Lebensraum Zoo

Einheimische Gehölze im Zoo - Sträucher

Früchte tragender Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata) Früchte tragender Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata)
© Peter Dollinger, VdZ

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Blühender Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata) © Peter Dollinger, VdZ
Bei der gärtnerischen Gestaltung eines Zoos wird in der Regel eine vielseitige, halboffene Parklandschaft mit Einzelbäumen, Baumgruppen, Hecken, Gras- und Wasserflächen (SALZERT, 2010). Sträucher sind in diesem Zusammenhang namentlich als Bestandteile von Hecken wichtig.

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Johannisbeerstrauch (Ribes rubrum) © Peter Dollinger, VdZ
Hecken sind, z.B. als Sichtblenden zwischen oder als Hintergrund von Gehegen sowie zur Auflockerung langer Gehegefronten, in so gut wie jedem Zoo vorhanden. Wo nicht eine besondere botanische Aussage in Zusammenhang mit den gehaltenen Tieren beabsichtigt ist, wie z.B. die Pflanzung von Rhododendren in oder bei  Pandagehegen, bietet es sich an, vorzugsweise einheimische Gehölze zu verwenden. Denn nur diese gewähren eine volle Vernetzung mit Bodenlebewesen, Pilzen, Begleitpflanzen und daraus resultierende Lebensraumangebote für die heimische Tierwelt. Zu beachten ist allerdings, dass viele einheimische Sträucher ganz oder in Teilen mindergiftig oder giftig sind und deshalb nicht in Reichweite gehaltener Tiere gepflanzt werden sollten.

Die Bedeutung für die Biodiversität einiger Arten:

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Stachelbeerstrauch (Ribes uva-crispa) © Peter Dollinger, VdZ
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Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus) © Peter Dollinger, VdZ
Beim Liguster (Ligustrum vulgare) werden die Blüten von verschiedenen Schmetterlingsarten aufgesucht und sind Pollenlieferant für Honig- (Apis mellifera), Sand- (Andrena spp.) und Furchenbienen (Lasioglossum spp.), die Blätter sind Nahrung nicht nur für die Raupen des Ligusterschwärmers (Sphinx ligustri) und der Ligustereule (Craniophora ligustri), sondern auch des Totenkopfschwärmers  und weiterer Schmetterlingsarten, und die Beeren werden von über 20 Vogelarten und mehreren Kleinsäugerarten verzehrt.

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Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) in Blüte © Peter Dollinger, VdZ
Der leicht giftige, wegen des unangenehmen Geruchs seiner Blätter von Pflanzenfressern aber meist gemiedene  Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist nach der Vogelbeere die wichtigste einheimische, Futterpflanze für die Vogelwelt. Insgesamt  nutzen  62  Vogelarten  und  8  verschiedene  Säugetiere  die  schwarzen Beeren  als  Nahrungsquelle.  Nebst  den  Früchten  werden  auch  die  Blätter  von zahlreichen  Insekten  begangen.  Die  Blüten  stellen  im  Frühjahr  eine  wichtige Bienennahrung dar. Mit  seiner  mässig  dichten  Kronenform  dient  der  Holunder  zudem  zahlreichen Vogelarten als Nistplatz und Versteck (WSL).

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o Besenginster (Cytisus scoparius) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, VdZ
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Lambertshasel (Corylus maxima)mit männlichen Blütenkätzchen © Peter Dollinger, VdZ
Besenginster (Cytisus scoparius) und Echte Ginster (Genista spp.) sind Pollenlieferante, die von Hummeln oder großen Bienen bestäubt aber auch von kleineren Bienen und pollensammelnden Käfern besucht werden und deren Saft Nahrung der Ginsterzikade (Gargara genistae) ist.

Die nektar- und pollenreichen Blüten der Kornelkirsche (Cornus mas) sind ineben der Salweide erste Nahrung des Jahres für Honig- und Wildbienen. Auch Fliegen und Käfer,  wie z.B. der Flache Glanzkäfer  (Epuraea depressa) nutzen Pollen und Nektar. Die Früchte werden von Vogelarten wie Kleiber, Kernbeißer, Geimpel und Eichelhäher sowie von Kleinsäugern wie Haselmaus und Siebenschläfer gefressen.

