Stachelschweine und Baumstachler

Weissschwanz-Stachelschwein

Weißschwanzstachelschwein (Hystrix indica) im Zoo Heidelberg Weißschwanzstachelschwein (Hystrix indica) im Zoo Heidelberg
© Peter Dollinger, VdZ

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Stachelschweine (Hystricidae)

Die Vertreter der Gattung Hystrix im engeren Sinne gehören zu den Standardtieren in Zoologischen Gärten, wobei die genaue Artbestimmung bisweilen Mühe macht (RUDLOFF, 2011). Von den drei Arten werden zwei in VdZ-Zoos gehalten.

D LC 650

Weißschwanzstachelschwein

Hystrix indica (Synonym: Hystrix leucura)
Engl.: The Indian Porcupine
Franz: Le porc-épic indien
    
Wie pflanzen sich Stachelschweine fort? - Sehr vorsichtig. Sich paarende Weißschwanzstachelschweine im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, VdZ
Wie pflanzen sich Stachelschweine fort? - Sehr vorsichtig. Sich paarende Weißschwanzstachelschweine im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, VdZ
Die Art ist weitverbreitet und nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Wegen der Umwandlung des Haarkleids in ein Stachelkleid ist das Stachelschwein von besonderem zoopädagogischem Interesse.

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Approximative Verbreitung des Weißschwanzstachelschweins (Hystrix indica
Der internationaler Handel ist durch CITES nicht geregelt,

Verbreitung: Osteuropa und Asien : Armenien, Aserbeidschan, Georgien, Türkei. Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, China, Indien, Iran, Irak, Israel, Kasachstan, Libanon, Nepal, Palästina, Pakistan, Saudi Arabien, Sri 110-017-002-006 hystrix indica tallinn
Weissschwanzstachelschwein (Hystrix indica)im Zoo Tallinn © Maaja Kitsing / Inari Leiman, Tallinn
Lanka, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan.

Haltung in VdZ-Zoos: Aachen, Berlin-Tierpark, Chemnitz, Cottbus, Darmstadt, Dortmund, Duisburg, Eberswalde, Erfurt, Gelsenkirchen, Görlitz, Gossau, Hamburg, Hamm, Heidelberg, Herberstein, Hoyerswerda, Krefeld, Kronberg, Magdeburg, München, Münster, Neumünster, Neunkirchen, Neuwied, Nordhorn, Osnabrück, Saarbrücken, Schwerin, Stralsund, Tallinn, Ueckermünde, Wingst    
        
Besonderes: Ihr Stachelkleid macht Stachelschweine zu einer wenig einladenden Beute für Großkatzen oder große Greifvögel. Sie erscheinen dadurch wesentlich wuchtiger als sie in Wirklichkeit sind. Die Wirkung wird durch ein typisches Abwehrverhalten noch gesteigert: Bei Beunruhigung sträuben die Tiere die Stacheln und erscheinen dadurch plötzlich doppelt so groß. Hält die Bedrohung an, rasseln sie mit dem Schwanz. Nähert sich der Feind dennoch, kehrt das Stachelschwein ihm das Hinterteil zu und rammt ihm seine Stacheln in den Körper. Eingedrungene Stacheln gehen am Stachelschweinrücken leicht aus.

Im Gegensatz zu Hystrix cristata und Hystrix africaeaustralis, die eine teilweise weiße Nackenmähne haben, ist diese beim Weißschwanzstachelschwein schwarz.

Kulturelle Bedeutung: Der deutsche Dichter Christian MORGENSTERN (1871-1914) hat dem Stachelschwein in seinen erstmals 1905 von Bruno CASSIRER verlegten "Galgenliedern" (1952) ein skurriles literarisches Denkmal gesetzt:

DIE HYSTRIX

Das hinterindische Stachelschwein
(Hystrix grotei Gray),
das hinterindische Stachelschwein
aus Siam, das tut weh.

Entdeckst du wo im Walde drauss
bei Siam seine Spur,
dann tritt es manchmal, sagt man, aus
den Schranken der Natur.

Dann gibt sein Zorn im so Gewalt,
dass. eh du es versiehst,
es seine Stacheln jung und alt
auf deinen Leib verschiesst.

Von oben bis hinab sodann
stehst du gespickt am Baum,
ein heiliger Sebastian,
und traust den Augen kaum.

Die Hystrix aber geht hinweg,
an Leib und Seele wüst.
Sie sitzt im Dschungel im Versteck
und büsst.

Richtig heißt das Hinterindische Stachelschwein übrigens Hystrix brachyura LINNAEUS, 1758.

Literatur:
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
MOHR, E. (1965)
RUDLOFF, K. (2011)

PD - 28.01.2009; mehrfach aktualisiert

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