Paviane

Mandrill

Mandrill im Zoo Augsburg Mandrill im Zoo Augsburg
© S. Jansen, Zoo Augsburg

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen  (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

Die Gattung der Backenfurchen- oder Waldpaviane (Mandrillus) umfasst zwei Arten, von denen die eine gefährdet, die andere stark gefährdet ist. In VdZ-Zoos werden beide Arten gehalten.

D VU 650

Mandrill

Mandrillus sphinx
Engl: The Mandrill
Franz.: Le mandrill

Mandrill (Mandrillus sphinx) im Zoo Dresden © Peter Dollinger, VdZ
Mandrill (Mandrillus sphinx) im Zoo Dresden © Peter Dollinger, VdZ
Der Mandrill ist zweifellos selten, aber es gibt keine verlässlichen Bestandesschätzungen. Es wird jedoch angenommen, dass die Bestände abnehmen und die Art wird daher als gefährdete Tierart eingestuft. (Rote Liste: VULNERABLE)

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Verbreitung: Zentralafrikanischer Regenwald: Äquatorial-Guinea, Gabun, Kamerun, Kongo.

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Verbreitung des Mandrills (nach Roter Liste der UCN)
Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Berlin-Zoo, Dresden, Duisburg, Hamburg, Hamm, Herberstein, Magdeburg, München, Rostock, Saarbrücken, Ueckermünde

Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1999.

Wie Mandrills gehalten werden (Beispiel): Afrikahaus im Zoo Dresden

Mandrills im Zoo Dresden © Peter Dollinger, VdZ
Mandrills im Zoo Dresden © Peter Dollinger, VdZ
Besonderes: Mandrills gehören mit ihrer grell-rot und blau gefärbten Gesichtszeichnung, umrahmt von einem gelb-orangefarbenen Kinn und Wangenbart, zu den buntesten Altweltaffen. Am kontrastreichsten gefärbt ist der dominante Mann eines Rudels, der sich (unter Zoobedingungen) in der Regel als einziger mit den Weibchen paart. Je mehr sich ein Mandrill erregt, umso leuchtender werden diese Farben. Die Funktion der lebhaften Farben dürfte wohl in erster Linie dem Abschrecken möglicher Gegner dienen. Der furchterregende Eindruck, den die erwachsenen Männchen dabei zum Ausdruck bringen, wird außerdem noch durch ein Drohgähnen verstärkt, bei dem der Mandrill sein mächtiges Gebiss zeigt.

Somit lässt sich ein Kampf und das Risiko106-008-004-002 mandrillus sphinx dresden presse
Mandrill (Mandrillus sphinx) mit Jungtier im Zoo Dresden © Pressefoto Zoo Dresden
einer ernsten Verletzung häufig bereits im Vorfeld vermeiden. Dies erlaubt es, Mandrills in kopfstarken Gruppen bestehend aus Tieren beiderlei Geschlechts zu halten, wie dies etwa im Allwetterzoo Münster oder in Hagenbeck's Tierpark der Fall ist.

Im Freiland bleiben Weibchen vermutlich zeit ihres Lebens in der Geburtsgruppe, während Männchen mit Erreichen der Geschlechtsreife abwandern. Beide Geschlechter bilden lineare Hierarchien aus. Gruppen bestehen aus Junggesellen oder aus Weibchen mit ihren Nachkommen und relativ wenigen geschlechtsreifen Männern. Temporär finden sich die Tiere zu riesigen, Mandrill im Zoo Augsburg © Bretschneider, Zoo Augsburg
Mandrill im Zoo Augsburg © P. Bretschneider, Zoo Augsburg
viele hundert Individuen umfassenden Horden zusammen, was möglicherweise mit der ausgeprägten Saisonalität der Fortpflanzung zuammenhhängt (KREBS, 2008).

