Eulen und Schleiereulen

Steinkauz

Steinkauz (Athene noctua) im Zoo Heidelberg Steinkauz (Athene noctua) im Zoo Heidelberg
Zoo Heidelberg

Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Echte Eulen (Strigidae)
Unterfamilie: Kleine Eulen und Käuze (Surniinae)
Tribus: Kleineulen (Surniini)

Mit Blewittkauz und Kanincheneule, die oft als eigene Gattungen angesehen werden, zählt die Gattung Athene vier Arten. Der Blewittkauz ist unmitteklbar von der Ausrottung bedroht, die übrigen sind nicht gefährdet. In VdZ-Zoos werden zwei Arten gezeigt, darunter der heimische Steinkauz.

D LC 650

Steinkauz

Athene noctua
Engl.: The Little Owl
Franz.: La chouette chevêche

220-002-003-004 athene noctua
Steinkauz (Athene noctua) im Zoo Dortmund
Global gesehen ist der Steinkauz nicht gefährdet, da er ein riesiges Verbreitungsgebiet hat (Rote Liste: LEAST CONCERN). In einzelnen Regionen, so in Mitteleuropa, hat er aber einen großen Teil seines Lebensraums verloren und ist dort selten geworden. In Deutschland und der Schweiz gilt der Steinkauz als stark gefährdet, in Österreich als vom Aussterben bedroht.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.220-002-003-004 athene noctua nordhorn HWeber
Junger Steinkauz (Athene noctua) im Tierpark Nordhorn © Heike Weber, Nordhorn

Verbreitung: Europa (ohne Skandinavien), nördliches Afrika, naher Osten und Zentralasien

Haltung in VdZ-Zoos: Aachen, Berlin-Tierpark, Bern, Dortmund, Goldau, Hoyerswerda, Kronberg, Leipzig, Stralsund, Tallinn, Walsrode 

220 002 003 004 athene noctua TPB KR
Steinkauz (Athene noctua) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin
Besonderes: Der Steinkauz hat eine Gesamtlänge von 21-23 cm und eine Flügelpannweite von 54-58 cm. Er wiegt 140-200 Gramm. Er ernährt sich von Insekten, Würmern, Kleinsäugern und Reptilien. Als Brutorte benutzt er Baum- und ander Höhlen und brütet auch in Gebäuden (VWS).

220 002 003 004 athene noctua KRO ad
Steinkauz (Athene noctua) im Opel-Zoo Krongerg © Opel-Zoo
Ein Steinkauzpaar benötigt ein Revier, das je nach Lebensraumqualität zwischen 10 und 50 ha groß ist. Dieses muss einer gewissen Vielfalt an Flächen, Bodenbedeckungen und Übergangsbereichen aufweisen. Bevorzugt werden Reviere mit einem hohen Anteil an extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden, alten Bäumen, Schlafnischen und Sitzgelegenheiten wie Viehzäunen, Bauten, diversen Pfosten etc., die sich nicht in unmittelbarer Waldrandnähe befinden. Zur Förderung der Art sollten solche Strukturen erhalten werden. Wichtig ist auch, dass sich andere Steinkauzreviere in der näheren Umgebung befinden. Wo sich Steinkäuze angesiedelt haben, sollte kein Gift zur Bekämpfung von Nagern eingesetzt werden. Dank gezielten Fördermaßnahmen können sich kleine Bestände relativ rasch wieder erholen. In der Schweiz z.B. hat sich dank eines Aktionsplans der Bestand innerhalb von 15 Jahren verdoppelt.

Im alten Griechenland symbolisierte der Steinkauz die Klugheit und war der Göttin Athene heilig. Die Silberdrachmen der Stadtrepublik Athen zeigten auf der einen 220-002-003-004 athene noctua Münze
Rückseite der griechischen 1-EURO-Münze mit Steinkauz
Seite den Kopf der Göttin Athene und auf der anderen einen Steinkauz und einen Ölzweig. Dass Athen sehr reich war, bot wohl den Anlass für die sprichwörtlich gewordene Redewendung des ARISTOPHANES "Eulen (d.h. Drachmen) nach Athen tragen" für eine unsinnige, überflüssige Tätigkeit. Heute ziert der Steinkauz die Rückseite der griechischen EURO-Münze. Im Gegensatz zum Athen der Antike hat es das moderne, hoch verschuldete Griechenland aber sehr wohl nötig, dass man "Eulen nach Athen trägt" ....

Artenschutzprojekte: Der Tierpark Bern lieferte von 1982-1986 insgesamt 92 selbstgezüchtete  oder von privaten Züchtern stammende Steinkäuze zwecks Bestandesstützung im Seeland an die 220-002-003-004 athene noctua Drachme
Attische Drachme, ca. 479 v. Chr.
Jagdverwaltungen der Kantone Bern und Freiburg. Das Projekt erwies sich als Fehlschlag. Ab 1987 wurden 30 weitere Vögel dem Kanton Tessin zur Verfügung gestellt: Dort besteht heute noch eine Population. Inwieweit die angesiedelten Vögel dazu beigetragen haben, ist nicht bekannt. (DOLLINGER & GESER, 2005).

Literatur und Internetquellen:
BURTON, J. A. (1984)
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
DOLLINGER, P. & GESER, S. (2005)
ECK, S. & BUSSE, H. (1973)
MAUMARY, L. et al. (2007)
STEINBACH, G. (1980)

AKTIONSPLAN STEINKAUZ - SVS Rundbrief 21 
VOGELWARTE SEMPACH

PD/SN - 26.08.2011; mehrfach aktualisiert

Zurück zu Vögel III - Papageien bis Spechte

Weiter zu  Kanincheneule (A. = Speotyto cunicularia)

 

Gelesen 1735 mal Letzte Änderung am Montag, 14 März 2016 13:58
© Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. hyperworx