Berühmte Tiergärtner

Prof. Dr. Dr. h.c. Heini Hediger

Heini Hediger Heini Hediger

(30. Nov.1908 - 29. Aug. 1992)
        
HEINI HEDIGER war der bedeutendste Schweizer Tierpsychologe, leitete nach einander die Zoos von Bern, Basel und Zürich, und gilt als Begründer der Tiergartenbiologie. Wie kaum ein anderer hat er durch seine Tätigkeiten und insbesondere durch seine Publikationen die Entwicklung der Zoologischen Gärten weltweit geprägt. Schon als Halbwüchsiger hielt er in der elterlichen Wohnung in Basel eine eigene, kleine Menagerie. Als Zoologie-Student arbeitete er als Pressechef des Natur- und Tierparks Goldau, bevor er Assistent und Privatdozent an der Zoologischen Anstalt Basel und später Kustos der Zoologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Basel wurde. Bereits während seiner Tätigkeit am Museum machte er sich Gedanken über die Aufgaben der Zoologischen Gärten, setzte sich kritisch mit der damaligen Zoopraxis auseinander, aber verteidigte sie auch gegen ungerechtfertigte Angriffe. So veranlassten ihn zoofeindlichen Bemerkungen in den Schweiz. Blätter für Naturschutz, einen Aufsatz mit dem Titel "Tiergärten und Naturschutz" zu schreiben.

Heini Hediger mit Lama im Zoo ZürichMit der Berufung zum Direktor des seinerzeit neu gegründeten Tierparks Dählhölzli Bern hatte er bereits mit 30 Jahren sein Berufsziel erreicht. Als die Direktorenstelle im Basler Zolli frei wurde, holten ihn Prof. Dr. RUDOLF GEIGY und Prof. Dr. ADOLF PORTMANN dorthin, bevor ihn ein Zwist mit den beiden mächtigen Basler Zoologen an den Zoo Zürich führte. Seine Lehrtätigkeit führte er an der Universität Zürich als Titularprofessor mit Lehrauftrag für Tierpsychologie und Tiergartenbiologie weiter.    
        
HEDIGER veröffentlichte seine Erlebnisse mit Tieren, seine Beobachtungen und seine Ideen in unzähligen Schriften, in der von ihm mit Konrad Lorenz und Bernhard Grzimek begründeten Zeitschrift "Das Tier" sowie in seinen Büchern. Sein Buch "Wildtiere in Gefangenschaft" erschienen 1942, gilt als Grundlage der Tiergartenbiologie, deren praktische Seiten er in "Mensch und Tier im Zoo" im Jahre 1965 publizierte. In seinen tierpsychologischen Publikationen, die alle darauf zielten, Tiere besser zu verstehen, veröffentlichte er viele neue Erkenntnisse. Sein Lebenswerk hat sowohl bei Fachleuten, als auch bei Laien zu einem Umdenken im Umgang mit Tieren geführt: Eine Vermenschlichung von Tieren war ihm ein Greuel. Jedes Tier sollte nur aufgrund seines eigenen ‚tierlichen’ Verhaltens beurteilt und entsprechend gehalten werden.

Heini Hediger und Konrad LorenzDas 1965 eröffnete Afrikahaus im Zoo Zürich wurde von HEDIGER als Höhepunkt seiner Zookarriere empfunden: „Hier konnten offensichtlich tiergartenbiologische Fortschritte erzielt werden. Keine Kuben und sichtbare Gitter, viele lebende Pflanzen, Tiere nicht als isolierte Arten, sondern in natürlichen Symbiosen. Bei den Bewohnern diese Hauses darf mit Fug und Recht angenommen werden, dass Ihnen - ausser den im Freileben stets vorhandenen Bedrohungen durch Feinde - nichts fehlt und dass sie sich infolgedessen wohlfühlen. Ihr künstlicher Wohnraum enthält offenbar alle wesentlichen Elemente des natürlichen Biotopes.“
        
Eine zweite tiergartenbiologische Neuerung machte international Furore und gilt heute als Pioniertat in der Tiergärtnerei: Die Präsentation von Symbiosen unter den Tieren. Hediger wollte die Symbiosen zwischen Madenhackern, Kuhreihern und Nashörnern in einem Raum zeigen, was auch gelang, alle Arten züchteten hier gut, die Welterstzucht der Madenhacker gelang kurz nach der Eröffnung des Hauses.

Für seine Arbeiten wurde HEDIGER neben anderen Auszeichnungen mit dem Ehrendoktor der Universität Zürich und dem Kulturpreis der Stadt Zürich geehrt. In seinem Andenken vergibt der Weltverband der Zoologischen Gärten den Heini Hediger-Award zur Anerkennung hervorragender Leistungen zur Erreichung der von den Zoos definierten Ziele im gesamten Gebiet der Tiergartenbiologie.

Bibliographie I

Bibliographie II

Nachruf

Literatur:
HEDIGER, H. (1931)
HEDIGER, H. (1938)
HEDIGER, H. (1942)
HEDIGER, H. (1948)
HEDIGER, H. (1949)
HEDIGER, H. (1950)
HEDIGER, H. (1951)
HEDIGER, H. (1953)  
HEDIGER, H. (1958)  
HEDIGER, H. (1961)
HEDIGER, H. (1965)
HEDIGER, H. (1970) (Zur Sprache der Tiere)
HEDIGER, H. (1970) (Nashorn)
HEDIGER, H. (1973)
HEDIGER, H. (1977)
HEDIGER, H. (1980)
HEDIGER, H. (1990)
NOGGE, G. (1989)
RÜBEL, A. (2009)
SCHMIDT, C.R. & HONEGGER, R.E. (1968) (Bibliographie I)
SCHMIDT, C.R. & HONEGGER, R.E. (1993) (Bibliographie II)

aktualisiert 04.09.2014

Gelesen 3663 mal Letzte Änderung am Sonntag, 28 September 2014 17:25
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