Aktuelles aus den VdZ-Zoos

Natur- und Artenschutz im August 2016

Amurleopard im Zoo Leipzig Amurleopard im Zoo Leipzig
© Zoo Leipzig

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Pokémonjäger erspielen Geld für Artenschutz

PM 2016 08 30 WUP Pokemon
Pokémon im Zoo Wuppertal © Zoo Wuppertal
Wuppertal, 30.8.16. Nach einer Sonderveranstaltung mit einer "Pokémonjagd" im Zoo Wuppertal können dem Forschungs- und Artenschutzprojekt für Schwarzfußkatzen in Südafrika rund 1.100 Euro zur Verfügung gestellt werden.

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Fledermäuse in Hellabrunn

PM 2016 08 25 MUE Fledermaus
Fledermaus © Tierpark Hellabrunn/Fran Wiesner
München, 25.8.16. Im Spätsommer, wenn viele heimische Fledermausarten nach geeigneten Winterquartieren suchen, die ihnen für die kühleren Monate ausreichend Schutz bieten, sind Fledermäuse auch in freier Natur besonders gut zu beobachten. In München leben acht Fledermausarten, darunter der Große Abendsegler, die Wasserfledermaus und die Zwergfledermaus. Man kann sie besonders im Bereich der Isar, in Parks, in Friedhöfen, aber auch in Wohngebieten, an oder in Gebäuden oder in hohlen alten Bäumen beobachten. Die kleinsten heimischen Arten, wie zum Beispiel die Zwergfledermaus, passen mit drei bis sechs Gramm Körpergewicht bequem in eine Streichholzschachtel – schwerer als 30 bis 40 Gramm werden übrigens auch die größten heimischen Arten nicht.
Fledertiere sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Einmalig ist auch ihr Orientierungssinn: Sie loten mittels Echoortung im Ultraschallbereich ihre Umgebung aus und hören dadurch sowohl Hindernisse als auch Beutetiere. Auch wenn sie nur selten zu beobachten sind, so erfüllen Fledermäuse äußerst wichtige ökologische Funktionen, ob als Bestäuber oder Mückenjäger. Die in Bayern lebenden Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten, was sie zu äußerst nützlichen Schädlingsbekämpfern macht. So frisst eine einzige Wasserfledermaus im Laufe eines Sommers etwa 60.000 Mücken.
Insgesamt kommen in Bayern mehr als 20 verschiedene Arten vor, von denen die meisten aufgrund unterschiedlicher menschlicher Einflüsse vom Aussterben bedroht sind. Als Hauptursachen gelten der Verlust von Fledermausquartieren sowie von geeigneten Nahrungsgebieten und Flugrouten und die Gefährdung durch Umweltgifte und Holzschutzmittel. Deshalb stehen Fledermäuse auch unter strengem Schutz. Wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, erfährt man am 27. und 28. August jeweils von 11-17 Uhr vor der Fledermausgrotte des Tierparks Hellabrunn.

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Schönbrunner Schmutzgeier fliegen jetzt durch Bulgarien

PM 2016 08 25 WIEN Schmutzgeier
Schmutzgeier © Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky
Wien, 25.8.16. Sommerzeit ist Reisezeit. Für die beiden Schönbrunner Schmutzgeier Regina und Elodie hat am 9. August eine spannende Reise begonnen. Aber mit One-Way-Ticket. Ihr Ziel: Bulgarien. Allerdings nicht der Goldstrand, sondern der Naturpark „Rusenki Lom“. Die beiden Schmutzgeier-Weibchen und ein Männchen aus Paris sind die ersten Schmutzgeier, die im Rahmen eines großen Projektes in Bulgarien wiederangesiedelt werden. „Die Erhaltungszucht von bedrohten Tierarten ist eine wichtige Aufgabe von Zoos. Der Schmutzgeier gilt als stark gefährdet, seine Bestände haben massiv abgenommen. Es gibt nur noch rund 30.000 Individuen. Wir freuen uns, dass unsere Nachwuchsgeier Teil dieses Wiederansiedlungsprojektes sind“, so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter.
Mittlerweile sind die drei Geier bereits im Naturpark und gewöhnen sich dort ein einem künstlichen Nest an die neue Umgebung. Die ersten Tage bleiben sie im Nest, bevor sie ausfliegen. Der Ort des Nestes wurde natürlich gezielt ausgewählt. Ganz in der Nähe lebt ein älteres Geierpaar. Es soll den Jungvögeln beim Start in der Wildnis etwas unter die „Flügel greifen“, ihnen zeigen, wo es gute Futter- und Ruheplätze gibt und sie vor allem im Herbst mit auf die Reise ins Überwinterungsgebiet in Afrika nehmen. Die Vögel sind mit kleinen Satellitensendern ausgestattet, um ihr Leben und den Erfolg der Wiederansiedlung zu verfolgen. Bereits seit vielen Jahren stellt der Tiergarten Schönbrunn Bartgeier und Habichtskäuze, die hier geschlüpft sind, für Wiederansiedlungsprojekte zur Verfügung. Mit dem Schmutzgeier ist es nun die dritte Greifvogelart des Tiergartens, die ausgewildert wird. Das Wiederansiedlungsprojekt der Schmutzgeier ist eine Zusammenarbeit des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) der Europäischen Zooorganisation (EAZA) mit der Vulture Conservation Foundation  (VCF) und der Bulgarischen Gesellschaft zum Schutz der Vögel (BSPB).

