges. Durch Jagd und Habitatzerstörung schrumpfte der Bestand bis in die 1960er Jahre auf wenige hundert Tiere und die Art war nur noch in einem kleinen Verbreitungsgebiet an der algerisch/tunesischen Grenze zu finden. Nicht zuletzt dank einem Wiederansiedlungsprogramm erholte sich der Bestand in der Folge auf gegen 5000 Tiere, in den letzten Jahren soll er aber namentlich in Algerien wieder abgenommen haben. Ein Vorschlag Algeriens, die Unterart in Anhang I CITES aufzunehmen, scheiterte im Jahr 2007. Im Hinblick auf Wiederansiedlungen werden gegenwärtig Atlashirsche auch in Algerien und Marokko in Großgehegen gehalten. Der Atlashirsch ist im Vergleich zum Mitteleuropäischen Rothirsch kleiner, sein Geweih ist mit 8-12 Sprossen weit weniger stark entwickelt und der größere Teil der Hirschstiere bildet keine Eissprosse im Geweih aus. Am auffälligsten ist allerdings, dass der Atlashirsch auch als erwachsenes Tier noch helle Flecken besitzt, besonders gut sind diese im Sommerfell ausgebildet. (PM 57/2010 Tierpark Berlin; IUCN Red List of Threatened Species, Version 2010.4.) Atlashirsch und Tyrrhenischer Rothirsch sind nahe miteinander verwandt, und manche Autoren betrachten sie auf der Grundlage molekulargenetischer Untersuchungen als eine einzige Unterart, obwohl der Größenunterschied (nach Literaturangaben) augenfällig ist (barbarus, m: Schulterhöhe 130-140 cm, Gewicht bis 200kg; corsicanus, m: Schulterhöhe 80-110 cm, Gewicht bis 110 kg) (cf. LUDT et al., 2004; ZACHOS & HARTL, 2006).

Tyrrhenischer Rothirsch (Cervus e. corsicanus): Tyrrhenische Rothirsche werden ausserhalb ihrer Ursprungsländer nicht gehalten. Auf Korsika in den 1970er Jahre ausgestorben. 13 ab 1985 aus Sardinien eingeführte Tiere wurden in drei Gehege von 13, 15 und 18 ha verbracht und haben sich dort gut vermehrt. Ab 1998 Wiederansiedlung. Bestand 2007: 106 Tiere in den Gehegen, Gesamtpopulation auf Korsika 250, auf Sardinien ca. 700 (KIDJO, N. et al., 2007)

Kaukasushirsch, Kaukasusmaral (Cervus e. maral): Der Kaukasusmaral wird im deutschen Sprachgebiet nur in einem österreichischen Wildpark gehalten.


Mittelasiatische Rothirsche

Bucharahirsch
Cervus elaphus bactrianus
Engl.: The Bactrian Red Deer
Franz.: Le cerf de Bactriane
        
Bucharahirsch (Cervus elaphus bactrianus) im Tierpark Berlin © KR, Berlin
Bucharahirsch (Cervus elaphus bactrianus) im Tierpark Berlin © KR, Berlin
Verbreitung: Afghanistan, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Köln, Kronberg, Tallinn

Das Europäische Zuchtbuch (ESB) wird am Kölner Zoo (WZ) geführt.

Bucharahirschkalb im Kölner Zoo - Foto Rolf Schlosser, Kölner Zoo
Bucharahirschkalb im Kölner Zoo - Foto Rolf Schlosser, Kölner Zoo
Besonderes: Am EEP beteiligen sich nur neun Institutionen mit zusammen 60-70 Tieren. Die Zucht dieser seltenen Hirschart wird von einzelnen Teilnehmern zur Zeit eingeschränkt, da es nicht ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten gibt.
        