Eine der wenigen Studien an freilebenden Mandrills zeigt, dass in Monaten mit hoher Fruchtreife der Fruchtanteil an der Nahrung fast 90 % ausmacht. Der Rest besteht zu etwa gleichen Teilen aus Blättern und tierischem Protein. In Monaten mit geringer fruchtreife macht der Fruchtanteil immer noch mindestens 70 % aus.  Bei geringer Verfügbarkeit von Früchten werden ver106-008-004-002 Franz Marc 1913 DerMandrill
Franz Marc /1913) Der Mandrill. Staatsgalerie für moderne Kunst, München
mehrt Samen, Blätter, Gräser, Baumrinde, Wurzeln und tierisches Eiweiß, wie Amphibien, Jungvögel, Vogeleier konsumiert. Es gibt auch einen Bericht über gemeinsame Jagd einer Mandrillgruppe auf einen Schwarzrückenducker (KREBS, 2008).

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird behauptet, dass für die Haltung von Mandrills Einmännchen-/ Vielweibchen-Gruppen erforderlich seien und daher heranwachsende Männchen rechtzeitig aus der Gruppe entfernt werden müssten. Tatsächlich leben Mandrills im Freilandaber in sehr großen Mehr-Männer-mehr–Weibchen-Gruppen. Im Zoo ist die Haltung von Gruppen mit mehreren erwachsenen Tieren beider GeschlechHistZoo 1-7-1 mandrill augsburg
Berwolff (Mandrillus sp.) aus Augsburg. Aus Conrad Gesners Thierbuch
ter möglich und wird erfolgreich praktiziert. Da Mandrills überwiegend frugivore Regenwaldbewohner sind, ist eine Fütterung mit Gras, Heu und Heupellets, wie sie das Gutachten vorgibt, nicht artgemäß.

Kulturelle Bedeutung: Die Buntheit des Mandrills hat Franz MARC (1880-1916), einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts und Mitbegründer des deutschen Expressionismus 1913 zu seinem Bild "Der Mandrill" inspiriert, das heute in der Staatsgalerie für moderne Kunst in München zu sehen ist.

Bereits Conrad GESNER hat den Mandrill - oder den Drill -1553 als "Ber- oder Affenwolff" in seiner "Historia animalium" beschrieben und illustriert: "... An seinen füssen hat es finger als der mensch / und so man ihm deutet soMandrill als Darsteller in Broekman's Affentheater. Die Gartenlaube (1870)
Mandrill als Darsteller in Broekman's Affentheater. Die Gartenlaube (1870)
keert er den arß dar."

Der Begriff "Affentheater" kommt entgegen allen Vermutungen nicht etwa aus der Politik, sondern aus dem Schaugeschäft. So warb der italienische (?) Schausteller Louis CASANOVA in der Basler "National-Zeitung" vom 4. November 1855 oder in der Wiener Zeitung vom 11. Mai 1856 für sein "Affen-Theater", in dem jeden Nachmittag zwei große Vorstellungen des "vierfüßigen Künstler-Vereins" geboten wurden. Wie man sich eine solche Darbietung vorzustellen hat (zur selben Zeit gab es noch das "Niederländische Affentheater" der Schaustellerfamilie BROEKMANN) , erfährt man aus dem "Leipziger Tageblatt" vom 29. September 1858 (zitiert nach http://www.schaubuden.de/):

"Wir beginnen mit den Künsten der beiden großen Mandrills. (...) Diese wilden Afrikaner treten als Soldaten auf, zeigen ihren Paß vor, den sie selbst aus der Tasche ziehen und öffnen, sie exercieren auf Commando, feuern das Gewehr ab, spielen Geige und schlagen die Becken, ziehen den Säbel und stecken ihn wieder in die Scheide und höchst possierlich ist es, wenn sie beim Exerzieren nach ihrem kleinen Chako greifen, um ihn nicht zu verlieren. (…) Nicht minder bewundernswert sind die Leistungen der vierfüßigen Künstler als Kunstreiter...

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BIRKENPASCH, K. (1977)
HEUERMANN, K. (2011)   
LENZ, S. (2015)

Literatur:
BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
KREBS, E. (2008)

PD - 17.01.2009; mehrfach aktualisiert

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