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Zoo Karlsruhe gründet eigene Artenschutzstiftung

PM 2016 08 23 KAR Artenschutzstiftung
Dr. Reinschmidt markiert den Spendenstand. Dieser liegt bei rund 18.000 Euro. © Zoo Karlsruhe
Karlsruhe, 23.8.16. Der Zoo Karlsruhe hat eine eigene Artenschutzstiftung. „Wir möchten alle am Thema Interessierte zusammenbringen, Artenschutzprojekte initiieren und die Projekte in den Ursprungsländern mit den lokalen Aktivitäten in Karlsruhe vernetzen“, betonte Bürgermeister Michael Obert bei der Vorstellung der Stiftung am Dienstag im Exotenhaus des Zoologischen Stadtgartens. „Die Daseinsberechtigung eines modernen Zoos hat viel mit Artenschutz zu tun“, hebt Obert auf den Einsatz der Zoos zum Erhalt der Tierarten ab. Im Stiftungsrat wird Obert den Vorsitz übernehmen.
„Der Zoo ist der größte Multiplikator für den Artenschutz“, weiß Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt, Vorsitzender des Stiftungsvorstands, um die Chance, die die beliebte Erholungseinrichtung Zoologischer Stadtgarten für die Sensibilisierung in Sachen Artenschutz und Wissensvermittlung bietet. „Mit der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe dokumentieren wir den Stellenwert, den wir dem Erhalt von Tieren und Naturräumen auf allen fünf Kontinenten beimessen“, hob Reinschmidt die „historische Bedeutung“ der Gründung hervor. 

Baustein im Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten
Der Natur- und Artenschutz ist im Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten als ein wesentlicher Baustein verankert. Das Konzept, das der Gemeinderat im März beschlossen hatte, sieht vor, dass unter anderem der Dialog zwischen Mensch und bedrohtem Tier künftig noch stärker im Mittelpunkt der Arbeit des Zoos stehen soll. Zweck der Stiftung ist die Förderung des weltweiten Artenschutzes durch Erhaltung der biologischen Vielfalt. Die Stiftung fördert Maßnahmen, die dem Tierschutz, dem Umweltschutz, der Bildung und Wissenschaft und Forschung dienen und ist eng mit dem Zoo Karlsruhe verzahnt. Bereits aktiv vor Ort im Artenschutz ist der Zoo in Ecuador und Sri Lanka.
„Werden Sie symbolischer Regenwaldbesitzer“
„Jetzt geht es richtig los“, freut sich der Kurator Artenschutz im Zoo Karlsruhe, Dr. Clemens Becker, über den offiziellen Startschuss der Stiftung. Es gelte, die Stiftung mit Leben zu füllen. Becker ist zusammen mit Reinschmidt Vorstand der Artenschutzstiftung - und möchte nun möglichst viele Menschen gegen eine Spende im ersten Stiftungsprojekt in Ecuador zum „symbolischen Regenwaldbesitzer“ machen: „Wir brauchen 220.000 Euro, um gemeinsam mit Ihnen 35 Hektar Regenwald- und Weidefläche in Los Bancos in Ecuador für unser Projekt zu erwerben“ , warb er um Unterstützer.