Dies ist umso bedauerlicher, als sich der Wildbestand auf nur wenige hundert Tiere beläuft. NAUMANN & NOGGE (1973) gaben für Afghanistan Bestände in der Grössenordnung von 100 Tieren an. 1989 gab es etwa 900. Nach dem Zusammenbruck der Sowjetunion kamen PERELADOVA & SEMPERE (1999) nach einem Survey in Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan noch auf einen geschätzten Welttbestand von 350-400 Individuen. Dank einem vom WWF initiierten Schutzprogramm erholte sich der Bestand bis 2011 wieder auf 1'900 Individuen (PERELADOVA, 2013)

Jarkandhirsch (Cervus elaphus yarkandensis)
Kaschmirhirsch oder Hangul (Cervus elaphus hanglu)

Der Hangul wurde früher im Berliner Zoo gehalten.

Gegenwärtig sind die beiden Unterarten in Europa nicht vertreten.

 

Südchinesische Rothirsche

Eine Gruppe nah verwandter "Unterarten" aus Tibet und angrenzenden Provinzen Chinas:
Tibetischer Rothirsch oder Shou (Cervus elaphus wallichi)
MacNeill-Hirsch (Cervus elaphus macneilli)
Gansuhirsch (Cervus elaphus kansuensis)

Die Südchinesischen Rothirsche, einschließlich des Kaschmirhirsches werden bei WILSON & MITTERMEIER (2011) als eigene Art unter dem Namen wallichii gehandelt, dies gestützt auf eine Publikation von GROVES (2006), der sich seinerseits auf molekulargenetische Untersuchungen von PITRA et al. 2004) abstützt, die den Rothirsch in drei Arten, canadensis, elaphus und wallichi, aufsplitten. LUDT et al. (2004) anerkennen, ebenfalls auf der Grundlage molekulargenetischer Untersuchungen, nur die beiden Arten canadensis und elaphus und schlagen wallichi den Wapitis zu. Dies alles beruhend auf vergammeltem Gewebematerial oder Geweihen von einigen wenigen Museumsexemplare (bei LUDT 1 wallichi  und je 2 macneilli und kansuensis). Zur Problematik der neuen Huftiertaxonomie siehe PDF bei SCHÜRER, U. (2012).

Der Tibetische Rothirsch galt eine Weile als vermutlich ausgestorben. Eine Untersuchung von SCHALLER et al. (1996) förderte aber noch einige Reliktpopulationen zutage, wovon eine mit 200 Individuen in der Gegend des Diorfes Zenqhi (Auitonome Region Tibet) eine gewisse Überlebenschance hat.

Diese Hirschformen werden gegenwärtig in Europa nicht gehalten.


Nordasiatische Wapitis

Diese werden zum Teil auch canadensis zugerechnet.

Altai-Maral
Cervus elaphus sibiricus
Engl.: The Altai Wapiti, or Siberian Elk
Franz.: Le cerf de Sibérie
        
Altai-Maral (Cervus elaphus sibiricus) im Tierpark Berlin © KR, Berlin
Altai-Maral (Cervus elaphus sibiricus) im Tierpark Berlin © KR, Berlin
Verbreitung: Zentralasien: China, Kasachstan, Mongolei, Russland

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin Tierpark, ferner in drei deutschen und einem österreichischen Wildpark.

Besonderes: Der Altai-Maral besiedelt offene Landschaften bis auf eine Höhe von etwa 1900 m. Er ist ein mächtiges Tier mit bis 15 kg schwerem, endenreichem Geweih. Aus diesem Grund wurde er gelegentlich in die Westpaläarktische Rothirschpopulation eingekreuzt. Im Oktober beginnt die Brunftzeit. Im Februar/ März werfen die Bullen ihr Geweih ab. Nach einer Tragzeit von 240-265 Tagen werden die Kälber im Mai/ Juni geboren.

Tianshan-Maral (Cervus elaphus songaricus)
Tianshan-Marale wurden bis zum Zweiten Weltkrieg zeitweilig im Berliner Zoo gehalten.

Isubrahirsch (Cervus elaphus xantopygus)
In den 1960er Jahren hielten und züchteten einige wenige deutsche Zoos den Isubrahirsch.

