Habichtartige

Gänsegeier

Gänsegeier (Gyps fulvus)  im Alpenzoo Innsbruck Gänsegeier (Gyps fulvus) im Alpenzoo Innsbruck
Peter Dollinger, VDZ

Ordnung: Taggreife(Falconiformes)
Unterordnung: Habichtartige und Fischadler (Accipitres)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)

Die Gattung Gyps  umfasst sieben Arten, von denen eine gefährdet, zwei stark gefährdet und drei unmittelbar vom Aussterben bedroht sind. In VdZ-Zoos werden vier Arten gezeigt.

D LC 650

Gänsegeier

Gyps fulvus
Engl.: The Griffon Vulture
Franz.: Le vautour fauve

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Gänsegeier (Gyps fulvus) im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Die Art hat eine weite Verbreitung und einen großen Bestand. Sie gilt global nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

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Europäische / westpaläarktische Brutgebiete des Gänsegeiers (Gyps fulvus), Blau: autochthone Vorkommen; rot: Wiederansiedlungen
Verbreitung: Gyps f. fulvus brütet von Nordwestafrika und Südeuropa über den Nahen Osten bis nach Zentralasien. Gyps f. fulvescens vertritt die Art in Afghanistan, Pakistan und Nordindien. Namentliich Jungvögel überwintern in der Sahelzone und in Nordostafrika.

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Gänsegeier (Gyps fulvus) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, VdZ
Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Bochum, Darmstadt, Dresden, Duisburg, Eberswalde, Erfurt, Gelsenkirchen, Görlitz, Halle, Hannover, Münster, Neunkirchen, Neuwied, Nordhorn, Salzburg, Schmiding (G. f. fulvescens), Straubing, Stuttgart, Tallinn, Walsrode.

Diese Zoos beteiligen sich am Europäischen Zuchtbuch (ESB).

Besonderes: Spanien beherbergt mehr als 80% des europäischen Bestandes. Ursache dafür, dass hier im Gegensatz zum übrigen Europa kein Niedergang der Gänsegeierpopulation stattfand, war, dass ein Gesetz aus dem Jahr 1954, welches das Vergraben eines jeden Tierkadavers vorschrieb, im ganzen Land ignoriert wurde. Außer für Tiere, die auf abgelegenen Weiden umkamen und liegen blieben, hatte jedes Dorf einen festen Platz, zu dem Tierkadaver gebracht und wo sie von Geiern gefressen wurden. Diese hier „Muladares“ genannten Wasenplätze hatten dieselbe Wirkung wie Geierrestaurants. Durch die Förderung der Intensivhaltung durch die EU stiegen die Nutztierbestände und mit ihnen die der Gänsegeierbestand an. 2008 wurden 22'000 Brutpaare erreicht. Als Folge der Vorschriften der EU zur Bekämpfung der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie, die Spanien erst ab 2005 umsetzte, wurden die Kadaver verbrannt und die Muladares aufgegeben. In der Folge suchten die Geier ihre Nahrung auf Müllhalden. Immerhin schuf die EU Aunahmeregelungen, wonach in bestimmten Fällen Kadaver zur Ernährung der Geier offen liegen gelassen werden durften. Davon wurde jedoch nur in bescheidenem Maß Gebrauch gemacht (CAMIÑA CARDENAL, 2011).

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Gänsegeier (Gyps fulvus) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, VdZ
In Frankreich wurde die Alpenpopulation bereits im 19. Jahrhundert ausgerottet, 1946 verschwanden die Geier auch aus dem Zentralmassiv. 1981 wurde ein Wiederansiedlungsprojekt begonnen. Heute gibt es wieder einen Bestand von über 450 Brutpaaren. Auch in Italien, wo die Art nur auf Sardinien überlebt hatte, wurden mit Erfolg Wiederansiedlungsprojekte durchgeführt. In den Nachfolgestaaten Jugoslawiens haben etwa 270 Brutpaare überlebt, in Griechenland gibt es eine lebensfähige Population von rund 130 Paaren nur auf Kreta, in Bulgarien wird ein Bestand durch Wiederansiedlung aufgebaut (CAMIÑA CARDENAL, 2011).

In Österreich ist der Gänsegeier seit Langem ein regelmäßiger Sommervogel in den Salzburger Alpen. Der Zoo Salzburg hält deshalb seine Gänsegeier freifliegend. Diese brüten etwa 5 km vom Zoo entfernt. Wilde Geier, die in der Kvarner Bucht in Kroatien brüten und in Salzburg übersommern, verpflegen sich regelmäßig am Futterplatz im Zoo und die Geier des Zoos ziehen mit ihren Artgenossen an die Adria. ... mehr

In Bayern, wo der Gänsegeier bis ins 19. Jahrhundert gebrütet hatte, konnten Vögel der Salzburger Population regelmäßig beobachtet werden (BEZZEL, 1985). Die vermehrten Einflüge von Gänsegeiern ab 2006 nach Deutschland und der Schweiz können damit zusammen hängen, dass Jungvögel aus Spanien versuchen, sich neue Nahrungsquellen zu erschließen, aber auch mit der erfolgreichen Wiederansiedlung von Gänsegeiern in Franreich (CAMIÑA CARDENAL, 2011). In der Schweit war die Art auch im 19. Jahrhundert nicht Brutvogel, sondern es liegen aus der Periode 1812-1885 lediglich 12 Funde oder Beobachtungen vor (STEMMLER, 1932).

Artenschutzprojekte:
Wiederansiedlung des Gänsegeiers in Frankreich   
Wiederansiedlung des Gänsegeiers in Bulgarien   
Wiederansiedlung des Gänsegeiers in Italien  

Wie Gänsegeier gehalten werden (Beispiel):
Geier-Steinbock-Voliere im Tierpark Nordhorn (ZOOLEX Gallery)

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
PFISTERER, A. (2012)
WALDER, S. (2007)

Literatur:
BEZZEL, E. (1985)   
CAMIÑA CARDENAL, A. (2011)
MAUMARY, L. et al. (2007)
STEMMLER, C. (1932)

PD - 16.05.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 2511 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Januar 2016 16:26
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