Eigentliche Tauben

Dolchstichtauben - Gallicolumba

Bartlett-Dolchstichtaube (Gallicolumba criniger) in der Wilhelma Stuttgart Bartlett-Dolchstichtaube (Gallicolumba criniger) in der Wilhelma Stuttgart
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Unterfamilie: Eigentliche Tauben (Columbinae)

Von ursprünglich 20 Dolchstichtauben-Arten werden heute nur noch sieben der Gattung Gallicolumba zugerechnet. 13 wurden aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen als Gattung Alopecoenas abgetrennt (DEL HOYO et al. 2014). Von den sieben sind zwei nicht gefährdet, eine potenziell gefährdet, zwei gefährdet und drei unmittelbar vom Aussterben bedroht. In VdZ-Zoos werden vier Arten gezeigt:

D VU 650

Bartlett-Dolchstichtaube

Gallicolumba crinigera
Engl.: The Mindanao Bleeding-heart Pigeon
Franz.: La gallicolombe de Bartlett

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Bartlett-Dolchstichtaube (Gallicolumba crinigera) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Da ihr Lebensraum, Regenwälder im Tiefland, fast vollständig für die Holzgewinnung und Minen gerodet wurden, ist anzunehmen, dass auch die Bestände stark darunter gelitten haben und zurückgehen. Diese waren schon vorher eher klein und fragmentiert. Da keine Besserung in Sicht ist und der Bestandesrückgang wohl anhalten wird, wird diese Art als gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE).

Der internationaler Handel ist nach CITES nicht geregelt.

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Verbreitung der Bartlett-Dolchstichtaube (Gallicolumba crinigera)
Verbreitung: Auf mehreren Inseln der Philippinen (Mindanao, Leyte, Samar, Basilan)

Haltung in VdZ-Zoos: Basel, Berlin-Zoo, Chemnitz, Frankfurt, Karlsruhe, Köln, Marlow, Rostock, Stuttgart, Walsrode

Besonderes: Die Bartlett-Dolchstichtaube ist etwas größer als die in Tiergärten häufiger gehaltene Luzon-Dolchstichtaube und hat wie diese einen dunkelroten Fleck im Kropfbereich. Sie wurde 1863 erstmals nach Europa eingeführt, in den Londoner Zoo, und dort ein Jahr später auch erstmals gezüchtet.  Das Gelege besteht aus einem Ei, die Brut dauert 17 Tage, die Nestlingszeit 14-20 Tage. Mit etwa drei Monaten erscheint der rote Brustfleck und spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte der Jungvogel von den Eltern getrennt werden (RAETHEL, 1980).

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Bartlett-Dolchstichtauben-Paar (Gallicolumba crinigera) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin
Taxonomie und Nomenklatur: Die Art war 1853 vom französischen Ornithologen Jacques PUCHERAN als "Pampusanna criniger" beschrieben worden. Bis vor einigen Jahren wurde sie Gallicolumba criniger (nicht crinigera) genannt.

Literatur und Internetquellen:
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997)
DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
RAETHEL, H.-S. (1980)  
WISSEL, C. von, STEFANI, M. & RAETHEL, H.-S. (1966)

AVIBASE

PD/SN - 11.06.2012

D NT 650

Luzon-Dolchstichtaube

Gallicolumba luzonica
Engl.: The Luzon Bleeding-heart Pigeon
Franz.: La gallicolombe poignardée

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Dolchstichtaube (Gallicolumba luzonica) im Zoo Augsburg © P. Bretschneider, Augsburg
Es gibt keine verläßlichen Bestandeszahlen aus freier Wildbahn. Die Art gilt jedoch als potenziell gefährdet (Rote Liste: NEAR THREATENED).

Der internationaler Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

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Verbreitung der Luzon-Dolchstichtaube (Gallicolumba luzonica)
Verbreitung: Philippinen (Luzon)

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Berlin-Zoo, Leipzig, Münster, Teneriffa-Puerto-de-la-Cruz, Walsrode, Wien-Schönbrunn

Europäisches Zuchtbuch (ESB) seit 1994, geführt durch Zoo Bristol.

Besonderes: Namengebend für die Dolchstichtauben ist ein blutroter Fleck aus steifen Federn mitten auf der Brust, der an den Rändern verblasst und so den Eindruck einer blutenden Stichwunde erzeugt. Die etwa 150-200 g schwere Luzon-Dolchstichtaube lebt in hohen Wäldern, wo sie am Boden nach Sämereien, Beeren und Insekten sucht. Das Nest wird in geringer Höhe in Büschen oder Schlingpflanzen gebaut. Es werden zwei Eier gelegt, die 17 Tage bebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest nach 12-14 Tagen. Während der Brut können die Dolchstichtaiben gegenüber Artgenossen sehr aggressiv sein.

