Kloaken- und Beuteltiere

Bennettwallaby

Bennettkänguru im Zoo Landau Bennettkänguru im Zoo Landau
Pressefoto Zoo Landau

Ordnung Beuteltiere (Marsupialia - Diprodontia)
Familie: Kängurus (Macropodidae)

Von den Eigentlichen Kängurus werden 11 Gattungen mit 61-64 noch lebenden Arten unterschieden. Zur Gattung Macropus, die sowohl die kleinsten, wie die größten Vertreter der Familie umfasst, gehören 16 Arten, von denen die Hälfte in VdZ-Zoos gezeigt werden. Acht kleinere bis mittelgroße Arten, darunter rufogriseus, werden in der Untergattung Notamacropus DAWSON & FLANNERY, 1985, zusammengefasst. Bei WILSON & MITTERMEIER (2015) wird diese Untergattung zu einer Gattung erhoben. Die Rote Liste, ITIS etc. haben diesen Schritt jedoch nicht mitgemacht.

D LC 650

Bennettkänguru oder Rotnackenwallaby

Macropus (Notamacropus) rufogriseus 
Engl.: The Red-necked, or Bennett's, Wallaby
Franz.: Le wallaby à cou rouge ou wallaby de Bennett

Bennettkänguru im Zoo Landau - Pressefoto Zoo Landau
Bennettkänguru (Macropus rufogriseus) im Zoo Landau - Pressefoto Zoo Landau
Das Bennettkänguru hat eine weite Verbreitung und einen großen Bestand. Es ist nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), aber als typischer Vertreter der Kängurus /Wallabies von zoopädagogischem Interesse und kann problemlos in Kontaktgehegen gehalten werden.

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Es gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Verbreitung: Australien - Südöstliches 102-012-011-013 bennett map
Verbreitung des Rotnacken- oder Bennettkängurus (Macropus rufogriseus)
Queensland, New South Wales Victoria (M. r. banksianus) sowie Tasmanien und benachbarte Inseln (M. r. rufogriseus).
Eingeführt in Neuseeland.

Haltung in VdZ-Zoos: Aachen, Augsburg, Berlin-Tierpark, Bernburg, Chemnitz, Cottbus, Darmstadt, Duisburg, Eberswalde, Erfurt, Halle, Hamburg, Hamm, Hannover, Herberstein, Hoyerswerda, Karlsruhe, Landau, Leipzig, Linz, Magdeburg, 102-012-011-013 bennett marlow PD2
Albino-Bennettkänguru (Macropus rufogriseus) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Marlow, Münster, Neunkirchen, Neuwied, Nordhorn, Rheine, Rostock, Saarbrücken, Schmiding, Schwerin, Stralsund, Straubing, Tallinn, Ueckermünde, Wien, Wingst, Wuppertal,

Besonderes: Beim  Rotnacken- oder Bennettkänguru (in Australien wird nur die auf Tasmanien lebende Form als "Bennett's Wallaby" bezeichnet) haben die Böcke eine Kopf-Rumpflänge von etwa 92, die Weibchen von 78 cm, die Körpergewichte liegen bei rund 27 bzw. 16 kg.  Sie besiedeln das Unterholz von an offene Flächen angrenzenden subtropischen Feuchtwäldern sowie von Feuchtwäldern und geschlossenen und offenen Trockenwälder der gemäßigten Zone (CURTIS, 2006).

1974 wurden 1.2 Bennettkängurus bei der Te Waimate-Missionsstation auf der Nordinsel Neuseelands freigesetzt. Diese vermehrten sich explosionsartig, sodass von 1947 - 56 im Rahmen einer Reduktionskampagne 68'608 Tiere abgeschossen wurden. Dies war weniger 102-012-011-013 bennett marlow PD3
Bennettkänguru (Macropus rufogriseus) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
als der Jahreszuwachs. Ab 1959 folgten Vergiftungsaktionen, durch die der geschätzte Bestand bis 1965 von 500'000-1'000000 auf 3'000 - 4'000 reduziert wurde. (WODZICKI & FLUX, 1967)

Bennettkängurus wurden verschiedentlich in Europa ausgesetzt oder sind aus Haltungen entwichen, wobei sich kleinere Populationen bisweilen über längere Zeit halten konnten. So setzte z.B. im Jahr 1887 der Freiherr von BÖSELAGER zwei männliche und drei weibliche Tasmanische Bennettkängurus  in  einem Wald von 5 km² bei Heimerzheim im Kreis Bonn aus. Nach sechs Jahre hatten sie sich auf 35-40 Stück vermehrt und sogar den sehr harten Winter 1887/1888 mit bis zu 22 Grad Kälte überdauert. Leider starben die beiden Förster des Freiherrn kurz hintereinander. Bis ihre Stellen neu besetzt waren, schoss eine Bande von Wilddieben die meisten Tiere ab. Einzelne Individuen waren auch abgewandert, bis in den Taunus und die Eifel, wo 1889 eines erlegt wurde. 1895 war der ganze Bestand ausgerottet. Im 20. Jahrhundert versuchte der Verhaltensforscher Otto KOENIG Tiere der Festlandform (M. r. banksianus) in Ottakring bei Wien auszuwildern. Auch hier war die Kälte kein Problem, der Bestand konnte sich aber aus anderen Gründen nicht halten (GRZIMEK, 1970a).

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Bennettkänguru (Macropus rufogriseus) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Aktuell gibt es Bestände in Mittelengland und Schottland, seit 2000 auch einige Tiere bei Burg Stargard in Mecklenburg Vorpommern. Ende des 19. Jahrhunderts gab es auch eine von Graf WITZLEBEN  in der Nähe von Frankfurt an der Oder angesiedelte Population (GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009).

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
JONES, B. (1987)
SCHÜRER, U. (1978)

Literatur:
CURTIS, L. K. (2006)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
GRZIMEK, B. (1970a)  
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R. A. (2015)
WODZICKI, K. & FLUX, J.E.C. (1967)

PD - 10.11.2009; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 8962 mal Letzte Änderung am Sonntag, 04 September 2016 18:05
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