Hasenartige

Schneehase

Alpenschneehase im Sommerkleid im Alpenzoo Innsbruck Alpenschneehase im Sommerkleid im Alpenzoo Innsbruck
© Alpenzoo

Ordnung: Hasentiere (Lagomorpha)
Familie: Hasenartige (Leporidae)

Die Familie der Hasenartigen umfasst 11 Gattungen mit insgesamt 61 Arten, davon gehören allein 32 Arten zur Gattung Lepus (WILSON & REEDER, 2005). Von dieser werden nur die beiden einheimischen Arten in  VdZ-Zoos gehalten.

D LC 650

Schneehase

Lepus timidus
Engl.: The Mountain Hare
Franz.: Le lièvre variable
        
Schneehasen im Winterkleid bzw. Fellwechsel © Zoo am Meer, Bremerhaven
Schneehasen im Winterkleid bzw. Fellwechsel © Zoo am Meer, Bremerhaven
Der Schneehase ist gegenwärtig nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Die Klimaerwärmung wird aber zu einer Einschränkung des Lebensraums führen, die namentlich für den Alpenschneehasen problematisch werden dürfte. Wegen seiner Anpassung an den arktischen bzw. hochalpinen Lebensraum und als Botschafter für Klimaschutz ist der Schneehase zoopädagogisch sehr interessamt.

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Approximative Verbreitung des Schneehasen (Lepus timidus). Dunkelgrün: Alpenschneehase (Lepus t. varronis); dunkelblau: übrige Unterarten; rot: eingeführte Populationen
Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention und Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU.

Verbreitung: NordeuropaSchneehase im Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Schneehase im Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
, Nordasien und nördliches Nordamerika. Ferner im Alpenraum (Lepus timidus varronis): Deutschland (Bayern), Frankreich, Italien, Liechtenstein, Östereich, Schweiz (Alpen und Voralpen, fehlt im Jura), 109-002-002-023 lepus timidus jagdstatistik
Schneehasenabschuss 1963-2012, oben Kanton Tessin, unten Kanton Graubünden. Im Tessin wurde bis in die 1980er Jahre eine nicht-nachhaltige Jagd betrieben, die auf dem Abschuss ausgesetzter Tiere beruhte,
Slowenien.
            
Haltung in VdZ-Zoos: Bern, Bremerhaven,  Goldau, Salzburg

Wie Schneehasen gehalten werden (Beispiel): Bartgeiervoliere im Natur- und Tierpark Goldau

Besonderes: Größe und Gewicht des Schneehasen sind regional unterschiedlich. Die Kopf-Rumpflänge variiert von etwa 48-70 cm, das Gewicht von 1.8-5.5 kg. Der Schneehase ist hervorragend an seinen Lebensraum angepasst. Wie bei vielen Tieren, die in kalten Gebieten leben, sind auch bei den Schneehasen die Extremitäten kürzer als bei ihren in wärmeren Gegenden lebenden Verwandten. Neben den kürzeren Ohren fallen auch die im Vergleich zum Feldhasen kürzeren Briefmarke Schneehase
Schneehasenmotiv auf Briefmarke. Schweiz
Beine auf. Die Füße sind groß und ihre Sohlen behaart. Dadurch ist die Auflagefläche vergrößert, was die Fortbewegung im Schnee erleichtert (GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009; HAUSSER et al. 1995).

Das Fell wechselt im Jahresverlauf dreimal: im Herbst wird es weiß, im Frühjahr graubraun und im Sommer braun. Im Frühjahrs- und Sommerfell ist die Unterseite weiß. Der Schwanz ist einheitlich gefärbt, hat also keine schwarze Oberseite wie beim Feldhasen. Die Zusammensetzung der weitestgehend pflanzlichen Nahrung variiert im Jahresverlauf: im Sommer äst der Schneehase die alpinen Rasen ab und nagt Zwergsträucher an, besonders Heidelbeeren (Vaccinium spp.). Im Winter ist eine Zunahme des Strauch- und Baumrindenanteils festzustellen (HAUSSER et al. 1995).

Nach einer Tragzeit von 44-55 Tagen werden 1-3 mal im Jahr 2-6 Junge geboren. Diese werden 3 Wochen lang gesäugt (GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009).

In der Schweiz wurden während der Periode 2005-2015 jährlich zwischen 1181 und 1680 Schneehasen erlegt, die allermeisten in Graubünden (EIDG. JAGDSTATISTIK). In Österreich differenziert die Jagdstatistik nicht zwischen Feld- und Schneehasen. Die Zahl der Schneehasen, die in den vier Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Oberösterreich erlegt werden, ist jedoch unerheblich. In der Autonomen Provinz Bozen betrug im Jagdjahr 2015 der Schneehasenabschuss 438 Stück. In Liechtenstein ist der Schneehase jagdbar, die Jäger verzichten jedoch in der Regel freiwillig auf den Abschuss. In Deutschland unterliegt der Schneehase dem Jagdrecht, ist jedoch in Bayern ganzjährig geschont.

Wegen seines auffälligen saisonalen Wechsels der Fellfarbe und zur Illustration der ökogeografischen Proportionsregel (Regel von J. A. Allen: bei gleichwarmen Tieren einer Art und Arten eines Verwandtschaftskreises ist die relative Länge der Beine, Schwänze, Ohren und Schnauze in kälteren Regionen geringer als in wärmeren Gebieten. Beispiel: Schneehase - Feldhase - Kalifornischer Eselhase) ist der Schneehase von großem zoopädagogischem Interesse. Ferner ist er ein guter Aufhänger um Fragen der globalen Erwärmung zu diskutieren.

Literatur:
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)  
HAUSSER, J. et al. (1995)

PD - 06.09.2008; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 4134 mal Letzte Änderung am Freitag, 30 September 2016 11:55
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