Hirsche

Reh

Rehgeiss im Alpenzoo Innsbruck Rehgeiss im Alpenzoo Innsbruck
© Alpenzoo

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Geweihträger (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)

Die Gattung Capreolus umfasst zwei nicht gefährdete Arten. Heute wird nur noch die einheimische Art in VdZ-Zoos gezeigt.

Red list status least concern

Reh

Capreolus capreolus
Engl.: The Roe Deer
Franz.: Le chevreuil
    
Rehkitz im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Rehkitz im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Das europäische Reh hat eine weite Verbreitung und einen grossen Bestand. Es ist nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nicht nach CITES geregelt.

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Approximative Verbreitung des Rehs (Capreolus c. capreolus)
Verbreitung: Westliche Paläarktis: Albanien, Andorra, Armenien, Aserbeidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, FinRehgeiss im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzo
Rehgeiss im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzo
nland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritanien, Iran, Irak, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien ehem. Jug. Rep., Moldawien, Monaco, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Syrien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. Ausgestorben im Libanon und in Palästina, Wiederansiedlungsprogramm in Israel.
    
Haltung in VdZ-Zoos:  Chemnitz (Wildpark Oberrabenstein), Dortmund, Goldau, Innsbruck, Langenberg, Rostock, Schwerin, Tallinn, ferner im deutschsprachigen Raum in über 60 WildparksRehkitz (Capreolus c. capreolus) Im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Rehkitz (Capreolus c. capreolus) Im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Besonderes: Als Kulturfolger ist das Reh sehr anpassungsfähig. Es ist die erfolgreichste wildlebende Huftierart in Europa. Durch seine Anpassungsfähigkeit konnte es trotz der intensivierten Mehrfachnutzung seines Lebensraums durch den Menschen sein Areal ausdehnen und seine Bestandesdichten erhöhen.

In Deutschland war das Reh bis in die Neuzeit hinein eher selten und vermehrte sich erst im 18. Jahrhundert stark. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war es aber in großen Teilen des Reichsgebiets beinahe ausgerottet. Gegen Rehabschüsse in der Schweiz, 1958-2008
Rehabschüsse in der Schweiz, 1958-2008
Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Bestände wieder anzusteigen. Heute liegt die jährliche Jagdstrecke bei 1 bis 1.1 Millionen Tieren und es werden rund 200'000 Stück als Fallwild registriert, was bedeutet, dass es einen Frühjahrsbestand von rund 2.5 Millionen Tieren geben muss.

In Österreich dürfte der RehbestandBriefmarken mit Motiv Reh
Briefmarken mit Motiv Reh
bei etwa 700'000 Stück liegen (REIMOSER, 2005). Im Jagdjahr 2014/15 wurden 272'268 Rehe erlegt, 66'778 wurden als Fallwild registriert, davon waren 37'412 Opfer des Strassenverkehrs (Statistik Austria).

Im Fürstentum Liechtenstein gibt es rund 600-700 Rehe.

In der Schweiz war das Reh im 19. Jahrhundert überall selten oder ganz verschwunden, ausser im Kantion Aargau, der damals als einziger das Revierjagdsystem kannte. Verschiedene Kantone führten deshalb Jagdverbote ein (Bern bereits anno 1787) und im ersten eidgenössischen Jagdgesetz von 1875 wurde die Jagd auf Geißen und Kitze landesweit verboten. Dies führte zu einem raschen Anstieg der Population (KUSTER, 1966). Während der letzten zwanzig Jahre lag Briefmarke Reh2
Briefmarke DDR, 20 Pf.
der geschätzte Frühjahresbestand zwischen 114'000 und 134'000. Im Jahr 2008 wurden in der Schweiz 41'032 Rehe erlegt und 16'459 wurden als Fallwild registriert, davon waren 8'461 Opfer des Strassenverkehrs (Eidg. Jagdstatistik).

Im Zoo gelten Rehe als schwierige Pfleglinge. Die Jugendsterblichkeit ist relativ hoch, wobei allerdings bei Zwillinge gebärenden Huftierarten hohe Jungtierverluste einprogrammiert sind. Sie sind anfällig für Parasitosen und haben hohe Ansprüche an die Fütterung. Die Hauptursache für das Zusammenbrechen blühender Reh zuchten dürfte allerdings die Tatsache sein, dass das Reh eine saisonal solitäre Tierart ist. Rehe bilden zwar im Winterhalbjahr Rudel, während des Sommerhalbjahrs leben sie aber einzeln, paarweise oder in Kleinfamilien. Wenn Rehe in relativ kleinen Gehegen ganzjährig in Gruppen gehalten werden, führt dies zu sozialem Stress, der das Auftreten unterschiedlicher Krankheiten begünstigt und eine erhöhte Mortalität zur Folge hat (DOLLINGER, 1981a). Nach dem Säugetiergutachten 2014 des BMEL könnten auf 2000 m² 20 Rehe gehalten werden. Eine solche Haltung würde aber innerhalb kürzester Zeit das Todesurteil für die meisten Tiere bedeuten.

119-006-009-001 C capreolus Bambi
Walt DISNEY’s „Bambi“ ist kein Rehkitz, sondern ein Weißwedelhirschkalb (Odocoileus virginianus) – hier in Gesellschaft eines Streifernskunks und eines Baumwollschwanzkaninchens
Kulturelle Bedeutung: Durch den Roman "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde" (1923) und dessen Fortsetzung "Bambis Kinder* (1940) des österreichisch-ungarischen Journalisten und Schriftstellers Felix SALTEN (1869-1945) hat das Reh literarischen Weltruhm erlangt. Dies ist namentlich der jüngeren Generation nicht immer bewusst, denn in der Verfilmung des Romans durch Walt DISNEY (1942) wurde das Reh zum Weißwedelhirsch umfunktioniert. Im Angelsächsischen wurde "bambi hugger" im abschätzigen Sinn zum Synonym für Tierschützer,

Christian MORGENSTERN hat auch dem Reh eines seiner Galgenlieder gewidmet, und von Ludwig BECHSTEIN gibt es ein Märchen, in dem ein Rehbock eine Rolle spielt.       

Wappen von Rehhorst
Wappen von Rehhorst

Obwohl das Reh unsere häufigste Schalenwildart ist, sind relativ wenige Ortschaften nach ihm benannt oder führen es im Wappen. In Deutschland: 15345 Rehfelde, 23619 Rehhorst, 31547 Rehberg, 55566 Rehbach, 66907 Rehweiler, 95111 Rehau. In Österreich: Rehgraben und Rehberg. In der Schweiz: Rehetobel.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
WERNER, O. (2004)

Literatur:
DOLLINGER, P. (1981a)
LEHMANN, E. von & SÄGESSER, H. (1986)
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
KUSTER, 1966
MÜRI, H. (1984a)
MÜRI, H. (1984b)
REIMOSER, F. (2005)
    
PD - 12.09.2010; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 4782 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Oktober 2016 14:06
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