Karlsruher Artenschutz-Plattform
Mit der Bereitstellung des Stiftungskapitals (60.000 Euro) haben die Volksbank Karlsruhe sowie das Steuerberaterbüro Maisenbacher Hort + Partner die „Karlsruher Artenschutz-Plattform“ überhaupt erst ermöglicht. „Wir freuen uns sehr, dass wir im ersten Jahr unserer langfristig angelegten Kooperation einen Beitrag zur Gründung der ‚Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe‘ leisten können“, betonte Andreas Lorenz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Karlsruhe. Einen Sponsoring-Etat von 100.000 stellt das Karlsruher Bankunternehmen jährlich dem Zoo zur Verfügung, die Hälfte des diesjährigen Betrags fließt ins Stiftungskapital. „Denn die Arbeit eines modernen Tierparks darf nicht an Gehegen Halt machen. Es gilt vielmehr, die Besucherinnen und Besucher sowohl für den Schutz bedrohter Tierarten im Freiland als auch für den Erhalt der biologischen Vielfalt insgesamt zu sensibilisieren“, so Lorenz, der auch im Stiftungsrat sein Knowhow einbringen wird. „Mit unserem finanziellen Engagement möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass der Zoologische Stadtgarten den Karlsruherinnen und Karlsruhern noch sehr lange als das zentrale Naherholungsgebiet erhalten bleibt“, fügte er an.
Bereits beim Karlsruher Klimaschutzfond half das Büro Maisenbacher Hort + Partner, diesen als „Leuchtturmprojekt  steuerlich aus der Taufe zu heben“. „Nachhaltigkeit ist uns ein großes Anliegen“, begründete Bernd Maisenbacher, weshalb „sein Büro mit langer Unternehmenstradition“ nach der steuerlichen Beratung bei der Gründung der Artenschutzstiftung entschloss, sich selbst mit 10.000 Euro in der Stiftung zu engagieren. Verbunden mit dem Wunsch, als Mitbegründer der Stiftung „der nächsten Generation etwas weiterzugeben und mit dazu beizutragen, dass unsere Enkel die ganze Vielfalt der Arten erleben dürfen.“
Fachlicher Begleiter und engagierter Mitstreiter in Sachen Klima- und Artenschutz ist Dirk Vogeley, Geschäftsführer der KEK – Karlsruher Energie- und Klimaagentur. Mit Herzblut werde er weiterhin als fachlicher Berater und künftig auch als Mitglied im Stiftungsrat tätig sein. „Die KEK ist derzeit in Ecuador aktiv in Sachen Klimaschutz dabei, durch Wiederaufforstung von Weideflächen Kohlendioxid in Holz zu binden“, so Vogeley. Dabei seien Klimaschutz und Biodiversität zwei Seiten einer Medaille. „2350 Tiere und Pflanzen Ecuadors stehen auf der ‚Roten Liste‘ der bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Der Andenstaat steht damit an der Spitze aller Staaten weltweit, erläutert Vogeley, warum das Stiftungs-Engagement dort richtig eingesetzt ist.

Botschaftertiere im Zoo Karlsruhe
Das Pendant für das in vielerlei Hinsicht auf Nachhaltigkeit angelegte Ecuador-Projekt ist das Exotenhaus. Sie sind Botschafter-Tiere für die Artgenossen in den Ursprungsländern. So wie die Karlsruher Elefanten mit ihrer Altersresidenz nicht nur für ein Tierschutzprojekt im Zoo Karlsruhe stehen, sondern auch für die Beteiligung der Artenschutzstiftung in Sri Lanka. In der Auffang- und Auswilderungsstation für verwaiste Elefanten in Udawalawe wurde dort kürzlich ein über Jahre hinweg gepflegtes Jungtier zurück in die freie Natur gebracht. Ausgestattet mit einem von Karlsruhe finanzierten Halsband mit Satellitensender. Mit diesem können die Verantwortlichen verfolgen, wie der Elefant, der mit weiteren drei Tieren ausgewildert wurde, sich seinen Lebensraum zurückerobert.

Eigener Internetauftritt der Stiftung
Weitere Informationen zur Stiftung und den ersten beiden Projekten in Ecuador und Sri Lanka finden Interessierte auf der Homepage der Artenschutzstiftung unter www.karlsruhe.de/artenschutz.

