Keas, Feigen- und Zwergpapageien

Nestorpapageien - Nestor

Kea (Nestor notabilis) im Zoo Halle Kea (Nestor notabilis) im Zoo Halle
Peter Dollinger, VDZ

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien(Psittacinae)
Tribus: Nestorpapageien (Nestorini)

Die innere Gliederung der Papageienvögel folgt der in DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997) verwendeten. Danach bilden die Nestorpapageien ein Tribus der Eigentlichen Papageien, was allerdings von anderen Autoren infrage gestellt wird.

Zu den Nestorpapageien im engeren Sinn gehören zwei Arten, eine dritte, der Dünnschnabelnestor (Nestor productus) von den Norfolkinseln, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Von den noch lebenden Arten ist die eine gefährdet, die andere stark gefährdet. Beide werden in VdZ-Zoos gehalten.

D EN 650

Kaka

Nestor merdionalis
Engl.: The New Zealand Kaka
Franz.: Le Nestor superbe

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Kaka (Nestor meridionalis) in der Wilhelma © Klaus Rudloff, Berlin
Vermutlich gibt es nur noch weniger als 10'000 erwachsene Individuen und der Bestand nimmt rasch ab. Die Bestandesdichte ist namentlich auf der Südinsel tief und die Verbreitung ist lückenhaft geworden, d.h. die Angaben auf unserer Verbreitungskarte reflektieren nicht den letzten Stand der Dinge. Die Art wurde aus diesen Gründen  2012 als stark gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

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Verbreitung des Kaka (Nestor meridionalis); blau relativ rezente Verbreitung, rot: vermutlich augestorben
Verbreitung: Neuseeland (Nord- und Südinsel)

Haltung in VdZ-Zoos:  Stuttgart (N. meridionalis septentrionalis)

Besonderes: Der Kaka kommt in zwei Unterarten vor: Auf der Südinsel Neuseelands lebt die Unterart N. meridionalis meridionalis, auf der Nordinsel N. meridionalis septentrionalis. Er besiedelt Wälder des Tieflandes und der mittleren Höhenlagen. Die Nahrung besteht aus Früchten, Samen, Nektar, Baumsäften und Wirbellosen.

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Kaka (Nestor meridionalis) in der Wilhelma © Klaus Rudloff, Berlin
Genistet wird in natürlichen Höhlen in alten, absterbenden oder umgefallenen Bäumen. Das Gelege besteht aus 1-5, meist 4 Eiern, die vom Weibchen während 23-25 Tagen bebrütet werden. Die Jungen werden mit zwei Monaten flügge und sind etwa weitere fünf Monate lang von den Eltern abhängig (HEATHER & ROBERTSON, 2000).

Der erste Balg eines Kaka wurde auf der ersten Reise in die Südsee von Kapitän COOK (1768-1771) gesammelt. Auf COOKs zweiter Reise (1972-1975) malte Johann Georg Adam FORSTER aus Danzig das erste Bild, wissenschaftlich benannt wurde die Art 1788 durch Johann Friedrich GMELIN, Professor an der Universität Göttingen, im Rahmen einer erweiterten Ausgabe von Carl von LINNÉs Systema Naturae als Psittacus meridionalis  (STRUNDEN, 1984).

Die Kakas wurden von den Maoris gejagt, ihr Fleisch gegessen und die roten Bauch- und Unterflügelfedern als Schmuck verwendet (STRUNDEN, 1984). Gefährdet sind sie aber vor allem, weil der 1858 aus Australien nach Neuseeland eingeführte Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) ihre Nester plündert und das in den 1870er Jahren zur Bekämpfung der Kaninchen aus Europa eingeführte Hermelin (Mustela erminea) die brütenden Weibchen tötet (LINDSEY & MORRIS, 2000; BIRDLIFE 2013).

