Einheimische Amphibien

Europäische Laubfrösche

Laubfrosch im Alpenzoo Innsbruck Laubfrosch im Alpenzoo Innsbruck
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Familie: Laubfrösche (Hylidae)

D LC 650

Laubfrosch

Hyla arborea
Engl.: The Common Tree Frog
Franz.: La rainette verte

403-007-016-024 hyla arborea goldau PD
Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea) im Schauterrarium der Zuchtstation des Natur- und Tierparks Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Weltweit noch nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). In Deutschland, Österreich und der Schweiz je nach Region gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht, an vielen Standorten bereits verschwunden. So war z.B. der Laubfrosch in der Nordwestschweiz noch vor einem halben Jahrhundert so häufig, dass man sich an den massenhaft rufenden Männchen störte und die Bestände kurzerhand mit DDT vergiftete. Die Ruhe war dauerhaft. In Liechtenstein gefährdet wegen Einwanderung des Seefroschs.

403 007 016 024 hyla arborea map
Approximative Verbreitung europäischer Laubfrösche. Dinkelblau: Hyla arborea; rot: Hyla intermedia; dunkelgrün: Hyla meridionalis
Der Laubfrosch fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist in Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

403-007-016-024 hyla arborea goldau PD1
Laubfrösche (Hyla arborea) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Verbreitung: West-, Mittel- und Osteuropa. Südlich der Alpen leben die morphologisch und ökologisch sehr ähnlichen Hyla intermedia und Hyla meridionalis.

Taxonomie: Bis 1995 wurden alle Laubfrösche der Schweiz als Hyla arborea bezeichnet. Dann wurde festgestellt, dass die Laubfrösche des Tessins und der Bündner Südtäler zu Hyla intermedia BOULENGER, 1882 gehören, dem Italienischen Laubfrosch, der zum Mittelmeerlaubfrosch (Hyla meridionalis) überleitet.

403-007-016-024 hyla arborea goldau PD3
Wegweiser zum Laubfroschhaus im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Haltung in VdZ-Zoos:
Augsburg, Berlin-Zoo-Aquarium, Düsseldorf, Goldau, Köln, Schwerin, Wien-Schönbrunn

Biologie: Dank den Haftscheiben an ihren Zehen sind die meist laubgrün, seltener grau oder braun gefärbten Laubfrösche ausgezeichnete Kletterer, die hoch in die Bäume hinaufsteigen. Laichzeit ist hauptsächlich der Monat Mai. Das Weibchen legt 4-10 haselnussgroße Klumpen von 30-80 Eiern ab, meist in der Vegetation am Gewässerrand. Die Larven schlüpfen nach ein bis zwei Wochen. Sie kommen je nach Temperatur nach zwei bis drei Monaten zur Metamorphose. Frisch metamorphosierte Jungtiere haben eine Länge von 11-21 mm.

Bereits mit zwei Jahren werden die nun 3-6 cm grossen Laubfrösche geschlechtsreif. Obwohl sie 6-7 Jahre alt werden können, beteiligen sie sich meistens nur einmal am Laichgeschäft.

Lebensraumansprüche: Der Laubfrosch ist eine wärmeliebende Art, die in höher gelegenen Regionen des Alpenraums oder der Mittelgebirge fehlt und erst spät im Jahr aktiv wird. Die Laubfrösche verbringen ihr Leben weitgehend an Land. Zum Laichen benötigen sie in größeren Zeitabständen trocken fallende, pflanzenreiche Kleingewässer, vorzugsweise in größeren Feuchtgebieten. Sie besiedeln rasch neu entstandene Gewässer, die sie einige Jahre bewohnen, um dann oft wieder zu verschwinden.
        
Landlebensraum: sonnige Plätze mit dichter Vegetation wie Ufergehölze, Hecken oder gebüschreiche Waldränder, bis zu 1 km vom Laichgewässer entfernt.

Besondere Schutzmaßnahmen: Erhaltung und Unterhalt der Laichgewässer, Schaffen neuer Gewässer, Anlegen von Hecken, Vernetzung der Lebensräume. Eventuell Ansiedlung in neuen oder verwaisten Laichgewässern.

Schutzprojekte:
Natur- und Tierpark Goldau: Schaffen neuer Lebensräume für Amphibien im Zoogelände ...mehr
Natur- und Tierpark Goldau Wiederansiedlung am Lauerzer SeeTiergarten ...mehr
Nürnberg: Zucht und Wiederansiedlung ...mehr
Tiergarten Schönbrunn, Wien: Sichere Amphibienwanderung ermöglichen ...mehr

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
MEYER, V. (2008)

Literatur:
KÜHNIS, J. (2011)
MEYER et al. (2009)

Weitere Informationen
KARCH-Datenblatt

PD - 24.09.2008; mehrfach aktualisiert

Zurück zu einheimische Amphibien

Weiter zu Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)

Gelesen 4817 mal Letzte Änderung am Dienstag, 25 Oktober 2016 14:38
© Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. hyperworx