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Luchs fühlt sich wohl in der neuen Heimat

München, 23.8.16. Das 14 Monate alte Luchs-Weibchen "Paula" ist am vergangenen Freitag vom Münchner Tierpark Hellabrunn nach Polen umgezogen, wo sie im Rahmen eines Auswilderungs-Projektes die Basis für die Wiederansiedelung des Luchses in Pommern legen soll.
"Paula" hat die Reise in ihre neue Heimat nach Westpolen problemlos überstanden und sich über das Wochenende schon sehr gut in ihrem neuen Gehege eingelebt. Das Luchs-Weibchen erkundet die Umgebung bereits entspannt und scheut sich nicht vor den neugierigen Blicken der Besucher, die Paula umgehend kennenlernen wollen.
Im Rahmen des Auswilderungsprojektes in Westpommern wird Paula gemeinsam mit Luchs-Kater Gabryś und zwei bis drei weiteren Zuchtpaaren die Basis für die Wiederansiedelung des Luchses in dieser Region legen. Ziel ist es, die Nachzuchten durch entsprechende Aufzucht in Wiederauswilderungsgehegen nach und nach aus der menschlichen Obhut zu entlassen. Dazu gehört auch, den Tieren das eigenständige Jagen erneut beizubringen.
Seit dem 18. Jahrhundert gibt es in der Region Westpommern nur noch wenige freilebende Luchse, was vor allem an der Bejagung und der zunehmenden Zersiedelung durch Straßen, großflächige Felder und Ortschaften liegt, wodurch der natürliche Lebensraum der Luchse zerteilt wird. In Deutschland gibt es seit den 1980er-Jahren unter anderem dank geglückter Auswilderungsprojekte wieder freilebende Luchse im Bayerischen Wald, im Harz und seit neuestem auch wieder im Pfälzerwald.

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Aus dem Opel-Zoo ins hessische Freiland: Nachzuchten der Europäischen Sumpfschildkröte für Wiederansiedlungsprojekt in Hessen

PM 2016 08 16 KRO Schildkroete
Europäische Sumpfschildkröten im Opel-Zoo © Archiv Opel Zoo
Kronberg, 16.8.16. In Zoologischen Gärten findet man nicht nur Exoten wie Elefant, Giraffe, Erdmännchen & Co. Hier werden auch heimische, zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten gezeigt. Für einige von ihnen bestehen Wiederansiedlungsprojekte in verschiedenen deutschen und europäischen Gegenden. „Der Kronberger Opel-Zoo nimmt an solchen Projekten mit Europäischer Wildkatze, Europäischem Nerz, Moorenten, Steinkauz, Habichtskauz und schließlich auch mit der Europäischen Sumpfschildkröte teil“, erläutert Zoodirektor Dr. Thomas Kauffels und berichtet über die neueste Wiederansiedlungsaktion in Hessen.
Die Europäische Sumpfschildkröte ist die einzige Schildkrötenart, die in Mitteleuropa vorkommt, aber ihre Bestände sind stark bedroht; in den Roten Listen Deutschlands und der einzelnen Bundesländer wird sie sogar als „ausgestorben oder verschollen“ eingestuft. Früher wurde sie als Delikatesse bejagt und gehandelt. Selbst in der Fastenzeit war sie begehrt, da sie – wie auch der Biber – als im Wasser schwimmend nicht als Fleisch eingestuft wurde. Heutzutage fehlen ihr die passenden Lebensräume, da geeignete Gewässer trocken gelegt und notwendige Flächen durch den Ausbau des Straßennetzes zerschnitten wurden. Mit dem nicht heimischen Waschbär ist zudem ein neuer Fressfeind aufgetaucht und sie wird von ausgesetzten, nicht heimischen Wasserschildkröten verdrängt.
Der Opel-Zoo  beteiligt sich an Wiederansiedlungsprojekten in Hessen und hat dafür extra Anlagen umgebaut, in deren Schutz die jungen Schildkröten heranwachsen können, bis sie groß genug sind, in die Natur entlassen zu werden. Zusätzlich hält er auch Zuchtpaare, deren Nachwuchs in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Sumpfschildkröte ebenfalls in freier Wildbahn wieder angesiedelt werden soll. Hierfür wurden nun erneut Tiere aus dem Opel-Zoo an die Arbeits¬¬gemeinschaft weiter gegeben, um schon bald im Bereich des Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue am Rhein ausgewildert zu werden.
Im Opel-Zoo sind die Schildkröten an ihrem kleinen Teich in der Voliere der Webervögel an der Zooschule zu finden, wo sie beim Sonnenbaden und Schwimmen gut zu beobachten sind.

