Schwäne, Gänse, Hühner- und Affengans

Rothalsgans

Rothalsgans (Branta ruficollis) im Zoo Augsburg Rothalsgans (Branta ruficollis) im Zoo Augsburg
P. Bretschneider, Zoo Augsburg

Ordnung: Gänsevögel (ANSERIFORMES)
Unterordnung: Gänseverwandte (Anseres)
Familie: Enten und Gänse (Anseridae)
Unterfamilie: Gänseartige (Anserinae)
Tribus: Schwäne und Gänse (Anserini)

Zu den Meergänsen der Gattung Branta zählen fünf Arten, wobei die Kanadagans von manchen Autoren in zwei Arten aufgeplittet wird. Alle fünf bzw. sechs Arten werden in VdZ-Zoos gezeigt.

D VU 650

Rothalsgans

Branta ruficollis
Engl.: The Red-breasted Goose
Franz.: L'oie à cou roux

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Rothalsgans (Branta ruficollis) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die Bestände der Rothalsgans hatten rasch abgenommen, weshalb die Art 2007 als stark gefährdet eingestuft wurde. Bestandeszunahmen in jüngster Zeit erlaubten 2015 eine Rückstufung in die Kategorie "gefährdet" (Rote Liste: ENDANGERED).

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU (RL 2009/147/EG), Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, die Anhänge 1 und 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten (CMS)sowie Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements (AEWA).

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Rothalsgans (Branta ruficollis) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Verbreitung: Brutgebiete im Norden Russlands. Hauptsächliche Überwinterungsgebiete in Aserbaidschan, Bulgarien, Griechenland, Kasachstan, Rumänien, Russland und der Ukraine. Gelegentliche Beobachtungen auch in andern Ländern.

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Basel, Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Cottbus, Dresden, Goldau, Hamburg, Heidelberg. Karlsruhe, Köln, Krefeld, Leipzig, München, Münster, Neumünster, Rostock, Schmiding, Schwerin, Stuttgart, Walsrode, Wuppertal, Zürich

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Rothalsgans (Branta ruficollis) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Besonderes: Die Rothalsgans hat ein sehr kleines Brutgebiet in der Zwergstrauch- und Flechtentundra der Halbinseln Taimyr, Gydan und Jamal im arktischen Sibirien, wo sie in kleinen Gruppen brütet, gerne in der Nachbarschaft von Wanderfalken oder großen Möwen, die den Brutplatz gegen Polarfüchse verteidigen. Die Rothalsgänse polstern ihre Nester mit Daunen aus. Es werden 4-6 Eier geleget, die während gut drei Wochen bebrütet werden.

Im September ziehen die Gänse in ihre Winterquartiere, wo sie auf Feldern, Wiesen, Salzwiesen und Marschen zusammen mit Blässgänsen weiden. Bisweilen konzentriert sich der gesamte Bestand auf wenigen Quadratkilometern an der bulgarischen oder rumänischen Schwarzmeerküste. Ab Ende März kehren sie ins Brutgebiet zurück. Wohl wegen der Umwandlung vieler Getreidefelder in Rebkulturen und Baumwollfelder haben die Rothalsgänse ihr Winterquartier seit einigen Jahren zum größten Teil von 212-002-003-00 stamp branta ruficollis ddr
Rothalsgans (Branta ruficollis) auf DDR-Briefmarke
der Kaspisee an die Westküste des Schwarzen Meeres verlagert (MAUMARY et al., 2007).

Im Zoo sind Rothalsgänse ausdauernde Pfleglinge. HILLGARTH et al. (1983) geben für den britischen Wetlands and Fwildfowl Trust einen Altersrekord von 15 Jahren an . Eine Rothalsgans im Zoo Wuppertal erreichte allerdings ein Lebensalter von 26 Jahren (SCHÜRER, 1993).
        
Wie Rothalsgänse gehalten werden (Beispiel): Eurasiatische Wasservögel im Zoo Zürich siehe ZOOLEX Gallery

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Rothalsgänse in Wandmalerei aus der Mastaba des Nefermaat
Kulturelle Bedeutung: Auf einem Bild aus der Mastaba des Nefermaat, der vor 4600 Jahren unter dem Pharao Snofru (4. Dynastie) Wesir war, sind zwei Rothalsgänse dargestellt. Die Mastaba diente als Grabstätte für Nefermaat und seine Frau. Sie wurde 1871 in der Meidum-Nekropole von einem französischen Archäologenteam gefunden. Der an der Ausgrabung beteiligte  Kurator des Museums Bulaq in Kairo, Luigi Vassalli, soll den 162 x 24 cm großen Fries aus der Wand gelöst und mitgenommen haben. Aufgrund des Bildes wäre anzunehmen, dass Rothalsgänse früher in Ägypten überwintert haben. Allerdings äußerte Prof. Francesco Tiradritti von der Universität Enna, Italien,  jüngst Zweifel an der Echtheit des Bildes und stellte die Vermutung auf, dass es sich um eine von Vassalli hergestellte Fälschung handle.

Literatur und Internetquellen:
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
HILLGARTH, N., KEAR, J. & HORKY, K. (1983)
KOLBE, H. (1972)
MAUMARY, L. et al. (2007)
SCHÜRER, U. (1993)

Selket’s Ägypten

PD - 24.05.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 2892 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 21 Dezember 2016 08:04
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