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Luzon-Dolchstichtaube (Gallicolumba luzonica) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin
Eingeführt wurde die Art erstmals 1869 in den Londoner Zoo und gezüchtet erstmals 1871 in Frankreich (RAETHEL, 1980).

Taxonomie und Nomenklatur: Die Art war auf der Grundlage von Material, das von Pierre SONNERAT gesammelt worden war, 1786 vom italienischen Arzt und Naturforscher Giovanni Antonio SCOPOLI als Columba luzonica beschrieben worden. Es werden drei Unterarten anerkannt (DEL HOYO et al., 2014).

Literatur:
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997)
RAETHEL, H.-S. (1980)

WISSEL, C. von, STEFANI, M. & RAETHEL, H.-S. (1966)

PD/SN - 02.02.2010

D LC 650

Goldbrust-Erdtaube

Gallicolumba rufigula
Engl.: The Cinnamon Ground-dove
Franz.: La gallicolombe à poitrine d'or

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Goldbrust-Erdtaube (Gallicolumba rufigula) im Weltvogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin
Die Art hat eine weite Verbreitung. Der Bestand ist nicht bekannt, aber es wird davon ausgegangen, dass er in etwa stabil ist. Daher wird diese Art nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN).

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Approximative Verbreitung der Goldbrust-Erdtaube (Gallicolumba rufigula)
Der internationaler Handel ist nach CITES nicht geregelt.

Verbreitung: Indonesien (West-Papua, Misool, Salawati, Waigeu sowie Aru-Inseln), Papua-Neuguinea

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Leipzig, Teneriffa-Puerto-de-la-Cruz, Walsrode

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Goldbrust-Erdtaube (Gallicolumba rufigula) im Zoo Leipzig © Klaus Rudloff, Berlin
Besonderes: Namensgebend für die Art ist der große, goldgelbe Fleck aus steifen Federn auf der Brust.  Die nur 22-24 cm lange und 121-131 g schwere Goldbrust-Erdtaube bewohnt primäre Regen- und Monsunwälder von Seehöhe bis auf etwa 1000 m oder (nach RAETHEL, 1980) 1600 m. Die Vögel  bauen ihre Nester 1-2 m über dem Boden in Büschen oder in Blattrosetten des Nestfarns. Das Gelege besteht aus einem cremeweißem Ei, das in 18 bis 19 Tagen ausgebrütet wird. Das Küken wird mit 19 bis 20 Tagen flügge (DEL HOYO et al. 1997). Die Erstzucht in Menschenobhut gelang 1936 einem Privatzüchter in England.  (RAETHEL, 1980).

Taxonomie und Nomenklatur: Die Art wurde ursprünglich als Peristera rufigula beschrieben, ist aber sehr eng mit G. crinigera und G. luzonica verwandt. Es werden fünf Unterarten unterschieden (DEL HOYO et al., 2014).

Literatur und Internetquellen:
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997)
DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
RAETHEL, H.-S. (1980) 

PD - 01.08.2016

D LC 650

Celebes-Erdtaube

Gallicolumba tristigmata
Engl.: The Sulawesi Ground-dove
Franz.: La gallicolombe tristigmate

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Celebes-Erdtaube (Gallicolumba tristigmata) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin
Das effektive Areal ist vermutlich nicht sehr groß und die Bestandesgröße ist nicht bekannt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass der Bestand in etwa stabil ist. Dager wird diese Art nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste:LEAST CONCERN).

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Approximative Verbreitung der Celebes-Erdtaube (Gallicolumba tristigmata)
Der internationaler Handel ist nach CITES nicht geregelt.

Verbreitung: Indonesien (Sulawesi)

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Walsrode

Besonderes: Mit bis zu 35 cm Länge ist die auch Hopftaube genannte Celebes-Erdtaube die größte Art der Gattung. Sie besiedelt Primärwälder vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2000 m. Die Vögel leben fast ausschließlich auf dem Boden. Werden sie aufgescheucht, fliegen sie nur wenige Meter und fliehen  dann zufuß weiter (DEL HOYO et al., 1997).

Taxonomie und Nomenklatur: Die Art wird bisweilen in eine eigene Untergattung Diopezus gestellt. Es gibt drei Unterarten, die sich in ihrer Gefiederfärbung deutlich unterscheiden (DEL HOYO et al., 2014).

Literatur und Internetquellen:
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997)
DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)

PD - 01.08.2016

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Gelesen 2938 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 01 Dezember 2016 09:45
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