Ruderfüßer

Kormoran

Kormoran (Phalacrocorax carbo im Tierpark Cottbus Kormoran (Phalacrocorax carbo im Tierpark Cottbus
Peter Dollinger, VDZ

Ordnung: Ruderfüsser (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)

Von den etwa 34 Kormoranarten wurde eine um 1850 ausgerottet, vier sind potenziell gefährdet, fünf gefährdet, 2 stark gefährdet und eine vom Aussterben bedroht. In VdZ-Zoos werden drei Arten gehalten.

D LC 650

Kormoran

Phalacrocorax carbo
Engl.: The Great Cormorant
Franz.: Le grand cormoran

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Frei fliegende Kormorane im Tierpark Bern © Peter Dollinger, VdZ
Mit einem Bestand von 1,000,000 - 1,600,000 Individuen nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN)

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und unter Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements. (AEWA).

Verbreitung: Fast weltweit - in über 140 Ländern Afrikas, Asiens, Australasiens, Europas, und Nordamerikas festgestellt.210-004-003-010 phalacrocorax carbo gesner
Kormoran aus Conrad Gesners Vogelbuch

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Basel, Bern (freifliegend), Bremerhaven, Cottbus, Dortmund, Dresden, Duisburg, Gelsenkirchen, Goldau, Hannover, Heidelberg, Krefeld, Kronberg, München, Neumünster, Nürnberg, Rostock, Schwerin, Straubing, Stuttgart, Walsrode, Wien

Besonderes: Zur Brutzeit tragen Kormorane ein schwarzes Gefieder mit weißen Schenkelflecken und einer weißen Halskrause und haben einen kurzen, abspreizbaren Schopf. Im Schlichtkleid fehlt dieser Schopf und das Gefieder erscheint durchgehend mattschwarz. Jüngere Vögel sind braun gefärbt und am Bauch heller. Die Füße sind schwarz. Die vier Zehen sind durch Schwimmhäute verbunden und an der dritten Zehe befindet sich eine Putzkralle.

Der Kormoran ernährt sich v210-004-003-010 phalacrocorax carbo wien Presse
Kormoran (Phalacrocorax carbo) im Tiergarten Schönbrunn © TG Schönbrunn
on 10-30 cm langen Fischen; gelegentlich werden auch größere Beutetiere gefressen. Der Nahrungsbedarf liegt bei ca. 500 g pro Tag. An Seen und gestauten Flußabschnitten im Binnenland sind Weißfische und zeitweise Barsche die Hauptnahrung; an frei fließenden Flüssen sind es Äschen und Forellen.

Der Kormoran wurde daher früher in ganz Europa unerbittlich verfolgt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Festland-Unterart Phalacrocorax carbo sinensis im nördlichen Europa beinahe ausgerottet.

Aufgrund des nach der EU-Vogelschutz-Richtlinie durch die Mitgliedstaaten zu gewährenden Schutzes nahmen die europäischen Brutbestände in den Achtzigerjahren stark zu und erreichten in 31 Ländern Europas insgesamt 140-150'000 Brutpaare. Danach kam der Zuwachs zum Stillstand, in vielen Gebieten gingen die Brutbestände leicht zurück und pendelten sich auf einem tieferen Niveau ein.

In Bayern wuchs die Zahl der Schlafplätze von etwa 30 im Winter 1988/89 auf über 120 im Winter 2007/2008. Die Winterbestände haben sich seit Erlass der "Kormoranverordnung" (diese erlaubt jeweils vom 16.8. bis 15.3. - zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt - Kormorane zu töten) auf einen Wert zwischen 6.000 und 8.000 Individuen eingestellt. Der im Sommer anwesende Brutbestand in Bayern ist wesentlich geringer, er betrug im Jahr 2006 563 Brutpaare (Bayerisches Landesamt für Umwelt). Auch in anderen deutschen Bundesländern wird mitterweile - auf Druck der Fischer und zum Missfallen der Vogelschutzorganisationen - der Abschuss der eigentlich geschützten Kormorane während bestimmter Jahreszeiten erlaubt.

Als Folge des Wachstums der Bestände in der EU erhöhte sich auch der Winterbestand in der nicht zur EU gehörenden Schweiz und erreichte hier im November 1991 ein Maximum von 13'476 Vögeln. Danach pendelte sich der Winterbestand bei 5000-6000 Individuen ein. Die rasche Zunahme der Kormorane führte zu kontroversen Diskussionen zwischen Fischereikreisen und Naturschutzorganisationen und 1995 zur Erarbeitung eines Maßnahmenplanes, der auch die Genehmigung von Abschüssen vorsieht.

Im Sommer 2000 wurde bei Bern die erste Kormoranbrut der Schweiz festgestellt. Drei Jungvögel wurden flügge. Bei beiden Altvögeln handelte es sich sehr wahrscheinlich um aus dem nahen Tierpark Dählhölzli entwichene Vögel. Im folgenden Jahr brachten am selben Ort zwei Paare zusammen sechs Junge auf. Gleichzeitig brüteten im Ramsar-Reservat "Fanel" am Neuenburgersee erstmals Wildvögel. Mittlerweile gibt es im auch im Binnenland Schweiz mehrere hundert Brutpaare.

Literatur:
DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
MAUMARY, L. et al. (2007)
ROBIN, K., GRAF, R. F. & VOGEL, M. (2012)

PD - 08.11.2008; 05.02.2009; 02.08.2012; 13.12.2013; 13.01.2015

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Gelesen 2232 mal Letzte Änderung am Dienstag, 13 Januar 2015 12:25
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