Auch die Hasel (Corylus avellana) ist als Frühblüher ein wichtiger Pollenlieferant für Honigbienen und ihre Nüsse dienen im Herbst und Winter den Eichhörnchen, Haselmäusen, Schläfern, Mäusen, Kleibern und Eichelhähern als Nahrung. Die nahe verwandte Lambertshasel (Corylus maxima) von der türkischen Schwarzmeerküste erfüllt in ökologischer Hinsicht denselben Zweck.

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Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, VdZ
Ausschließlich auf Sträuchern der Gattung Viburnum   lebt der Schneeballblattkäfer (Pyrrhalta viburni). 

Der Schwarzdorn (Prunus spinosa) ist von großer Bedeutung für etliche Wildbienen und Schmetterlinge. So nutzen z.B. das Tagpfauenauge (Aglais io) den Nektar, die Raupen des gefährdeten Grauen Laubholz-Dickleibspanners (Lycia pomonaria), des Gebüsch-Grünspanners (Hemithea aestivaria) oder des stark gefährdeten Schwalbenwurz-Kleinspanners (Scopula umbelaria) die Blätter, der vom Aussterben bedrohte Hecken-Wollafter (Eriogaster catax) oder der Segelfalter (Iphiclides podalirius). Eine Rüsselkäferart, der Schlehen-Blütenstecher (Anthonomus rufus), lebt als einzige mitteleuropäische Käferart ausschließlich auf der Schlehe und verschiedene andere Käferarten nutzen Blüten, Blätter, Schlehen oder das Holz. Der Schlehdorn ist auch ein wichtiges Brutgehölz für Vögel, die Schlehen werden von etwa 20 Vogelarten gefressen und die Dornen dienen dem Neuntöter zum Aufspießen von Beutetieren.

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Felsenbirne (Amelanchier ovalis) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger
Die Felsenbirne (Amelanchier ovalis) ist eine wichtige Futterpflanzen für mehrere Schmetterlingsarten, darunter der in Deutschland potenziell gefährdete Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi), der gefährdete Obsthain-Blütenspanner (Eupithecia insigniata) und das in Mitteleuropa nur selten und lokalisiert vorkommenden Trauerwidderchen (Aglaope infausta). Sie ist auch von Bedeutung als Bienenweide und ihre Früchte dienen zahlreichen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung.

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Buchsbaum (Buxus sempervirens) © Peter Dollinger, VdZ
Die Blüten des für manche Säugetier- und Vogelarten hoch giftigen (JOHANN, 2005; RIETSCHEL, 2004) Buchsbaums (Buxus sempervirens) sind reich an Nektar und Pollen und werden daher gern von Bienen und Fliegen aufgesucht, zumal die Blüte früh im Jahr beginnt. Die Samen werden von Ameisen gesammelt.

Nachfolgend eine Auswahl geeigneter einheimischer Sträucher und Bäume:

Kleine Sträucher:

o Schwarze Heckenkirsche (Caprifoliaceae: Lonicera nigra) - Vorsicht: leicht giftig
o Alpen-Johannisbeere (Grossulariaceae: Ribes alpinum)
o Schwarze Johannisbeere (Grossulariaceae: Ribes nigrum)
o Felsen-Johannisbeere (Grossulariaceae: Ribes petraeum)
o Rote Johannisbeere (Grossulariaceae: Ribes rubrum)
o Stachelbeere (Grossulariaceae: Ribes uva-crispa)
o Gewöhnliche Felsenbirne (Rosaceae: Amelanchier ovalis) Vorsicht: empfänglich für Mehltau
o Gewöhnliche Steinmispel (Rosaceae: Cotoneaster integerrimus)
o Filzige Steinmispel (Rosaceae: Cotoneaster tomentosus)
o Feldrose (Rosaceae: Rosa arvensis)
o Essig-Rose (Rosaceae: Rosa gallica)
o Zimtrose (Rosaceae: Rosa majalis)
o Besenginster (Fabaceae: Cytisus scoparius) Vorsicht: giftig
o Englischer Ginster (Fabaceae: Genista anglica) Vorsicht: giftig
o Ginster (Fabaceae: Genista germanica) Vorsicht: giftig
o Seidelbast (Thymelaceae: Daphne mezereum) Vorsicht: giftig

