Aktuelles aus den VdZ-Zoos

Politik und Gesellschaft im März 2017

Axel Schäfer (Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Bochum I und stellvertretender Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion), Michelle Müntefering (Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Herne-Bochum II), Kerstin Schulze (Leiterin der Zooschule des Tierpark + Fossilium Bochum), Ralf Slabik (Zoodirektor/Geschäftsführer des Tierpark + Fossilium Bochum) und Dr. Wilfried Werner (Prokurist des Tierpark + Fossilium Bochum) Axel Schäfer (Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Bochum I und stellvertretender Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion), Michelle Müntefering (Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Herne-Bochum II), Kerstin Schulze (Leiterin der Zooschule des Tierpark + Fossilium Bochum), Ralf Slabik (Zoodirektor/Geschäftsführer des Tierpark + Fossilium Bochum) und Dr. Wilfried Werner (Prokurist des Tierpark + Fossilium Bochum)
© Tierpark Bochum

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Informationsaustausch zwischen dem Tierpark + Fossilium Bochum und SPD-Bundestagsabgeordneten zur Problematik invasiver Arten

Bochum, 17.3.17. Am Donnerstag, 16.03.2017, durfte der Tierpark + Fossilium Bochum den Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Bochum I und stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Axel Schäfer sowie die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Herne-Bochum II Michelle Müntefering als seine Gäste begrüßen, um die Bedeutung der EU-Verordnung zur Bekämpfung invasiver Tier- und Pflanzenarten für Zoos zu erörtern. Die Bundestagsabgeordneten und Zoodirektor Ralf Slabik sind sich einig, dass zoologische Einrichtungen durch die Verordnung nicht an der Erfüllung ihrer Aufgaben im Rahmen der EU-Zoorichtlinien gehindert werden dürfen.

Die Europäische Kommission will die Ausbreitung von invasiven, gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten in Europa bekämpfen, indem diese zukünftig weder gehalten, noch importiert, verkauft oder gezüchtet werden dürfen. So soll die heimische Flora und Fauna geschützt werden. Viele der betroffenen Tierarten sind in ihren neuen Verbreitungsgebieten wenigen bis gar keinen natürlichen Feinden ausgesetzt und fungieren als Nahrungskonkurrenten für einheimische Tiere, sodass sie sich invasionsartig ausbreiten und dadurch ursprüngliche, heimische Arten verdrängen. Der Gesetzentwurf zur Durchführung der Verordnung wird in Kürze im Umweltausschuss des Bundesrats behandelt, bevor er zum Beschluss in den Bundestag weitergeleitet wird.
Obwohl sich die Verordnung der Europäischen Kommission vorrangig auf Freilandbestände bezieht, sind auch Zoos von den Vorgaben betroffen. Tierparkdirektor Ralf Slabik: „Zoologische Einrichtungen tragen nicht zur Verbreitung der invasiven Arten bei. Stattdessen nutzen sie als wichtige Naturlernorte vielmehr ihren Bildungsauftrag, um die Bevölkerung anschaulich über die Problematik zu informieren. Darüber hinaus sind sie ein einmaliger Spiegel der Artenvielfalt und spiegeln eine bedeutende Rolle beim Erhalt der Biodiversität. Um diesem Auftrag weiterhin nachkommen zu können, müssen Zoos von der Verordnung ausgenommen sein.“

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Schutz der Biodiversität durch gemeinsamen Kampf gegen invasive Arten: Mitglied des Europäischen Parlaments Dr. Renate Sommer zu Gast im Tierpark + Fossilium Bochum

Bochum, 6.3.17. Der Tierpark + Fossilium Bochum durfte am 6. März einen besonderen Gast begrüßen: Dr. Renate Sommer, Mitglied des Europäischen Parlaments, kam auf Einladung des Zoodirektors Ralf Slabik in den Ruhrgebietszoo, um die Situation und den Standpunkt des Tierparks und die praktischen Auswirkungen der EU-Verordnung 1143/2014 für den Bochumer Tierpark zu erörtern.

Die Verordnung, die am 1. Januar 2015 in Kraft trat, soll den zukünftigen Umgang mit gebietsfremden, aus anderen Ländern und Kontinenten eingewanderten und eingeführten Pflanzen- und Tierarten regeln. Zentrales Element der Verordnung ist eine am 3. August 2016 veröffentlichte Liste mit 37 sogenannten „invasiven Tier- und Pflanzenarten“, die gemäß der Verordnung nicht mehr in die EU eingeführt, dort gehalten, gezüchtet, transportiert, gekauft, verkauft, getauscht oder freigesetzt werden dürfen. Das wohl bekannteste Beispiel für eine invasive Art ist der Waschbär, der im Jahr 1835 erstmals aus Nordamerika nach Europa eingeführt wurde und mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet ist. Auf der EU-Liste befinden sich jedoch auch Tierarten, wie der Südamerikanische Nasenbär Nasua nasua, der im Tierpark + Fossilium Bochum ein wahrer Publikumsliebling ist.

„Wir begrüßen das europäische Vorgehen gegen invasive, gebietsfremde Tierarten im Freiland, welches Schädigungen europäischer Ökosysteme unterbinden soll, kritisieren aber die Ausweitung der Verbote auf die Zootierhaltung. Zoos sind nicht verantwortlich für die massive Einbringung und Ausbreitung gebietsfremder Tierarten, da sie gesetzlich ohnehin dazu verpflichtet sind, ihre Tiere am Entweichen in die Umwelt zu hindern“, erläutert Ralf Slabik, „In ihrer Stellung als bedeutende Umweltbildungseinrichtungen unterstützen Zoos vielmehr die Europäische Union in ihrem Bestreben, die Bevölkerung anschaulich über "Invasivarten" und deren mögliche Einfuhrpfade zu informieren. Wir müssen“, so Ralf Slabik weiter, „alle Tierarten, die unter die EU-Verordnung fallen, weiterhin halten und züchten dürfen, so wie es im Sinne eines artgemäßen Bestandsmanagements sinnvoll und notwendig ist. Die Nasenbären sind weit davon entfernt sich in Deutschland zu etablieren und eine flächendeckende Ausbreitung durch einen Ausbruch aus Zoos ist ausgeschlossen.“

Im Gespräch mit Dr. Renate Sommer zeigte sich die Geschäftsführung des Tierpark + Fossilium Bochum hoch erfreut darüber, dass sich die Europa-Abgeordnete als Mitglied im zuständigen Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit maßgeblich an einer zooaffinen Entwicklung der EU-Verordnung beteiligt. In diesem Zusammenhang soll die Möglichkeit der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen für Zoos aufgenommen werden und die Mitgliedstaaten sollen bei der Umsetzung der Verordnung einen gewissen Handlungsspielraum haben. Dr. Renate Sommer erklärt: „Der europäische Gesetzgeber hat den EU-Mitgliedstaaten bei der ‚Aliens-Verordnung‘ die Möglichkeit eingeräumt, Ausnahmegenehmigungen für Zoos zu erteilen. Wir wollen, dass Zoos auch in Zukunft Tiere halten dürfen, die auf der Liste stehen. Dazu gehört auch die Erhaltungszucht, unabhängig vom Schutzstatus dieser Arten. Das heißt, auch wenn die betreffende Art - wie der Südamerikanische Nasenbär - in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nicht gefährdet ist, muss eine Bestandssicherung der Tiergruppe im Rahmen der biologischen Vielfalt im Zoo gewährleistet sein. Es ist jetzt Aufgabe des Bundestages, in dieser Richtung tätig zu werden.“

Gelesen 478 mal Letzte Änderung am Montag, 20 März 2017 16:34
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