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Zoo Heidelberg unterstützt Wiederansiedlungsprojekt des brasilianischen Staates

PM 2016 08 12 HEI Loewenkopf
Goldgelbe Löwenäffchen im Zoo Heidelberg © Heidrun Knigge/Zoo Heidelberg
Heidelberg, 12.8.16. Mit ihrem gelborangenen Fell sind die Goldgelben Löwenäffchen ein leuchtender Hingucker im Zoo Heidelberg. Ihren Namen verdanken sie der prächtigen, goldfarbenen Mähne, die das feingliedrige Gesicht umrahmt. Gerade mal 600 g schwer sind sie die größten Vertreter der Krallenaffen, die wirkliche Zwerge der Primatenfamilie darstellen.
Ihre Heimat liegt im Land der diesjährigen Olympischen Spiele, in den letzten Resten des brasilianischen Küstenregenwaldes. Die Löwenaffen zählen zu den Botschaftern des Naturschutzes, denn der atlantische Küstenregenwald gilt als einer der artenreichsten und am stärksten bedrohten Lebensräume unseres Planeten. Anfang der 80er Jahre wäre diese Primatenart fast komplett ausgerottet worden. Nur durch die Wiederansiedlung von im Zoo geborenen Tieren konnten die Löwenäffchen gerettet werden. So sind die Goldgelben Löwenäffchen ein berühmtes und erfolgreiches Beispiel dafür, wie die Zoos zum Überleben von Tierarten im Freiland beitragen.
Alle Löwenäffchen auf der Welt gehören dem brasilianischen Staat - auch die in Heidelberg lebenden zwei Männchen und das Weibchen. Die Tiere werden von der brasilianischen Naturschutzbehörde an ausgewählte zoologische Gärten verliehen. Die kleinen Primaten gehören zu den ersten Tieren, bei denen die Wiederansiedlung zoogeborener Tiere in freier Wildbahn erprobt wurde. Das dabei gewonnene Wissen ist heute die Basis für Wiederansiedlungsprojekte unterschiedlichster Tierarten auf der ganzen Welt. Nachdem die ersten Ansiedlungen von zoogeborenen Krallenäffchen wenig erfolgreich verliefen, da sich die Löwenäffchen in ihrer ungewohnten neuen Heimat nicht zurechtfanden, werden die Tiere inzwischen vor ihrer Auswilderung intensiv auf die Freiheit vorbereitet. In speziellen Gehegen wird bereits im Vorfeld ein wenig Regenwald simuliert, indem beweglich aufgehängte Äste statt starrer Kletterstangen eingesetzt werden. Durch die Vergesellschaftung mit anderen Tierarten und viel natürlicher Vegetation können sich die Tiere bereits in der Zoowelt auf die Herausforderungen vorbereiten, die im Regenwald auf sie warten.
Mittlerweile kann das Projekt bereits gute Erfolge verzeichnen, die sich zwar nicht in olympischem Gold widerspiegeln, dies aber sicher verdient hätten. Im Rahmen der Wiederansiedlung vieler zoogeborener Löwenäffchen sind bereits neue Populationen in Brasilien entstanden.

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Neue „Kinderstube“ im Tierpark + Fossilium Bochum gewährt Einblicke in die Jungtieraufzucht

PM 2016 08 12 BO Kinderstube
Anhand der „Kinderstube“ werden wichtige Aufgaben des Tierparks, wie Arterhaltung und –schutz sowie Forschung und Bildung verdeutlicht. © Tierpark Bochum
Bochum, 12.8.16. Der Tierpark + Fossilium Bochum eröffnet als neueste Attraktion des Aquarien- und Terrarienhauses eine „Kinderstube“, in der Besucher ab sofort die heranwachsenden, Tierpark eigenen Nachzuchten beobachten können. Dadurch sollen Begeisterung für die Artenvielfalt sowie Verständnis für die Aufgaben der Zoos stärker vermittelt werden. Passend dazu präsentiert der Ruhrgebietszoo stolz den dreifachen Nachwuchs seiner Mertens-Wasserwarane (Varanus mertensi) (wir berichteten) sowie ein Jungtier der Nashornleguane (Cyclura cornuta).
„Wir haben uns der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie verschrieben. Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehören der Erhalt der biologischen Vielfalt, Artenschutz, Forschung und die Bildung einer breiten Öffentlichkeit. Mithilfe der ‚Kinderstube‘ wollen wir unseren Besuchern diese Ziele näher bringen und einen unmittelbaren Einblick in unsere Arbeit gewähren“, erläutert Zoodirektor Ralf Slabik die Idee hinter der neuen Aufzuchtstation und fährt fort: „Wir stehen für Transparenz und Besuchernähe. Unsere ganzjährig einsehbaren Tierhäuser, der verglaste Technikraum der Nordseewelten oder auch die Schaufutterküche, die wir in diesem Frühjahr als erste ihrer Art in NRW eröffnet haben, sind Beispiele dafür, dass wir unseren Besuchern stets eine ungehinderte Beobachtung der tierpflegerischen Arbeiten ermöglichen. Unsere ‚Kinderstube‘ gliedert sich perfekt in dieses Gesamtkonzept ein.“

