Schlangen

Schwimmnattern - Natrix

Ringelnatter (Natrix natrix) im Tiergarten Straubing Ringelnatter (Natrix natrix) im Tiergarten Straubing
Peter Dollinger, VDZ

Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Wassernattern (Natricinae)

Die Gattung Natrix umfasst heute noch vier europäische Arten, von denen eine nur im Kaukasus vorkommt. Die drei einheimischen Arten werden in VdZ-Zoos gezeigt.

Vipernatter (Natrix maura)
Ringelnatter (Natrix natrix)
Würfelnatter (Natrix tessellata)

D LC 650

Vipernatter

Natrix maura
Engl.: The Viperine Snake
Franz.: La couleuvre vipérine   

305-005-173-002 natrix maura juv nuernbg HM
Junge Vipernatter (Natrix maura) im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg
Die Art hat eine relativ weite Verbreitung und ist großen Teilen davon häufig. Trotz zum Teil abnehmender Bestände gilt sie daher nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). In Deutschland und Österreich kommt die Vipernatter nicht vor, in der Schweiz gilt sie als hoch bedroht (CRITICALLY ENDANGERED)

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Die Vipernatter ist nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

305 005 173 002 natrix maura map
Approximative Verbreitung der Vipernatter (Natrix maura)
Verbreitung:
Europa:  Frankreich, Italien, Portugal, Schweiz, Spanien
Nordafrika:  Algerien, Libyen, Marokko, Tunesien

Haltung in VdZ-Zoos: Innsbruck

Besonderes: Mit einer Gesamtlänge von etwas über 80 cm bei den Weibchen und 60 cm bei den Männchen gehört die Vipernatter zu den kleineren einheimischen Schlangen und wird deshalb oft mit der Aspisviper verwechselt. Vipernattern besiedeln warme, steinige und deckungsreiche Lebensräume entlang von fischreichen Steh- oder Fließgewässern, einschließlich künstliche Verbauungen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fischen, denen sie unter Wasser auflauern oder die sie aktiv zwischen Steinen, Wurzeln und Wasserpflanzen suchen. Ende Februar oder anfangs März verlassen die Schlangen ihr Winterquartier. Hautpaarungszeit ist von Mitte März bis Mitte Mai. Im Herbst kann es zu einer zweiten Paarungsphase kommen.Die Weibchen legen im Juni oder Juli im Mittel etwa 13 Eier vorzugsweise in Komposthaufen oder andere feuchtwarme Stellen aus verrottendem Pflanzenmaterial. Sie pflanzen sich aber nicht jedes Jahr fort. Die frischgeschlüpften Jungtiere sind etwa 17 cm lang. (MEYER et al. 2009).

Literatur:
HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001)
MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)

PD/SN - 30.10.2009

D LC 650

Ringelnatter

Natrix natrix
Engl.: The Grass Snake
Franz.: La couleuvre à collier

305-005-173-003 natrix natrix bremerh PD1
Ringelnatter (Natrix natrix) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, VdZ
Die Art hat eine weite Verbreitung und ist global nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). In Deutschland steht die Nördliche Ringelnatter (Natrix natrix natrix) auf der Vorwarnliste, in Österreich gilt sie als potenziell (NEAR THREATENED) und in der Schweiz als stark gefährdet (ENDANGERED), die Barren-Ringelnatter (Natrix natrix helvetica)gilt in Österreich wie der Schweiz  als gefährdet (VULNERABLE)

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Ringelnatter ist nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt, ausgenommen die Unterarten von Korsika, Sardinien und Zypern.

305-005-173-003 natrix natrix bremerh PD2
Ringelnatter (Natrix natrix) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, VdZ
Verbreitung:
Europa (ausser Irland, Schottland und Norskandinavien), Nordwestafrika, Türkei, Kaukasus, gemäßigte Klimazonen Asiens vom Iran bis zum Baikalsee.

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Bern, Bochum, Bremerhaven, Görlitz, Innsbruck, Straubing, Stuttgart

305-005-173-003 natrix natrix BRN PD1
Ringelnatter (Natrix natrix) im Tierpark Bern © Peter Dollinger, VdZ
Besonderes:
Die Ringelnatter ist zwar die häufigste Schlangenart Mitteleuropas, die Bestände haben aber seit Beginn des 20. Jahrhunderts dramatisch abgenommen (HOFER et al., 2001), und heute wird sie in Deutschland auf der der Roten Liste als gefährdet, in mehreren Bundesländern als stark gefährdet, in der Schweiz als stark gefährdet (ENDANGERED) und in Österreich als potenziell gefährdet aufgeführt.

