Hirsche

Mesopotamischer Damhirsch

Mesopotamischer Damhirsch während der Brunft im Opel-Zoo Kronberg Mesopotamischer Damhirsch während der Brunft im Opel-Zoo Kronberg
© Thomas Kauffels, Opel-Zoo

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Geweihträger (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)

Zur Gattung Dama gehören zwei Arten (D. mesopotamica und D. dama), die zeitweilig als Unterarten betrachtet wurden. Beide werden in VdZ-Zoos gehalten.

Red list status Endangered

Mesopotamischer Damhirsch

Dama mesopotamica
Engl.: The Persian, or Mesopotamian, Fallow Deer
Franz.: Le daim de Mésopotamie
        
Mesopotamische Damhirschkuh im Tierpark Chemnitz © HW, Tierpark Chemnitz
Mesopotamische Damhirschkuh im Tierpark Chemnitz © HW, Tierpark Chemnitz
Stark gefährdete Tierart (Rote Liste: ENDANGERED) bei sehr kleinem Bestand und nur noch sehr begrenzter Verbreitung..

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

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Verbreitung des Mesopotamischen Damhirschs. Blau autochthone Vorkommen, rot: Wiederansiedlungen
Verbreitung: Iran. Vor 1875 ausgestorben in Irak, Israel, Jordanien, Libanon, Palästina, Syrien, Türkei. Wiederangesiedelt in Israel.

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Mesopotamische Damhirschkuh mit Kalb © Thomas Kauffels, Opel-Zoo Kronberg
Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Chemnitz (Wildgatter), Karlsruhe-Oberwald, Kronberg, München, Stuttgart

Das Internationale Zuchtbuch (ISB) wurde am Tierpark Berlin geführt und ging 2013 auf den Opel-Zoo Kronberg über. Dieser koordiniert nun auch das seit 1989 bestehende Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP).
    
Besonderes: Der Mesopotamische Damhirsch ist etwas größer und kräftiger gebaut als der Europäische Damhirsch. Böcke sollen ein Gewicht von bis zu 200 kg erreichen. Das Geweih ist kürzer als bei der europäischen Form, mit einer weniger breiten Schaufel, die direkt am Rosenstock beginnt. Der Schwanz ist kürzer uns seine Oberseite ist weiß, nicht schwarz (GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009).

Während der letzten Eiszeit war der Mesopotamische Damhirsch in Nordafrika und Vorderasien weit PM opel meso 1
Mesopotamisches Damhirschkalb (Dama mesopota ica) im Opel-Zoo © Thomas Kauffels, Opel-Zoo Kronberg
verbreitet und wird auch in der Bibel erwähnt. Heute gehört er zu den am wenigsten bekannten und seltensten Tieren dieser Größe. Mitte des 20. Jahrhunderts galt er als ausgestorben. Nach Hinweisen auf einige überlebende Tiere unterstützte Georg von OPEL, der Gründer des Opel-Zoos, mehrere Forschungsreisen in den Iran.

1955 wurden zwei kleine Herden im Dez-Wildschutzgebiet und Karkeh-Wildschutzgebiet in Südwest-Iran entdeckt. Durch die Expeditionen gelangten 1958 und 1962 insgesamt drei Tiere in den Opel-Zoo Kronberg. Sie und vier 1978 aus dem Iran nach Israel ausgeführte Tiere stellen weltweit die Grundlage der Zucht dieser außerordentlich seltenen Tierart dar. 1973 gab der Opel-Zoo eines der Ausgangstiere und sechs Nachzuchttiere an den Iran zurück. Weitere im Opel-Zoo geborenen Jungtiere wurden an andere Tierparks abgegeben, in den letzten Jahren sogar bis in den Zoo Jerusalem, der wiederum in Israel in einem großen Wildreservat eine Zuchtgruppe hält. Mittlerweile gibt es in Israel zwei frei lebende Populationen mit insgesamt über 300 Tieren.

Im Iran wurden Tiere in eingezäunten Reservaten oder auf Inseln ausgewildert (Dasht-e-Naz und Semeskandeh Wildreservate in Nord-Iran, Ashk und Kaboudan Inseln im  Uromiyeh-See (Uromiyeh Nationalpark) und ein Gehege im Arjan und Parishan-Schutzgebiet). Ferner gibt es zwei ursprüngliche wilde Populationen mit zusammen weniger als 250 erwachsenen Individuen. Ohne das Eingreifen Georg von OPELS wäre der Mesopotamische Damhirsch mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgestorben. Derzeit existieren in rund 30 Zoologischen Einrichtungen und in Wildreservaten insgesamt über 1000 Tiere.
    
Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
SALTZ, D. (2013)

PD - 26.01.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 6838 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Oktober 2016 13:37
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