In der vergangenen Woche gab der Bochumer Tierpark die erfolgreiche Erstnachzucht seiner Mertens-Wasserwarane bekannt. Die kleinen Warane wurden bisher ebenso wie das Nashornleguanjungtier im Quarantänebereich des Terrarienhauses aufgezogen, bevor sie ihren Umzug in die „Kinderstube“ antreten konnten. „Für eine risikofreie Aufzucht der Jungtiere sind kontrollierbare Bedingungen in den ersten Lebenswochen essentiell“, erklärt der zuständige Revierleiter Dominik Töller die Maßnahme. Die neueingerichtete „Kinderstube“ ist optimal an die zoologischen Ansprüche der Reptilien in ihrem aktuellen Entwicklungsstadium angepasst. „Damit wir unsere Zöglinge so selten wie möglich durch tierpflegerische Arbeit stören müssen, haben wir nur pflegeleichte Materialien für die Einrichtung der Terrarien gewählt. Für einen gesunden Stoffwechsel brauchen unsere Nachzuchten eine höhere Umgebungstemperatur als adulte Tiere. So misst die Anlage unter einem extra Wärmespot ca. 33 °C, in den ‚kühleren‘ Bereichen um die 26 °C. Ausreichend Versteckmöglichkeiten, wie Blattwerk und Steine, die für uns Tierpfleger dennoch gut einsehbar sind, sind ebenso wichtig“, so der Reptilienexperte. Besucher finden die Aufzuchtstation zwischen dem großen Aquarium der Schwarzspitzen-Riffhaie und der Biotop-Anlage des Zieglers Bindenwarans. Aufgeteilt auf zwei Etagen, bieten die Terrarien eine kindgerechte Einsicht, damit vor allem kleine Besucher die jungen Echsen gut beobachten können.
Das erste der drei Wasserwaran-Jungtiere schlüpfte am 21. April 2016 nach 263 Tagen Brutzeit im Tierpark + Fossilium Bochum. Der zweite Waran folgte nur wenige Tage später am 26. April, der dritte ließ etwas länger auf sich warten und pellte sich erst am 11. Juni aus dem Ei. Die aquatische Waranart, welche in nur drei weiteren deutschen Zoos gehalten wird, ist in Australien heimisch und dort unter anderem durch die für Fressfeinde giftige Agakqröte potentiell gefährdet.

Das Jungtier der Nashornleguane ist Ende 2015 geschlüpft. Die ausgewachsenen Elterntiere teilen sich im Tierpark eine Anlage mit einer weiteren Reptilienart, den Ameiven. Ihren Namen hat die bedrohte Echsenart drei kleinen Hörnern auf der Schnauze zu verdanken. Mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm und einer Länge von rund eineinhalb Metern gehört der Nashornleguan zu den größten lebenden Echsenarten. Der natürliche Lebensraum der großen Echse beschränkt sich überwiegend auf die karibischen Inseln. In ihrer Heimat werden die Leguane stark bejagt, da sie der Bevölkerung als wichtige Fleischlieferanten dienen. Zum Schutz dieser Reptilien beteiligt sich der Tierpark am Europäischen Zuchtbuch (ESB) für Nashornleguane. Im Rahmen seines Tier- und Artenschutzauftrages ist die gezielte Nachzucht bedrohter Tierarten ein wichtiger Bestandteil der zoologischen Arbeit. Durch die Beteiligung an verschiedenen Zuchtprogrammen, die zoo-übergreifend laufen, werden Reservebestände geschaffen, die den langfristigen Erhalt der Biodiversität sichern sollen. Die bedeutsame Arbeit der Zoos wird offiziell von der Weltnaturschutzunion IUCN anerkannt.