Sträucher:

o Grünerle (Betulaceae: Alnus vir11 3 10 0 berberitze N PD1
Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) im Tiergarten Nütrnberg © Peter Dollinger, VdZ
idis)
o Hasel (Betulaceae: Corylus avellana)
o Gewöhnliche Berberitze (Berberidaceae: Berberis vulgaris) - Vorsicht: Giftig außer Beeren
o Buchsbaums(Buxaceae: Buxus sempervirens) - Vorsicht: für manche Tierarten stark giftig, nur außer Reichweite von Equiden und anderen Pflanzenfressern oder von Psittaziden
o Alpen-Heckenkirsche, Rote Doppelbeere (Caprifoliaceae: Lonicera alpigena) - Vorsicht: Früchte giftig
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Roter Hornstrauch (Cornus sanguinea) in Blüte
o Schwarze Heckenkirsche (Caprifoliaceae: Lonicera nigra)
o Rote Heckenkirsche, Rotes Geißblatt (Caprifoliaceae: Lonicera xylosteum) - Vorsicht: Giftig
o Wolliger Schneeball (Caprifoliaceae: Viburnum lantana)
o Gewöhnlicher Schneeball (Caprifoliaceae: Viburnum opulus)
o Schwarzer Holunder (Caprifoliaceae: Sambucus nigra)
o Roter Holunder (Caprifoliaceae: Sambucus racemosa)
o Rote Heckenkirsche (Caprifoliaceae: Lonicera xylosteum)
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Sanddorn (Elaeagnaceae: Hippophaë rhamnoides) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, VdZ
o Pfaffenhütchen, Spindelstrauch (Celastraceae: Euonymus europaea) - Vorsicht: giftig
o Breitblättriger Spindelstrauch (Celastraceae: Euonymus latifolia) - Vorsicht: giftig
o Kornelkirsche (Cornaceae: Cornus mas) - schwach gigtig
o Roter Hornstrauch (Cornaceae: Cornus sanguinea)
o Sanddorn (Elaeagnaceae: Hippophaë rhamnoides)
o Liguster (Oleaceae: Ligustrum vulgare) - Vorsicht: Beeren für Menschen giftig
o Faulbaum (Rhamnaceae: Frangula alnus) - Vorsicht: giftig
o Kreuzdorn (Rhamnaceae: Rhamnus cathartica) - Vorsicht: giftig
o Eingriffliger Weißdorn (Rosaceae: Crataegus monogyna) - Vorsicht: Feuerbrand-Risiko
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Schwarzdorn (Prunus spinosa) im Tiergarten Nürnberg @ Peter Dollinger, VdZ
o Zweigriffliger Weißdorn (Rosaceae: Crataegus laevigata) - Vorsicht: Feuerbrand-Risiko
o Schwarzdorn (Rosaceae: Prunus spinosa)
o Ackerrose (Rosaceae: Rosa agrestis)
o Hundsrose (Rosaceae: Rosa canina)
o Rotblättrige Rose (Rosaceae: Rosa glauca)
o Bibernellrose (Rosaceae: Rosa pimpinellifolia)
o Weinrose (Rosaceae: Rosa rubiginosa)
o Filzrose (Rosaceae: Rosa tomentosa)
o Apfelrose (Rosaceae: Rosa villosa)
o Zwerg-Mehlbeere Rosaceae: Sorbus chamaemespilus)
o Purpurweide (Salicaceae: Salix purpurea)
o Pimpernuss (Staphyleaceae: Staphylea pinnata)

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Hundsrose (Rosa canina) in Blüte © Peter Dollinger, VdZ

Literatur und Internetquellen:
JOHANN, C. (2005)   
LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)
RIETSCHEL, W. (2004)
SALZERT, W. (2010)

BAUMKUNDE
EINHEIMISCHE HECKENPFLANZEN 
GEHÖLZARTEN - WSL

Siehe auch:

"Der Tierpark Hellabrunn als Teil des FFH-Gebiets Oberes Isartal"
"Was lebt in der Benjeshecke"

PD - 18.04.2016

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Gelesen 791 mal Letzte Änderung am Samstag, 04 Juni 2016 13:47
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