Störche, Hammerkopf und Schuhschnabel

Afrikanischer Marabu

Afrikanischer Marabu (Leptoptilos crumeniferus) Zoo Neuwied Afrikanischer Marabu (Leptoptilos crumeniferus) Zoo Neuwied
Peter Dollinger, VDZ

Ordnung: Stelzvögel (Ciconiiformes)
Familie: Störche (Ciconiidae)
Tribus: Großstörche (Leptoptilini)

Zu den Marabus (Leptoptilos) gehören drei Arten, von denen je eine gefährdet bez. stark gefährdet ist. In VdZ-Zoos werden zwei Arten gezeigt.

D LC 650

Afrikanischer Marabu

Leptoptilos crumeniferus
Engl.: The Marabou Stork
Franz.: Le marabout d'Afrique

211-004-005-003 leptoptilus crumeniferus muenchen PD
Afrikanischer Marabu (Leptoptilos crumeniferus) Tierpark Hellabrunn © Peter Dollinger, VdZ
Der Afrikanische Marabu wird nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN), da er ein sehr weite Verbreitung und eine große Gesamtpopulation hat.

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Die Art fällt unter Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements (AEWA).

Verbreitung: Afrika südlich der Sahara, teilweise auch nördlich der Sahara bis Israel und Spanien.

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Cottbus, Dortmund, Duisburg, Eberswalde, FRaankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hamm, Hannover, Karlsruhe, Köln, Kronberg, 211-004-005-003 afrikan marabu brehm
Afrikanischer Marabu aus BREHMs Tierleben
Leipzig, Magdeburg, Marlow, München, Neuwied, Nordhorn, Osnabrück, Rostock, Schmiding, Schwerin, Stralsund, Stuttgart, Tallinn, Walsrode, Zürich

Besonderes: Altvater BREHM verbindet in seinem Thierleben objektive Informationen mit einer vermenschlichenden Darstellung, die recht amüsant zu lesen ist:

"Die häßlichsten aller Störche (Leptoptilus) werden Kropfstörche genannt, weil ihre Speiseröhre sich am Unterhalse zu einem weiten Sacke ausdehnt, welcher zwar wenig Aehnlichkeit mit dem eigentlichen Kropfe hat, aber doch in derselben Weise gebraucht wird. Uebrigens kennzeichnen sie sich 211-004-005-003 leptoptilus crumeniferus marlow PD
Afrikanischer Marabu (Leptoptilos crumeniferus) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, VdZ
durch kräftigen, fast ungeschlachten Leib, dicken, nackten Hals, nackten oder höchstens mit wenigen flaumartigen Federn bekleideten, grindigen Kopf, einen ungeheueren, an der Wurzel sehr dicken, vierseitigen, vorn keilförmig zugespitzten, leichten Schnabel, dessen äußere Bekleidung durch ihre Unebenheit und Rauhigkeit auffällt, hohe Beine, gewaltige, abgerundete Flügel, in denen die vierte Schwinge die längste, und mittellangen Schwanz, dessen untere Deckfedern außerordentlich entwickelt, von der Wurzel an fein zerschlissen sind und prächtige Schmuckfedern abgeben.