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Hellabrunner Ziegen schaffen blühende Landschaften

PM 2016 08 11 MUEN Ziegenwald
Beweidungsprojekt mit Bulgarenziegen © Stadtofrsten Leipzig
München, 11.8.16. Eine spannende Aufgabe erwartet sechs Girgentana-Ziegen, die 2015 und 2016 im Tierpark Hellabrunn das Licht der Welt erblickten. Gemeinsam mit weiteren Artgenossen werden sie im Rahmen eines Beweidungsprojektes weitläufige Offenlandflächen in und um Leipzig pflegen.
Bereits seit 2013 unterstützt Hellabrunn die Beweidungsprojekte der Stadtforsten Leipzig und entsendet regelmäßig Nachzuchten der Bulgarenziegen und nun erstmals auch Girgentana-Ziegen in den Osten Deutschlands. Im ehemaligen Tagebaugebiet Cospuden bekam die Natur die Möglichkeit sich das Gebiet im gleichnamigen Landschaftspark wieder zurückzuerobern. Neben der gezielten Aufforstung von Waldflächen sollen dort auch wieder Offenlandflächen entstehen, auf denen sich offenland-, licht- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten wieder ansiedeln können. Viele dieser Arten sind inzwischen sehr selten oder sogar vom Aussterben bedroht. Die Stadtforsten Leipzig gehen davon aus, dass es bis zu 150 Jahre dauern wird, bis aus den Abraumflächen des Tagebergbaus wieder vollständig renaturierte Flächen entstehen. Damit dies gelingt, muss das Gebiet gepflegt und von hohem Bewuchs freigehalten werden. Genau hier kommen die Hellabrunner Landschaftspfleger ins Spiel.
Die bisher schon dort eingesetzten Bulgarenziegen gehören zu den bedrohten Haustierrassen. Aufgrund gestiegener Ansprüche an Milchleistung oder Fleischansatz wurden sie in der Agrarwirtschaft durch andere Rassen verdrängt. Dass sie sehr robust und genügsam sind, macht sie zum idealen Besatz für großzügige Offenlandflächen, die ganzjährig beweidet werden müssen.
Nachdem sich der Einsatz der 10 Tiere, die bisher aus dem Hellabrunner Tierpark entsendet wurden, sehr bewährt hat, sollen nun auch Girgentana-Ziegen in das gemeinsame Projekt integriert werden. Girgentana-Ziegen stammen ursprünglich aus Sizilien. Auch sie sind mit einem weltweiten Gesamtbestand von nur noch etwa 700 Tieren hochbedroht.
„Es freut uns sehr, dass wir unseren Tieren diese phantastischen Bedingungen bieten, dieses anspruchsvolle Renaturierungsprojekt aktiv unterstützen und gleichzeitig einen Beitrag zur Bewahrung von bedrohten Haustierrassen leisten können“, fasst Kurator Carsten Zehrer zusammen.

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WWF und Zoo Leipzig starten Zusammenarbeit für bedrohte Großkatzen

Berlin/Leipzig, 08.08.16. Nicht einmal mehr 100 Amur-Leoparden streifen durch die Wälder im Fernen Osten Russlands. Auch ihren Verwandten in der Mongolei, den Schneeleoparden, geht es durch Wilderei und Lebensraumverlust an den Kragen. Zum Schutz dieser beiden seltenen asiatischen Großkatzen arbeiten der Zoo Leipzig und die Naturschutzorganisation WWF künftig enger zusammen. Das teilten die beiden Institutionen in einer gemeinsamen Erklärung mit. Unter dem Motto „Team Leopard Leipzig“ wird es künftig eine Artenschutzkooperation geben, die sowohl den letzten wildlebenden Amur-Leoparden in Russland und der Schneeleoparden in der Mongolei als auch ihren Artgenossen im Zoo Leipzig zugutekommt.
„Der WWF und der Zoo Leipzig schließen sich zusammen, um die Zukunft und das Überleben der bedrohten Großkatzen in Asien zu gewährleisten“, sagt Tania Roach, Mitglied der Geschäftsleitung beim WWF Deutschland. Vor Ort in Russland arbeitet der WWF an Schutzprojekten für die letzten Amur-Leoparden in freier Wildbahn, rüstet Ranger aus und hilft beim Aufbau einer Auswilderungs- und Zuchtstation. In der Mongolei beteiligt sich der WWF an Aufklärungsarbeit, um Konflikte zwischen Nomaden und Schneeleoparden zu entschärfen und gewährleistet durch ein besseres Monitoring etwa mit Fotofallen effektivere Schutzmaßnahmen für die Tiere.

Ihre Artgenossen im Zoo Leipzig sind wichtige Botschafter, um das Bewusstsein der Menschen für den Arten- und Naturschutz zu schärfen und eine Backup-Population bereitzuhalten. Gerade ist es im Zoo gelungen, bei den Amurleoparden Nachwuchs zu bekommen. „Die neue Kooperation unterstreicht das Engagement unterschiedlicher Institutionen für die große gemeinsame Aufgabe des Artenschutzes im natürlichen Lebensraum ebenso wie im Zoo“, erklärt Prof. Jörg Junhold, Direktor des Zoo Leipzig, in dem nach dem 2014 eröffneten Leoparden-Tal für Amurleoparden gegenwärtig mit der Himalaya-Hochgebirgslandschaft eine neue, naturnahe Anlage für Schneeleoparden gebaut wird.

