Schaf- und Ziegenartige

Mufflon

Mufflonbock im Tierpark Goldau Mufflonbock im Tierpark Goldau
© Peter Dollinger, VdZ

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Tribus: Ziegenverwandte (Caprini)

Von der Taxonomie der eigentlichen Schafe gibt es soviele Varianten, wie es Autoren gibt. Manche anerkennen nur eine Art, andere zwei (alt- und neuweltliche Schafe), wieder andere bis zu sieben. Das neue Handbook of the Mammals of the World ist völlig unbrauchbar, weil es viele Unterarten zu einem total von 19 "guten" Arten aufwertet. WILSON & REEDER (2005) gehen von fünf Arten aus, ebenso die Rote Liste der IUCN. Drei dieser Arten werden in VdZ-Zoos gehalten. Auch die Nomenklatur ist nicht konsistent: Der in der Roten Liste und bei WILSON & REEDER benutzte Artname "aries" (was die Bezeichnung für das zu dieser Art gehörende Hausschaf ist), heißt bei CITES "orientalis" und bei anderen Autoren "gmelini".

D NB 650

(Europäisches) Mufflon

Ovis orientalis  (=gmelini = aries ) musimon
Engl.: The European Mouflon
Franz.: Le mouflon méditerranéen ou mouflon de Corse

Mufflonaue im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ
Mufflonaue im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ
Das Mufflon wird nicht mehr in der Roten Liste der IUCN geführt, da die Experten heute mehrheitlich der Meinung sind, es handle sich dabei nicht um ein echtes Wildschaf, sondern um ein primitives Hausschaf, das vom Menschen in der Jungsteinzeit - vor etwa 7000 Jahren - nach Sardinien und Korsika verbracht worden und danach verwildert sei. Auch in CITES ist das Mufflon - im Gegensatz zum zyprischen - nicht in den Anhängen aufgeführt.119-009-041-004 ovis musimon map
Verbreitung des Tyrrhenischen Mufflons (Ovis musimon). Blau: autochthone Populationen, rot: approximative Verbreitung wiederangesiedelter Bestände

Andererseits fällt die Art Mufflonlamm im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ
Mufflonlamm im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ
unter Anhang III der Berner Konvention und ist die korsisch-sardinische Mufflonpopulation in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie der Europäischen Union aufgeführt, womit sie einem nationalen Besitz- und Vermarktungsverbot unterliegt.Mufflonbock im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ
Mufflonbock im Tierpark Goldau © Peter Dollinger, VdZ

    
Verbreitung: Korsika und Sardinien. Eingeführt in vielen europäischen Ländern sowie in Nord- und Südamerika (Argentinien, Chile) und einigen pazifischen (Hawaii) Inseln sowie den Kerguelen des Indischen Ozeans. Die größten Populationen finden sich in Frankreich, Deutschland, Österreich, der Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien und Bulgarien. In der Schweiz nur marginales Vorkommen im Unterwallis.

Haltung in VdZ-Zoos: Basel, Berlin-Tierpark, Chemnitz (Wildgatter), Goldau, Kronberg, Neumünster, Schwerin, Ueckermünde.
Das Mufflon wird in VdZ-Zoos nicht sehr oft gehalten, weil es in Tier- und Wildparks gut vertreten ist (in deutsche Parks gegen 180 Haltungen).
    
Besonderes: 1902 wurden im schlesischen Eulengebirge, einem Randgebirge der Sudeten, die ersten Mufflons ausgesetzt. 1903/04 wurden 17 Tiere in ein Gehege in der Lüneburger Heide (Forstamt Göhrde, damals Preußen) verbracht, das 1907 aufgelassen wurde. 1906 gingen sechs Mufflons aus den Zoos von Basel, Dresden und Leipzig an ein Auswilderungsprojekt im Harz (Harzgerode), denen später noch weitere Tiere aus Zoos folgten (ULOTH, 1979). Mitte der 1930er Jahre wurden die ersten Mufflons in Bayern ausgewildert,  1953 in Baden-Württemberg. Auch in andern Bundesländern kam es zu Ansiedlungen. Bezüglich der heutigen Situation in von Deutschland teilen verschiedene Naturschutzorganisationen (NABU, BUND) einen Gesamtbestand von 8'000 Tieren mit. Tatsächlich sind es rund 20'000 Mufflons in etwa 120 Teilpopulationen  und die Jagdstrecke im Jahr 2014/15 belief sich auf 8'005 Tiere (DJV).

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Mufflonlamm (Ovis o. musimon) im Opel-Zoo Kronberg © Opel-Zoo
In Österreich führte Prinz Eugen von Savoyen um 1730 Mufflons aus Korsika für seine Menagerie beim Schloss Belvedère ein. Nachzuchttiere wurden 1752 an das kaiserliche Jagdrevier Lainzer Tiergarten abgegeben. Ferner wurden 1840 19 Mufflons direkt aus Korsika und Sardinien in den Lainzer Tiergarten* importiert.
            
In der Folge wurde Muffelwild aus Lainz in andere Gatter gebracht . Es wurden auch Muffel-Hausschaf-Bastarde nach Lainz eingeführt. Diese wurden aber in einem separaten Gatter gehalten und sollen vom Erzherzog Franz-Ferdinand fast zur Gänze abgeschossen worden sein und der Rest sei dem Personal zum Abschuss überlassen worden (TSCHIDERER, 1974, ULOTH, 1979). Aussetzungen in die freie Wildbahn erfolgten ab Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute werden in Österreich jährlich etwas über 2000 Stück erlegt (in allen Bundesländern außer Vorarlberg).

stamp musimon ddr
Briefmarke mit Mufflon-Motiv. DDR
In der Schweiz wurden 1916 Mufflons aus dem Wildpark Peter und Paul am Tössstock ausgesetzt. Die Population gedieh anfänglich gut, kam aber längerfristig mit dem schnee- und regenreichen Lebensraum nicht zurecht und erlosch 1938 (KUSTER, 1966). In den 70er-Jahren wanderten Mufflons aus Savoyen ins Unterwallis ein und bilden heute zwei Kolonien im Gebiet von Champéry bzw. Morgins-Torgon mit insgesamt rund 200 Tieren. Wie in Deutschland und Österreich, ist das Mufflon in der Schweiz jagdbar. Bis auf gelegentliche Hegeabschüsse  werden die Tiere aber gegenwärtig nicht bejagt  (HAUSSER, 1995; Eidg. Jagdstatistik).

* Unter Kaiser Josef II. erhielt der Lainzer Tiergarten im Wesentlichen seine heutige Ausdehnung von etwa 2500 ha. Die etwa 21 Kilometer lange Tiergartenmauer wurde 1782 bis 1787 vom Maurermeister Philipp SCHLUCKER errichtet. Dieser war mit seinem Preisangebot so günstig, dass die Wiener Bevölkerung befürchtete er werde verarmen, was dann aber nicht der Fall war. Trotzdem ist der Begriff "armer Schlucker" (für den es aber noch andere Erklärungen gibt) bis heute geläufig.

Briefmarke DDR Wildschaf
DDR-Briefmarke Tierpark Berlin, Wildschafe
Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
HEMPEL, E. (2008)

Literatur und Internetquellen:
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HAUSSER, J. et al. (Hrsg., 1995)
KUSTER, A. (1966)
TSCHIDERER, K. (1974)
ULOTH, W. (1979)

WALDWISSEN  
Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg

PD/SN - 11.08.2009; mehrfach aktualisiert

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