Hunde

Waldhund

Waldhund (Speothos venaticus), Tierpark Berlin Waldhund (Speothos venaticus), Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hunde (Canidae)

Speothos  ist eine monospezifische Gattung.

D LC 650

Waldhund

Speothos venaticus 
Engl.: The Bush Dog
Franz.: Le chien des buissons

Waldhund (Speothos venaticus), Tiergarten Bernburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Waldhund (Speothos venaticus), Tiergarten Bernburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Obwohl der Waldhund ein sehr großes Verbreitungsgebiet hat und in verschiedenartigen Lebensräumen vorkommen kann, scheint er natürlicherweise selten zu sein. Die Bestandesdichten sind sehr klein. Der Lebensraumverlust könnte eine Bedrohung für diese Art darstellten. Deshalb wird der Waldhund als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

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Verbreitung des Waldhunds (Speothos venaticus)
Verbreitung: Südamerika : Bolivien, Brasilien, Ekuador, Französisch Waldhund (Speothos venaticus) mit Jungtier, Tierpark Berlin © KR, Berlin
Waldhund (Speothos venaticus) mit Jungtier, Tierpark Berlin © KR, Berlin
Guiana, Guyana, Kolumbien, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Venezuela.

Früher kam der Waldhund auch in Mittelamerika bis Costa Rica vor. Ob er auch in Nordargentinien vorkommt, ist ungewiss.

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Bernburg, Dortmund, Landau,  Stuttgart, Tallinn

Waldhundwelpen (Speothos venaticus), Tierpark Berlin © KR, Berlin
Waldhundwelpen (Speothos venaticus), Tierpark Berlin © KR, Berlin
Das Internationale Zuchtbuch (ISB) wurde bis 2010 am Zoo Frankfurt geführt. Dieser koordinierte von 1989-2010 auch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Besonderes: Wie sein Name sagt, ist der überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Waldhund an das Leben im Wald angepasst, wo er durch dichtes Gebüsch schlüpft und die Nähe offener Wasserflächen bevorzugt. Sein Kopf ist klein und kurzohrig, seine Gestalt dachsähnlich, gedrungen, mit kurzen Beinen und kurzem Schwanz. Das Fell ist kurz und dicht, rötlich-braun, an Kopf und Hals heller, an Beinen und Schwanz dunkler. Er lebt und 112-001-013-001 speothos venaticus Landau
Waldhund-Paar (Speothos venaticus) im Zoo Landau © Zoo Landau
jagt paarweise oder in kleinen Rudeln in Gruppenterritorien, die mit Harn und Analsekret markiert werden. Die Rüden heben beim Harnabsatz das, Bein, wie ein Haushund, die Fähen vollführen einen Handstand, indem sie mit den Hinterbeinen eine Vertikale Fläche - etwa einen Baumstamm - hinaufklettern.

Waldhunde sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher, die einen Teil ihrer Nahrung im Wasser jagen. So sollen z.B. Mazamas ins Wasser gejagt und dort schwimmend überwältigt werden

Pro Wurf werden nach einer Tragzeit von 65-67 Tagen meist 2-6 Junge geboren. Der Rüde beteiligt sich intensiv an der Aufzucht.

Die meisten Erkenntnisse über das Verhalten des Waldhunds stammen aus Zoos, da es aus dem Freiland nur Gelegenheitsbeobachtungen, aber keine systematischen Untersuchungen gibt.

Das Säugetiergutachten’96 sah für Waldhunde ein Außengehege von mindestens 10 m² und einen geheizten Stall vor. Dies war zweifellos anpassungsbedürftig. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos schlugen deshalb eine Anpassung an die neue Tierschutzverordnung der Schweiz vor, deren Anforderungen, Außengehege von 40 m² und Innengehege von 12 m² für vier Tiere, dann auch übernommen wurden. Dabei wurde allerdings im Säugetiergutachten 2014 des BMEL auch ein Fehler übernommen: das zusätzliche Raumangebot für jedes weitere Tier, das außen 4 m² beträgt wurde auch für den Innenraum mit 4 m² angegeben, was unlogisch ist. Aus dem Vergleich der alten und neuen schweizerischen Tierschutzverordnung ergibt sich, dass der Innenraum pro weiteres Tier nur um 1 m² zu erhöhen ist. Dies entspricht auch in etwa dem Konzept der österreichischen Verordnung, die bei Caniden für jedes weitere Tier eine Vergrösserung der Grundfläche um 10% vorsieht.

Wie bei vielen anderen Hunden auch ist die soziale Grundeinheit das Paar, wobei die Jungen des vorletzten Wurfs in der Familie bleiben. Unter Zoobedingungen sind größere Gruppen möglich (bis 14 Tiere), wobei erwachsene Töchter von der Mutter sexuell unterdrückt werden. Stirbt das α-Weibchen, kann es zu schweren Auseinandersetzungen kommen.

Das Säugetiergutachten gibt vor, dass die Anzahl der Wurf- und Schlafboxen etwas höher sein soll als die Anzahl der Tiere in der Gruppe. Das ist für den Waldhund nicht richtig, bei diesen schläft die ganze Familie zusammen. Schlafkisten sollen 30 cm hoch sein und für ein Paar mit einem Wurf eine Grundfläche von 0.5 m², für ein Paar mit zwei Würfen von 0.8 bis 1 m² haben. Eine normale Familiengruppe benötigt also nur eine Kiste, ein zweite wäre zu empfehlen, damit die Tiere von Zeit zu Zeit umziehen können. Für größere Gruppen liegen uns keine Angaben vor, aber auch bei diesen ist anzunehmen, dass die Tiere nicht einzeln schlafen.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BOGUSCH, C. (2002)
SOMMER, C. (1990)

Literatur:
DMOCH, R. (2009)
LANGGUTH, A. (1970)
PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)


PD/SN - 20.03.2010; mehrfach aktualisiert

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