Hörnchen

Eichhörnchen

Eichhörnchen, wild, im Zoo Basel Eichhörnchen, wild, im Zoo Basel
© Peter Dollinger, VdZ

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Baumhörnchen (Sciurinae)

20 Gattungen bilden die Familie der Eichhörnchen (Sciurinae), darunter die Gattung Sciurus mit 26 Arten (WILSON & REEDER, 2005), von denen drei in VdZ-Zoos gehalten werden.

D LC 650

Eichhörnchen

Sciurus vulgaris
Engl.: The Red Squirrel
Franz.: L'écureuil roux
    
Eichhörnchen, wild, im Zoo Augsburg Rote Farbphase im Sommerkleid © Peter Dollinger, VdZ
Eichhörnchen, wild, im Zoo Augsburg Rote Farbphase im Sommerkleid © Peter Dollinger, VdZ
Das Eichhörnchen hat eine weite Verbreitung und ist gebietsweise häufig. Obwohl der Weltbestand abnimmt, ist es nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

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Approximative Verbreitung des Eichhörnchens (Sciurus vulgaris). Dunkelblau autochthone, rot eingeführte Populationen
Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Eichhörnchen, wild, im Tierpark Goldau. Dunkle Farbphase © Peter Dollinger, VdZ
Eichhörnchen, wild, im Tierpark Goldau. Dunkle Farbphase © Peter Dollinger, VdZ
In Deutschland ist das Eichhörnchen eine besonders geschützte Tierart nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). In der Schweiz ist es eine nach Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG) geschützte Art.
        
Verbreitung: Waldgebiete Eurasiens von den Britischen Inseln und Iberien bis nach Ostsibirien, Korea und Japan (Hokkaido). Die Art fehlt im größten Teil von England und Wales, ebenso Portugals, sowie den Mittelmeerinseln und der Peloponnes. In der Türkei ist sie auf den europäischen Teil beschränkt (DO LINH SAN, 2010; GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009).

Innerhalb des weitSibrisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris exalbidus) im Zoo am Meer, Bremerhaven © HK, Zoo am Meer
Sibrisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris exalbidus) im Zoo am Meer, Bremerhaven © HK, Zoo am Meer
en Artareals werden gegenwärtig 23 Unterarten (WILSON & REEDER, 2005)  unterschieden. Deren Status ist jedoch nicht immer eindeutig. Elf davon sind in Europa bis zum Ural verbreitet. Die im deutschen Sprachraum vorkommenden Eichhörnchen werden als Sciurus vulgaris fuscoater bezeichnet, das im Pelzhandel als "Feh" bekannte Sibirische Eichhörnchen als Sciurus vulgaris exalbidus (Synonyme: S. v. argenteus, S. v. kalbinensis).
        
Haltung in VdZ-Zoos: Mitteleuropäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris fuscoater): keine: Sibirisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris exalbidus): Bremerhaven.

Einheimische Eichhörnchen werden in VdZ-Zoos nur ausnahmsweise gehalten, aber viele Zoos bieten Lebensraum für wilde Eichhörnchen, die dann dem Menschen gegenüber relativ vertraut werden. Bisweilen kommen die Zoos auch in die Lage, aufgefundene, junge Eichkätzchen zur vorübergehenden Pflege zu übernehmen, bis diese selbständig sind, was mit etwa 3-4 Monaten der Fall ist.

VEichhörnchen (Sciurus vulgaris) aus Conrad Gesners Thierbuch - "Der Aychhorn ist etwas dicker dann das Wiselein / doch nicht länger..."
Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) aus Conrad Gesners Thierbuch - "Der Aychhorn ist etwas dicker dann das Wiselein / doch nicht länger..."
Besonderes: Eichhörnchen haben eine Kopf-Rumpflänge von 18-28 cm, der Schwanz misst 13-20.5 cm und das Gewicht liegt zwischen 200 und 480 Gramm. In Europa ist das Eichhörnchen der einzige natürlich vorkommende Vertreter der Gattung Sciurus. Es bewohnt Laub-, Nadel- und Mischwälder, städtische Parks, Zoos und baumreiche Gärten der Vorstädte. Es kommt in den Bergen bis zur Baumgrenze vor. Die Dichte beträgt normalerweise weniger als ein Tier pro Hektar, in geeigneten Laub- / Mischwäldern kann sie bis zu 1.6 Individuen / Hektar betragen.

Eichhörnchenmotiv auf Briefmarke
Eichhörnchenmotiv auf Pro Juventute-Briefmarke der Schweiz
Die Ansiedlung des Amerikanischen Grauhörnchens (Sciurus carolinensis) in England, Irland und Italien hat in diesen Ländern zu einem dramatischen Rückgang des einheimischen Eichhörnchens geführt. Grauhörnchen konkurrieren mit der heimischen Art hauptsächlich um Nahrung, wobei sie in Laubwäldern deutlich überlegen sind. Darüber hinaus können sie Träger eines für das Eichhörnchen tödlichen Pockenvirus sein, gegen das sie selbst resistent sind.    
        
In Italien erfolgten zwischen 19Eichhörnchenmotiv auf Briefmarke
Eichhörnchenmotiv auf Briefmarke der DDR
48 und 1994 vier Ansiedlungen, wobei eine davon scheiterte. Heute gibt es drei Populationen, die größte im Piemont südwestlch von Turin bis in die Provinz Cuneo, die zweite in Ligurien im Stadtgebiet von Genua-Nervi und die dritte entlang des Tessin-Flusses in der Lombardei. 1997 wurde in Turin ein Versuch unternommen, die Grauhörnchen zu eliminieren. Dieser wurde aber aufgrund eines gerichtlichen Streits mit Tierschützern eingestellt. Zwar wurden die eingeklagten Beamten 1999 vom Gericht freigesprochen, wobei das Urteil im Jahr 2000 vom Berufungsgericht bestätigt wurde, aber den Behörden ist seitdem die Lust vergangen, etwas gegen die invasive Art zu unternehmen.

In geeigneten Wäldern erreichen Grauhörnchen eine Dichte von bis zu 18 Tieren pro Hektar. Nach Computermodellen dürfte sich das Grauhörnchen in den nächsten 20-30 Jahren von Oberitalien aus nach Frankreich und der Schweiz ausbreiten und dort die heimische Art großflächig zum Verschwinden bringen (BERTOLINO, 2009; LURZ, 2011).

Kulturelle Bedeutung: Bei den alten Germanen war das "Ratatoskr" (=Bohrzahn) genannte Eichhörnchen "ikorni" (wie heute noch auf Isländisch)  wegen seiner roten Farbe dem Gott Donar heilig. Am Weltenbaum, der Esche Yggdrasil, lief es unaufhörlich auf und ab ("renn upp ok niðr eftir askinum") und zu den Festen des Frühlings und zur Wintersonnenwende wurden Eichhörnchen geopfert (FREYE, 1970; Snorri STURLUSON, Prosa-Edda: Gylfaginning, Kapitel 16).

Literatur:
BERTOLINO, S. (2009)
DO LINH SAN, E. (2010)  
FREYE, H.-A. (1970)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
LURZ, P. (2011)

PD - 15.07.2009; mehrfach aktualisiert

EUR-04-01 Laubwald schweiz eichhorn pd
Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) im natürlichen Lebensraum. Elfenau, Kt. Bern, ca. 510 m.ü.M. © Peter Dollinger, VdZ

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