 

Nordamerikanische Wapitis

Wapiti
Cervus elaphus canadensis
Engl.: The American Elk, or Wapiti
Franz.: Le wapiti

Felsengebirgswapiti (Cervus e. (canadensis) nelsoni) in Hagenbecks Tierpark © PD, VdZ
Felsengebirgswapiti (Cervus e. (canadensis) nelsoni) in Hagenbecks Tierpark © PD, VdZ
Bisweilen in sechs Unterarten aufgesplittet, von denen 2 ausgestorben sind. ISIS unterscheidet nur zwischen Amerikanischem Wapiti und Zwergwapiti.
Manitoba-Wapiti (Cervus e. manitobensis (=canadensis))
Felsengebirgswapiti (Cervus e. nelsoni (=canadensis))
Roosevelt-Wapiti (Cervus e. roosevelti (=canadensis))

Verbreitung: Kanada, USA, im Gegensatz zu vielen Angaben kam der Wapiti im Holozän in Mexiko nicht vor (CARRERA et al. 2003).

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark(C. e. manitobensis), Hamburg, Rostock (C. e. nelsoni), Nürnberg, Rostock


Zwergwapiti
Cervus canadensis nannodes
Engl.: The Tule Elk
Franz.: Le wapiti de Tule
    
Zwergwapiti (Cervus elaphus nannodes) im Tierpark Berlin © KR, Berlin
Zwergwapiti (Cervus elaphus nannodes) im Tierpark Berlin © KR, Berlin
Verbreitung: Kalifornien

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark

Besonderes: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Kalifornien rund eine halbe Million Zwergwapitis. Durch die Zuwanderung von Siedlern als Folge des Goldrauschs im Jahr 1849 schwand der Lebensraum der Hirsche zusehends und eine nicht nachhaltige Bejagung beschleunigte den Niedergang der Bestände. 1895 sollen gerade noch 28 Tiere übrig geblieben sein. Dank dem privaten Landeigentümer Henry MILLER in Bakersfield überlebte dieser Restbestand. Bis 1905 wuchs die Population auf 140 Tiere an, dann begann Miller Hirsche an andere Landbesitzer abzugeben. 1932 wurde das Tule Elk State Reserve eingerichtet. 1970 gab es wieder drei Herden mit rund 500 Tieren. 1971 wurde die Art unter Schutz gestellt und mit einem Jagdverbot belegt, bis der Bestand 2000 Tiere erreicht hätte. Im Jahr 2000 waren es bereits 22 Herden mit 2700 Tieren (McCULLOUGH, 1996). In Zoos wird die Unterart nur sehr selten gehalten.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten (alle Unterarten):
REMPFLER, T. (2013)

Literatur (zu allen Unterarten):
CARRERA, R. & BALLARD, W. B. (2003)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
GROVES, C. (2006)
HECK, L. (1970)
KIDJO, N., FERACCI, G., BIDEAU, E., GONZALEZ, G., MATTEI, C., MARCHAND, B. & AULAGNIER, S. (2007)
LUDT, C. J., SCHROEDER, W., ROTTMANN, O. & KUEHN, R. (2004)
McCULLOUGH, D.R., BALLOU, J.D. & Fischer, J.K.. (1996)
MERKER, M. (1995)
NAUMANN C. & NOGGE, G. (1973)
PERELADOVA, O. B. & SEMPERE, A. J. (1999)   
PERELADOVA, O. B. (2013)
PITRA, C., FICKEL, J., MEIJAARD, E. & GROVES P.C. (2004)
PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
RIGHETTI, A. (1986)
SCHALLER, G.B., LIU, W. & WANG, X. (1996)
SCHMIDT, P. (1971)
SCHÜRER, U. (2012)
VON RAESFELDT, F. (1970)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2011)
ZACHOS, F. E. & HARTL, G.B. (2006)

PD - 05.08.2009

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Gelesen 4083 mal Letzte Änderung am Freitag, 11 März 2016 16:52
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