Ab sieben Euro im Monat können Mitglieder des „Team Leopard Leipzig“ einerseits dem Zoo bei seiner Leoparden-Haltung helfen und zugleich den WWF unterstützen, die bedrohten Katzen im Freiland zu schützen.

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Storchenabschied: Tierpark-Störche stehen vor der Auswilderung

Görlitz, 4.8.16. Nun ist es soweit, die fünf im Brutkasten im Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec geschlüpften Jungstörche haben sich nach 14 Wochen intensiver „Päppelarbeit“ durch die Tierpfleger prächtig entwickelt. Sie sind bereits beringt und werden nun wie geplant in die Freiheit entlassen. So leistet der Tierpark einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Storchenbestände in der Oberlausitz. Diese gehen trotz intensiver Schutzbemühungen seit einigen Jahren deutlich zurück. Knapp drei Wochen bleiben den auszuwildernden Jungstörchen, um Flugmuskulatur aufzubauen und Kondition zu trainieren. Dann treten sie mit ihren Artgenossen den weiten und beschwerlichen Weg in ihre südlichen Überwinterungsgebiete an. Neben den an der Aufzuchtarbeit beteiligten Tierpflegern werden die Paten der Störche die Auswilderung im Biosphärenreservat begleiten. Ohne die Unterstützung durch Patenschaften wäre uns diese Art der Naturschutzarbeit nicht möglich. Unseren Störchen wünschen wir, dass sie alle Hindernisse auf ihrer langen Reise überwinden mögen, unbeschadet zurückkehren und zukünftig ihre eigenen Jungen - vielleicht sogar auf der Tierparkvilla - großziehen werden.

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Flauschige Federknäuel im Entdeckerhaus des Zoo Duisburg

Duisburg, 4.8.16. Nachdem die Art bereits früher schon im Bestand des Zoo Duisburg vertreten gewesen war, zogen zur Eröffnung des Entdeckerhauses in der Sparkassen-Erlebniswelt 2011 wieder Schleiereulen in eine nachgebildete Scheune ein. Dort können sie von den Besuchern in direkter Nachbarschaft zu drei ebenfalls dort gehaltenen Nagetierarten, die zum natürlichen Beutespektrum der Schleiereulen gehören, nämlich Ratten, Waldmäusen und Zwergmäusen, bewundert werden.
Nachdem 2013 erstmals Schleiereulen-Nachwuchs zu verzeichnen war, konnten seither jedes Jahr erfolgreiche Nachzuchten verbucht werden. Mit bisher vier Jungvögeln ist 2016 das bislang erfolgreichste Jahr. Ein weiblicher Jungvogel vom März ist aus der Scheune ausgezogen und wird in Kürze in eine andere Haltung umziehen. Drei weitere Jungvögel von Ende Juni teilen sich noch eine Weile mit ihren Eltern die Scheune und fangen langsam an, ihr langes Dunenkleid abzulegen.
Von den Nachzuchten der letzten Jahre hat der Zoo Duisburg auch zwei junge Schleiereulen für Wiederansiedlungsprojekte der Naturschutzstiftung Niederrhein zur Verfügung gestellt.
Schleiereulen gehören zu den Vogelarten mit ausgedehntesten Verbreitungsgebiet überhaupt. Sie besiedeln in 28 Unterarten alle Kontinente außer der der Antarktis. Weltweit gesehen gilt die Art als nicht gefährdet, aber in Mitteleuropa war in den letzten Jahrzehnten infolge der zunehmend industrialisierten und großräumigeren Landwirtschaft sowie das Verschwinden alter Ortskerne ein deutlicher Bestandsrückgang zu verzeichnen. Der Verlust von Feldrainen, Hecken und Streubstwiesen schränkte zunehmend ihr Nahrungsangebot ein. Zugleich sank auch die Verfügbarkeit von geeigneten Brutplätzen in alten Gebäuden wie Scheunen, Ställen und Kirchtürmen. Durch Bereitstellung von Nisthilfen und das Neuanlegen von Hecken und die Erhaltung verbliebener Streuobstwiesen wird versucht, dem entgegenzuwirken.

Gelesen 312 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 31 August 2016 06:30
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