Berühmte Tiergärtner

Dr. Alfred Edmund Brehm

Alfred E. Brehm Alfred E. Brehm
Sammlung Marcus Kaar

(2 Februar 1829 – 11. November 1884)
        
Obwohl als Sohn eines thüringischen Pfarrherrn mit grossem Interesse für die Ornithologie (und entsprechend grosser Sammlung von Vogelbälgen) geboren, war es ursprünglich ALFRED BREHMs Wunsch, Architekt zu werden. Er erlernte das Maurerhandwerk, absolvierte die Altenburger Kunst- und Handwerksschule und begann 1946 in Dresden das Architekturstudium, das er aber nach zwei Semestern abbrach, um sich mit dem Vogelkundler Johann Wilhelm von Müller auf eine fünfjährige Afrika-Expedition zu begeben.

Nach seiner Rückkehr begann er, mittlerweile 24 Jahre alt, mit dem Studium der Naturwissenschaften an der Universität Jena, das er nach nur vier Semestern mit der Promotion abschloss. In der Folge betätigte er sich als Schriftsteller und unternahm verschiedene grössere Reisen nach Skandinavien, Afrika und Sibirien.

1863 wurde er zum ersten Direktor des alten Hamburger Zoologischen Gartens berufen, den er bis 1867 leitete. Die Stelle war nicht unproblematisch, da die Kompetenzen des Zoodirektors stark eingeschränkt waren So war seine Beteiligung an der Planung von Bauten und Gartenanlagen nicht vorgesehen, An- und Verkauf von Tieren waren Sache einer "Thier-Commission", die Vertretung des Zoos nach aussen war Sache des Verwaltungsrates. Im Zoologischen Garten Hamburg, der bis 1930 auf dem Areal des heutigen "Planten und Blomen" bestand, gab es. u.a. das erste Meerwasseraquarium in Deutschland, und unter Brehms Leitung wuchs der Tierbestand rasch an. Zeitweilig wurden bis zu 15 Hirsch- und bis zu 50 Greifvogelartenarten gehalten. Für BREHM war der Zoo ein idealer Ort, um seine Studien über die Lebensweise von Wildtierarten fortzusetzen. Er schrebt dazu: "Sehr wichtige Fragen, welche gegenwärtig die wissenschaftliche Welt bewegen, können nur in den Thiergärten gelöst oder wenigstens ihrer Lösung näher gebracht werden; denn das lebende Thier ist für die Beobachtungen unzweifelhaft ein weit ergiebigerer Gegenstand als das todte, welches letztere die meisten Thierkundigen ihren Arbeiten zugrunde legen müssen."

Im Lauf der Zeit kam es zunehmend zu Konflikten zwischen Brehm und dem Verwaltungsrat mit zum Teil öffentlich vorgebrachten Vorwürfen und Schuldzuweisungen, die im November 1866 mit der fristlosen Entlassung BREHMs endeten. Ob zu Recht oder Unrecht sei dahingestellt, der Verwaltungsrat begründete die Kündigung wie folgt: "Der Director kann ein durchaus wissenschaftlicher Zoologe und nichtsdestoweniger kein Director sein, es kann ihm bei aller Wissenschaftlichkleit das administrative Talent abgehen, sein Charakter kann bei übrigen vortrefflichen Eigenschaften so geartet sein, dass er sich zum Vorgesetzten eines ihm untergebenen grösseren Dienstpersonals durchaus nicht eignet, er kann eine ausgedehnte schriftstellerische Tätigkeit entfalten, dabei aber die ihm zunächst liegenden Pflichten mangelhaft erfüllen."

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Aquarium Unter den Linden, Landesdenkmalamt Berlin
Danach wandte sich BREHM Berlin zu. Hier entstand 1869 nach seinen Ideen das Berliner Aquarium Unter den Linden, welches er als persönlich haftender Gesellschafter mitbegründete und bis 1878 als Direktor leitete. Unter einem Einfluss wurde die ursprünglich geplante Beschränkung auf ein reines Aquarium rasch aufgegeben. Das Aquarium enthielt auf zwei Ausstellungsgeschossen „118 Käfige, Becken und andere Behälter zur Aufnahme von Thieren“, bis hin zu Menschenaffen, die nach Klimazonen geordnet waren. Es konnte gleichzeitig etwa 2000 Besucher aufnehmen.

Die Bevölkerung war begeistert und in den ersten drei Monaten nach der Eröffnung konnten 102'400 Besucher gezählt werden. Gezeigt wurden verschiedene Affenarten, darunter Brüllaffen, Wanderus, Löwenäffchen, Drills und der erste Gorilla in Europa. Daneben gab es u.a. Robben, ein Manati und ein junges Walross. Bei den Reptilien sind die ersten nach Europa importierten China-Alligatoren zu nenne. Die eigentliche Aquarienabteilung konzentrierte sich auf Mittelmeertiere.

Nach einem erfolgreichen Start begannen sich aber auch in Berlin die unerfreulichen Vorgänge von Hamburg zu wiederholen. Namentlich herrschte dicke Luft zwischen BREHM und Co-Direktor Dr. OTTO HERMES. Am 23. November 1873 suspendierte der Aufsichtsrat BREHM mit sofortiger Wirkung und kündigte ihm auf den 1. April 1874 wegen "Indifferentismus, Napolismus und Egoismus". Von da an betätigte Brehm sich als freier Schriftsteller und Vortragsreisender. Er starb am 11. November 1884 in Renthendorf in Thüringen.

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Löwe in der Seriba, aus Brehms Illustrirtem Thierleben, 2. Auflage
BREHMs Popularität als Schriftsteller veranlasste den Verleger Hermann Julius Meyer bei ihm ein großes vielbändiges Werk über das Tierreich zu bestellen, welches als „Brehms Tierleben“ weltweit bekannt wurde. Die erste Auflage der damals noch „Illustrirtes Thierleben“ genannten sechsbändigen Enzyklopädie erschienen 1863-69. Die zweite, bereits zehnbändige Auflage erschien 1876-79. Die dritte, nach BREHMs Tod herausgegebene Auflage (1890-93) wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Die vierte, von Prof. Dr. OTTO zur STRASSEN herausgegebene Auflage (1911-18) umfasste dreizehn Bände.

1981 veröffentlichte der Prisma-Verlag, Gütersloh, das mit Grossfotos illustrierte Werk „Brehms Neue Tierenzyklopädie in zwölf Bänden“, dessen Texte auf der zweiten Auflage von Brehms Tierleben basierten. Der Name BREHM wird auch durch die ursprünglich vom A. Ziemsen Verlag in Wittenberg Lutherstadt herausgegebene Serie „Die Neue Brehm Bücherei“ hochgehalten, deren Monographien in diesem Internetauftritt vielfach zitiert werden.

 

Literatur:
KLÖS & LANGE (1988)

Gelesen 2534 mal Letzte Änderung am Samstag, 22 Dezember 2012 15:03
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