Da Kakas einerseits Holz benagen und andererseits gegenüber dem Publikum sehr vertraut werden sollten weder in den Volieren noch in deren näheren Umgebung giftige Gehölzpflanzen anzutreffen sein (JOHANN, 2005)

Literatur und Internetquellen:
HEATHER, B.D.. & ROBERTSON, H.A. (2000)   
JOHANN, C. (2005)
LINDSEY, T. & MORRIS, R. (2000)
STRUNDEN, H. (1984)
BirdLife International 2013. Nestor meridionalis. The IUCN Red List of Threatened Species. Version 2015.2. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 27 June 2015.

AVIBASE

PD - 27.06.2015; aktualisiert

D VU 650

Kea

Nestor notabilis
Engl.: The Kea
Franz.: Le kéa

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Kea (Nestor notabilis) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, VdZ
Die relativ kleine Population (zwischen 1'000 und 15'000 Individuen) steht unter dem Druck eingeführter Beutegreifer. Die Bestände nehmen ab und die Art gilt seit dem Jahr 2000 als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

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Verbreitung des Keas (Nestor notabilis)
Verbreitung: Neuseeland (Südinsel)

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Bochum, Bremerhaven, Dortmund, Erfurt, Frankfurt, Gossau, Halle, Heidelberg, Leipzig, Marlow, München, Münster, Saarbrücken, Schmiding, Straubing, Stuttgart, Teneriffa-Puerto-de-la-Cruz, Walsrode, Wien-Schönbrunn

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Kea (Nestor notabilis) im Zoo Halle© Peter Dollinger, VdZ
Besonderes: Die europäische Erstzucht der außerordentlich verspielten Keas gelang dem Zoo Zürich im Jahr 1964. HEDIGER (1965) führte dies, neben dem Vorhandensein einer ungestörten Nisthöhle, auf das vielseitige Futterangebot zurück, das Klee, Weidenzweige, Möhren, Erdnüsse, gekeimte Gerste, Salat, Sonnenblumenkerne etc., aber auch Fleisch - bisweilen bis 600 Gramm Kalbfleisch pro Tag - umfasste.

In ihrer Heimat ernähren sich die Keas vorab von pflanzlicher Kost. Manche haben sich aber auf Eier von Sturmvögeln oder 218-003-001-003 nestor notabilis wilhelma
Junge Keas (Nestor notabilis) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhrlma
Siedlungsabfälle spezialisiert oder fressen lebende Schafe an. Keas sind sehr neugierig und wenig scheu. Auf Parkplätzen verursachen sie bisweilen Schäden indem sie Scheibenwischer oder Antennen demontieren oder Gummiteile zerstören (HEATHER & ROBINSON, 1996).

Dass Keas lebende Schafe anfallen, geschieht nur selten und der Schaden, den sie anrichten rechtfertigt die Vernichtungskampagnen nicht, die während der ersten Hälfte des 20. Jahhunderts von der neuseeländischen Regierung durch Prämien gefärdert wurden und die Art an den Rand der Ausrottung brachten. Von 1920-28 sind mehr als 29'000 Keas getötet worden, von 1943-45 beinahe 7'000 (STRUNDEN, 1984).

In Menschenobhut können Keas über 40 Jahre alt werden (BROUWER et al. 2000). Da sie einerseits Holz benagen und andererseits gegenüber dem Publikum sehr vertraut werden sollten weder in den Volieren noch in deren näheren Umgebung giftige Gehölzpflanzen anzutreffen sein (JOHANN, 2005)

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BROOCKMANN, L. (2010)  
DOSKY, VON, V. (2016)
RAHDE, T. (2007)
RAHDE, T. (2014)

Literatur:
BROUWER, K., JONES, M. L., KING, C. E. und SCHIFTER, H. (2000)
HEATHER, B.D.. & ROBERTSON, H.A. (2000)
HEDIGER, H. (1965)
 
JOHANN, C. (2005)
STRUNDEN, H. (1984)
        
PD - 01.12.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 2958 mal Letzte Änderung am Dienstag, 31 Mai 2016 09:47
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