Krallenaffen

Zwergseidenäffchen

Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) im Allwetterzoo Münster Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) im Allwetterzoo Münster
Pressefoto Allwetterzoo

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)

Die Gattung Callthrix wird in vier Untergattungen (Calibella, Callithrix, Cebuella und Mico) unterteilt, die bisweilen als selbständige Gattngen angesehen werden. Sie umfasst 21 Arten. Davon sind eine stark gefährdet, fünf gefährdet und eine potenziell gefährdet. Bei mehreren liegen zu wenig Informationen für eine Beurteilung vor. Nur etwa ein Viertel der Arten werden in VdZ-Zoos gehalten.

D LC 650

Zwergseidenäffchen

Callithrix (Cebuella) pygmaea

Engl.: The Pygmy Marmoset
Franz.: L'ouistiti mignon

Zwergseidenäffchen im Zoo Augsburg © Peter Dollinger, VdZ
Zwergseidenäffchen im Zoo Augsburg © Peter Dollinger, VdZ
Die Bestände des Zwergseidenäffchens nehmen zwar ab, weil die Art aber relativ weit verbreitet ist, gilt sie noch nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Verbreitung: Bolivien, Brasilien (Provinzen Acre, Amazonas, und Rondônia); Kolumbien, Ekuador, Peru

Haltung in VdZ-Zoos: Aachen, Augsburg, 106-007-002-009 cebuella map
Verbreitung des Zwergseidenäffchens (Callithrix (Cebuella) pygmaea)
Bochum, Chemnitz, Darmstadt, Dortmund, Eberswalde, Frankfurt, Gossau, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Krefeld, Landau, Leipzig, Linz, Magdeburg, Münster, Neuwied, Nürnberg,  Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Salzburg, Straubing, Stuttgart, Tallin, Wien

Es gibt in Europa kein koordiniertes Zuchtprogramm für diese Art. Gehalten werden die Nominatform und Tiere der Unterart niveiventris sowie solche mit unbekanntem Unterartstatus.

PM 2013-10-16 wilhelma cebuella
Zwergseidenäffchen (Callithrix pygmaea) mit Zwillingen in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma
Besonderes: Zwergseidenäffchen machen ihrem Namen alle Ehre: Die 15 cm großen Winzlinge mit dem seidigen, gelbbraun-marmorierten Fell sind die kleinste Primatenart der Welt und bringen nur gut 100 Gramm auf die Wage. Zwergseidenäffchen lieben Baumsäfte. Im südamerikanischen Regenwald nagen sie dazu kleine Löcher in die Rinde bestimmter Bäume und lecken den austretenden Saft auf. Insekten werden aber auch gerne genommen. Wie bei andern Krallenäffchen werden in der Regel Zwillinge geboren, die von den Eltern auf dem Rücken transportiert werden. Nach gut drei Monaten steigen die Jungen von Muttermilch um auf feste Nahrung. Wenn sie ihren zahlreichen Feinden erfolgreich aus dem Weg gehen, können sie über 10 Jahre alt werden. (Text nach PM Wilhelma)

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für Zwergseidenäffchens ein Innen- und ein Außengehege von je 6 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1.0 m² zu erhöhen, wobei die resultierende Kubatur fälschlicherweise mit 3.0 m³ anstatt mit 2.0 m³ angegeben wurde, was offenbar niemand bemerkt hat. Auch was unter „bis zu zwei Nachzuchten“ zu verstehen ist, ist unklar. Die Anforderung ist zudem weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Richtlinie 2010/63/EU erlaubt auch in Deutschland die Zucht und dauernde Haltung einer Familiengruppe von Marmosetten aller Art (Jungtiere bis 5 Monate) in einem Käfig mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einem Volumen von 0.75 m³.

Die Tierschutzsachverständigen der Zoos vertraten daher im Differenzprotokoll den Standpunkt, dass aufgrund von Tierhaltererfahrung und mangels festgestellter Probleme die Anforderungen des Gutachtens’96 beibehalten werden sollten, d. h. ein Innen- und gegebenenfalls ein Außengehege (es ist zu beachten. dass in vielen Fällen die Voraussetzungen nach Ziffer II.1.9 dieses Gutachtens erfüllt sein dürften, sodass auf ein Außengehege verzichtet werden kann) von je 4 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils eine funktionierende Familiengruppe, d.h. Eltern und so viele Nachkommen, wie von diesen toleriert werden.

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Marmosetten tagsüber ein Gesamtvolumen von 22.5 m³ zur Verfügung stehen, wobei das Innengehege 3 m² / 7.5 m³ messen und unterteilbar sein soll (CARROLL et al., 2002). Für Zwergseidenäffchen seien wegen ihrer geringeren Körpergröße auch etwas kleinere Ausmaße möglich.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
ECKERN, S. (2011)

Literatur:
CARROLL, B. (ed., 2002)
SCHRÖPEL, M. (2010)
RICHTLINIE 2010/63/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere- ABl. L 276/33 vom 20.10.2010

PD - 01.07.2009

Zurück zu Affen und Halbaffen

Weiter zu Gehaubter Kapuziner (Cebus apella)

Gelesen 9733 mal Letzte Änderung am Montag, 30 November 2015 16:34
© Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. hyperworx