Meerenten und Säger

Schellente

Schellente (Bucephala clangula) im Natur- und Tierpark Goldau Schellente (Bucephala clangula) im Natur- und Tierpark Goldau
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Gänsevögel (ANSERIFORMES)
Unterordnung: Gänseverwandte (Anseres)
Familie: Enten und Gänse (Anseridae)
Unterfamilie: Entenartige (Anatinae)
Tribus: Säger und Meerenten (Mergini)

Zur Gattung Bucephala gehören drei nicht-gefährdete Arten, In VdZ-Zoos werden alle Arten gehalten.

D LC 650

Schellente

Bucephala clangula
Engl.: The Goldeneye -
Franz.: Le garrot à oeil d'or, ou garrot sonneur

212-002-015-002 bucephala clangula paar goldau PD
Schellenten-Paar (Bucephala clangula) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dolliner, Zoo Office Bern
Die Schellente hat eine weite Verbreitung und einen grossen, auf 2.1 Millionen Individuen geschätzten Bestand. Die Art ist daher nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten sowie Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements (AEWA).

212-002-015-002 bucephala clangula goldau f PD
Schellenten-Weibchen (Bucephala clangula) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dolliner, Zoo Office Bern
Verbreitung: Europa: Albanien, Aserbaidschan, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Färöer, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Mazedonien ehem. Jug. Rep., Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland
Asien: Afghanistan, Irak, Iran, Kasachstan, Kirgistan, Mongolei,
Nordamerika: Kanada, Saint Pierre und Miquelon, USA

212 002 015 002 bucephala clangula zrh PD
Schellenten-Gruppe (Bucephala clangula) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Basel, Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Bern, Chemnitz, Cottbus, Dresden, Eberswalde, Frankfurt, Gelsenkirchen, Goldau, Görlitz, Halle, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, München, Nürnberg, Rostock, Saarbrücken, Schwerin, Straubing, Walsrode, Wuppertal, Zürich

Wie Schellenten gehalten werden (Beispiel): Eurasiatische Wasservögel im Zoo Zürich, siehe ZOOLEX Gallery

212 002 015 002 bucephala clangula stamp US
US Duck Stamp mit Schellenten-Motiv
Besonderes: Die Schellente verdankt ihren deutschen Namen und den wissenschaftlichen Artnamen clangula dem pfeifenden und wie ein Klingeln ("Schellen") tönenden Fluggeräusch. Der englische "Goldeneye" und der französische Vulgärname "garrot à oeil d'or" weisen auf die beim Erpel zitronengelbe, bei der Ente blassgelbe Iris hin, das Italienische "QuattrocchI" auf den auffälligen weißen Voraugenfleck des Erpels im Prachtkleid. Den Gattungsnamen Bucephala verdankt die Art dem stiernackigen Aussehen vor allem der Erpel. das durch die verlängerten Hinterkopffedern zustande kommt (SUTER, 2005).

Schellenten suchen ihre Nahrung - im Einzugsgebiet des Rheins hauptsächlich Köcherfliegenlarven (Hydropsyche) und junge Wandermuscheln (Dreissena polymorpha) -  unter Wasser. Um diese abzuweiden, tauchen sie pro Tag 900-1200 Mal, wobei ein Tauchgang bei 2-3 m Tiefe etwa 20 Sekunden in Anspruch nimmt, insgesamt verbringen sie also etwa sechs Stunden täglich unter Wasser (SUTER, 2005).

Im Mittwinter erreicht die Balz der Männchen ihren Höhepunkt und es bilden sich Balzgruppen. Die Erpel werfen bei der Balz den Kopf auf den Rücken. Manchmal treten sie dabei mit beiden Beinen gleichzeitig so heftig nach, dass das Wasser spritzt. Danach strecken sie den Hals sehr rasch mit aufwärts gerichtetem Schnabel (MAUMARY et al., 2007).

Als ausgesprochener Baumhöhlenbrüter beschränkt sich das Vorkommen der Schellente während der Sommermonate fast ausschließlich auf die boreale Nadelwaldregion. Hier brütet sie in der Nähe klarer, meist oligotropher Waldseen und Flussabschnitten. Zum Nisten bevorzugt werden Baumhöhlen in 6-8 m Höhe mit Einfluglöchern von 10-25 cm Durchmesser, die bisweilen mehrere Meter tief sein können. Die Gelege bestehen aus 8-10 (5-15) intensiv blaugrün gefärbten Eiern, die etwa 30 Tage bebrütet werden. Die frisch geschlüpften Küken klettern mithilfe ihrer scharfen Zehennägel zum Ausgang der Höhle, springen auf den Boden und marschieren geführt von den Eltern zum Wasser, wo sie sofort geschickt schwimmen und tauchen. Nach zwei bis drei Wochen sind die Jungen bereits selbständig (KOLBE, 1972).

Literatur:
BEZZEL, E. (1985)
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)

HAGEMEIJER, W. J. M. & BLAIR, M. J. (eds., 1997)
KOLBE, H. (1972)
MAUMARY, L. et al. (2007)   
SUTER, W. (2005)

PD/SN - 18.05.2008; mehrfach aktualisiert

Zurück zu Vögel I - Strausse bis Enten

Weiter zu Kappensäger

Gelesen 2758 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 28 Dezember 2016 07:53
© Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. hyperworx