Die Ringelnatter wurde bereits von CONRAD GESNER (1589) beschrieben. In der deutschen Übersetzung von De Sepentibus (Seite 102) liest sich das so:

305-005-173-003 natrix natrix gesner
Titelseite von C. Gesners Schlangenbuch
"Es wirt allhie bey uns ein ander geschlecht der schlangen in wassern gefunden / gar schwartz / so oftermals über den katzensee (Anmerkung: ein Kleinsee bei Zürich) hinüberschwimmen / sind mehrtheils äschenfarb oder braun / kommen zuo einer mächtigen lenge / werden doch nit so dick als bey uns die schwartzen natern oder schlangen. Ihr hals ist mit bleichen macklen als mit einem halsband umgeben / die gehen aber nit gar zusammen. Ire zän sind gar klein und unscheynbar. Ich hab eine gesehen / die was drey spannen unnd vier zwerch finger lang. Der bauch ist gegen der brust weiß / hinab gegen dem weidloch schwartzlecht. Die flecken an den seyten schwartz / der rugken braun oder eschenfarb / der kopff breit und flach / bey uns heißt sie Nater/hecknater oder ringelnater. Im Niderland Schnack. Sie kommen zu zeyten den kuyen an die eüter und saugen dieselben dermassen, dass das bluot hernach geht. Sie söllen auch offtermals dem schlaffenden in mund hineyn schlieffen / aber bey jm / so er den dampff von heisser milch empfacht / nit bleyben."

Literatur:
HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001)
MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)

PD/SN - 30.10.2009

D LC 650

Würfelnatter

Natrix tessellata
Engl.: The Dice Snake
Franz.: La couleuvre tessellée

305-005-173-004 natrix tesselata Straubing WP
Würfelnatter (Natrix tessellata) ) im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter TG Straubing
Die Art hat eine weite Verbreitung und ist global nicht gefährdet, obwohl die Bestände abnehmen (Rote Liste: LEAST CONCERN). In Deutschland kommt die Würfelnatter nur noch in Rheinland-Pfalz vor und gilt hier als vom Aussterben bedroht. In Östereich ist sie stark gefährdet, in den Bundesländern Wien und Steiermark vom Aussterben bedroht. In der Schweiz gilt sie als stark gefährdet (ENDANGERED).

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Würfelnatter fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtline (92/43/EWG).

305-005-173-004 natrix tesselata straubing PD(2)
Würfelnatter (Natrix tessellata) ) im Tiergarten Straubing © Peter Dollinger, VdZ
Verbreitung: Schweiz, Italien Österreich und Slowakei bis Balkan und weiter ostwärts.

Haltung in VdZ-Zoos: Bochum, Innsbruck, Kronberg, Münster, Straubing, Stuttgart, Tallinn, Wien

Besonderes: Mit einer Gesamtlänge von bis zu 117 cm bei den Weibchen und etwa 75 cm bei den Männchen gehört die Würfelnatter zu den mittelgroßen einheimischen Schlangen. Würfelnattern besiedeln warme, steinige und deckungsreiche Lebensräume entlang von fischreichen Steh- oder Fließgewässern, einschliesslich künstliche Verbauungen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fischen, nur ausnahmsweise werden Amphibien gefressen.

305-005-173-004 natrix tessellata bochum PD
Würfelnatter (Natrix tessellata) ) im Tierpark Bochum © Peter Dollinger, VdZ
Vereinzelt im Februar aber regelmäßig im März verlassen die Schlangen ihr Winerquartier. Kurz danach ist die Hauptpaarungszeit. Im Herbst kann es zu einer zweiten Paarungsphase kommen.Die Weibchen legen 4-6 Wochen nach der Frühjahrspaarung etwa bis zu 25 Eier vorzugsweise in Mauerspalten, unter Steinplatten oder feuchtwarme Stellen aus verrottendem Pflanzenmaterial, wie Schilfhaufen. Die Jungen schlüpfen 5-8 Wochen später. Sie sind beim Schlupf etwa 15-20 cm lang. (MEYER et al. 2009)

Literatur:
HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001)
MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)

PD/SN - 30.10.2009

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Gelesen 2602 mal Letzte Änderung am Montag, 07 September 2015 14:16
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