Meerschweinchen und Wasserschweine

Wasserschwein

Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris) Zoo Frankfurt Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris) Zoo Frankfurt
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Wasserschweine (Hydrochoerinae)

Traditionellerweise galt Hydrochoerus als monospezifische Gattung ( z.B. bei HEINEMANN, 1970; EISENBERG, 1989). 1991 wurde die  Population der Darién-Region als eigene Art (H. isthmius) beschrieben, was bei  WILSON & REEDER (2005) übernommen wurde.

D LC 650

Wasserschwein

Hydrochoerus (oder Hydrochaeris) hydrochaeris
Engl.: The Capybara
Franz.: Le capybara
    
Wasserschwein im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc
Wasserschwein im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc
Die Art hat eine sehr weite Verbreitung und gilt daher noch nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), obwohl der Lebensraumverlust bereits erheblich ist. Die Bejagung zur Gewinnung von Fleisch und Leder ist nicht überall nachhaltig.

Der internationale Handel ist nicht nach CITES geregelt.

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Approximative Verbreitung der Capybaras. Dunkelblau H. hydrochaeris; rot: H. isthmius
Verbreitung: Südamerika: Argentinien, Brasilien, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Panama, Paraguay, Peru, Uruguay, Venezuela.
  
Wasserschwein im Zoo Frankfurt © Christian R, Schmidt
Wasserschwein im Zoo Frankfurt © Christian R, Schmidt
Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Chemnitz, Dortmund, Dresden, Eberswalde, Hamburg, Hannover, Herberstein, Köln, Krefeld, München, Osnabrück, Salzburg, Schwerin, Stralsund, Wien, Zürich

Wie Capybaras gehalten werden (Beispiele):
Pantanal im Zoo Zürich
Südamerika-Park im Tiergarten Schönbrunn

Besonderes: Wasserschweine sind Bewohner der Grassavannen oder von Wäldern mit dichtem Unterwuchs in der Nähe von fließenden oder stehenden Gewässern. Ihr auch im deutschsprachigen Raum gebräuchlicher Name "Capybara" kommt aus der Sprache der Guaraní-Indianer und soll "Herr des Grases" bedeuten. Trotz seines Namens 110-020-001-001 hydrochoerus hydrochaeris hann PM
Wasserschwein-Vierlinge (Hydochoerus hydrochaeris) im ErlebnisZoo Hannover - Pressefoto Zoo Hannover
hat das "Wasserschwein" mit Schweinen absolut nichts zu tun. Vielmehr ist es mit einer Gesamtlänge von 120 cm, einer Schulterhöhe von 56 cm und einem Körpergewicht von über 50 kg das größte Nagetier ("Riesenmeerschweinchen"), das sich durch einige anatomische Besonderheiten auszeichnet, so durch ein großes Duftdrüsenfeld auf dem Nasenrücken. Deshalb und wegen seiner semiaquatischen Lebensweise, derentwegen es kurze Schwimmhäute zwischen seinen vier Fingern bzw. drei Zehen hat, ist es von besonderem zoopädagogischem Interesse.
    
Wasserschwein im Zoo Dresden © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Wasserschwein im Zoo Dresden © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Wie alle Meerschweinchenverwandten sind Capybaras Nestflüchter. Die zwei bis acht Jungen werden nach einer Tragzeit von 122-153 Tagen geboren Capybaras ernähren sich vorab von Sumpfgräsern und Wasserpflanzen wie Himenachne amplexicaudis, Leersia hexandra, Digitaria sanguinalis, Reimarachloa acuta und anderen. Regional werden Capybaras stark bejagt, u.a. weil sie, wegen ihrer aquatischen Lebensweise, traditionell als Fastenspeise gelten. Nachhaltig genutzt könnte das Capybara eine sinnvolle Ergänzung zur Rinderzucht darstellen. In Venezuela gibt es zu diesem Zweck auch Gatterhaltungen.
    
Kulturelle Bedeutung: Die ersten europäischen Siedler nannten das Tier "puerco de agua" zumal sie sich nicht vorstellen konnten, dass es so große Nagetiere gäbe.

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Wasserschwein mit Jungtier im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, Wien
Das Capybara war traditionelles Jagdwild der Guaraní und anderer südamerikanischen Indio-Völker Den Ursprung der Capybaras erklärten sich die Guaraní so: Ein Erdbeben hatte ein riesiges Feuer ausgelöst, das den ganzen Wald zerstörte. Viele landlos gewordene Menschen flüchteten an den Fluss (den Río Paraná oder Río Paraguay), wo sie sich in Capybaras oder Kaimane verwandelten um den neuen Lebensraum zu besiedeln.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
ZELL, E. (1987)

Literatur:
EISENBERG, J. F. (1989)
MONTES, G. et al., ed. (1983)
HEINEMANN, D. (1970)
PUSCHMANN, W. (2004)

PD - 14.12.2008

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