Im Sudân habe ich den Marabu sehr oft, bei Chartum tagtäglich beobachtet. Ganz abgesehen von seiner Größe fällt er auch durch seinen sonderbaren Anstand auf. In den Thiergärten erwirbt er sich regelmäßig einen Spitznamen: man nennt ihn den »Geheimen Rath«; er erinnert, wie Vierthaler sagt, aber auch wirklich an einen durch vieljährige Dienste krumm gebückten, in schwarzblauen Frack und enge weiße Beinkleider eingezwängten Hofmann mit feuerrother Perücke, welcher sich scheu und ängstlich fortwährend nach dem strengen Gebieter umschaut, der gnädigsten Befehle harrend; er erinnert, füge ich hinzu, an einen ungeschickten Menschen, welcher zum ersten Male in einen Frack gesteckt wird und dieses Kleidungsstück nicht mit dem nöthigen Anstande trägt. ... Das Benehmen des Marabu steht mit seiner Gestalt und Haltung, welche unwillkürlich zum Lachen herausfordern, im Einklange. In jeder seiner Bewegungen spricht sich unverwüstliche Ruhe aus. Sein Gang, ja jeder Schritt, jeder Blick scheint berechnet, genau abgemessen zu sein. Wenn er sich verfolgt wähnt, schaut er sich ernsthaft um, mißt die Entfernung zwischen sich und seinem Feinde und regelt nach ihr seine Schritte. Geht der Jäger langsam, so thut er es ebenfalls, beschleunigt jener seine Schritte, so schreitet auch er weiter aus, bleibt jener stehen, so thut es auch er. Auf einer weiten Ebene, welche ihm gestattet, jede beliebige Entfernung zwischen sich und seinem Feinde zu behaupten, läßt er es selten zum Schusse kommen, fliegt aber auch nicht auf, sondern bewegt sich immer in einer sich gleich bleibenden Entfernung von drei- bis vierhundert Schritten vor dem Jäger dahin. Er ist erstaunlich klug und lernt nach den ersten Schüssen, welche auf ihn oder andere seiner Art abgefeuert wurden, auf das genaueste abschätzen, wie weit das Jagdgewehr des Schützen trägt; er unterscheidet diesen aber auch sofort von anderen Menschen, da ihn alles auffallende zur Vorsicht mahnt.

Bei meiner Ankunft in Chartum lebte er mit den Metzgern, welche in einem vor der Stadt liegenden Schlachthause ihr Handwerk trieben, im besten Einvernehmen, fand sich ohne Furcht vor dem Hause oder in ihm selbst ein, erbettelte sich die Abfälle oder belästigte die Leute so lange, bis sie ihm etwas zuwarfen. Keiner der Schlächter dachte daran, ihn zu verfolgen; man ließ sich möglichst viel von ihm gefallen und erlaubte sich höchstens, ihm durch einen Steinwurf anzuzeigen, wenn er zu unverschämt wurde. Jedenfalls hatte der Vogel bis zu unserer Zeit keine Nachstellungen erfahren; denn auch die damals in Chartum lebenden Europäer ließen ihn unbehelligt, weil sie seinen Werth nicht kannten, wenigstens nicht wußten, daß er Erzeuger köstlicher Federn war. Bei unserem ersten Jagdausfluge fiel ein Marabu dem Forschungseifer zum Opfer, und von der Stunde an änderten die Genossen ihr Benehmen. Sie kamen allerdings nach wie vor noch zum Schlachthause, stellten aber fortan regelmäßig Wachen aus und entflohen, sowie ein weißes Gesicht oder ein weiß gekleideter Mensch nur von weitem sich sehen ließ."

In Zoos ist der Afrikanische Marabu ein häufiger Gast, der gerne auch mit Säugetieren der afrikanischen Savanne vergesellschaftet wird. Die erfolgreichste Zucht in Europa hat der Tierpark Cottbus. Von 1996-2011 wurden hier 163 Marabuküken aufgezogen und hier hat ein Marabuhahn bis zum Alter von 33 Jahren 105 Nachkommen produziert. Im Zoo können Marabus bis 51 Jahre alt werden. Das älteste Weibchen befindet sich im Tiergarten Schönbrunn (KING & KOPS, 2012).

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
WALDER, S. (2007)

Literatur:
BREHM, A. E. (1882 b)
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)

GINN, P.J., McILLERON, W.G. & MILSTEIN, P. le S. (1999) 
GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
KING, C. & KOOPS, T. (2012)

PD - 29.08.2010OAF-11-03-03 serengeti marabu reiher
OAF-11-03-03 serengeti marabu reiher Marabu (Leptoptilos crumeniferus) und Silberreiher (Casmerodius albus) im natürlichen Lebensraum am Grumeti, Serengeti, Tansania © Peter Dollinger, VdZ

Zurück zu Vögel I - Strausse bis Enten

Weiter zu Sunda-Marabu /Leptoptilos javanicus)

Gelesen 4421 mal Letzte Änderung am Montag, 21 September 2015 07:32
© Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. hyperworx