Antilopen

Grosser Kudu

Grosser Kudu (Tragelaphus strepsiceros) im Opel-Zoo Kronberg Grosser Kudu (Tragelaphus strepsiceros) im Opel-Zoo Kronberg
© Thomas Kauffels, Opel-Zoo

Ordnung: Paarzeher (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae),
früher Waldböcke (Tragelaphinae)

Zur Gattung Tragelaphus zählen sieben Arten, darunter eine stark und zwei potenziell gefährdete. In VdZ-Zoos werden fünf Arten gehalten.

Red list status Least concern

Großer Kudu

Tragelaphus strepsiceros
Engl.: The Greater Kudu
Franz.: Le grand koudou
    
119-009-008-007 tragelaphus strepsiceros HH PD
Kudu-Kuh (Tragelaphus strepsiceros) im Tierpark Hagenbeck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Etwa 15 % der Kudubestände kommen in Schutzgebieten vor und ca. 61 % auf Privatland. Auf beiden Gebieten nehmen die Bestände eher zu, weshalb diese Antilope nicht als gefährdet eingestuft wird (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der Internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist aber wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Grosser Kudu (Tragelaphus strepsiceros), Kalb im Zoo Heidelberg © Zoo Heidelberg
Grosser Kudu (Tragelaphus strepsiceros), Kalb im Zoo Heidelberg © Zoo Heidelberg
Verbreitung: Afrika südlich der Sahara: Angola, Äthiopien, Botswana, Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Kenia, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Swasiland, Tansania, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Duisburg, Gelsenkirchen, Hamburg, Heidelberg, Krefeld, München, OsnabrückVerbreitung von S. zambeziensis (im Norden) und S. strepsiceros (im Süden) und Naturschutzgebiete, wo Großkudus effektiv vorkommen
Verbreitung von S. zambeziensis (im Norden) und S. strepsiceros (im Süden) und Naturschutzgebiete, wo Großkudus effektiv vorkommen

    
Besonderes: Mit einem Gewicht von nahezu 300 kg, einer Widerristhöhe von 1,7 m und im männlichen Geschlecht mit den eindrucksvollen schraubenförmig gewundenen Hörnern gehören die Kudus zu den mächtigsten und schönsten Antilopen Afrikas. In ihrer afrikanischen Heimat haben sie neben dem Menschen und dem Löwen nur einen weiteren, winzigen Feind: eine Wespenart, die ihre Eier an die Hörner der Tiere legt. Von dort aus fressen sich die Larven zu dem Knochenkern der Hörner vor und lassen letztendlich die mächtigen Tiere zumeist jammervoll verenden. (PM Zoo Berlin 03.11.2006)

Junge Kudus sind sogenannte Ablieger, die reglos an einem geschützten Platz warten, während die Mutter auf Nahrungssuche geht. (PM Zoo Heidelberg 29.09.2011)
    
Taxonomen erfinden heute deutlich mehr Tierarten, als aussterben. Ausgehend von den Vereinigten Staaten, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Taxa "revidiert", d.h. (meistens auf der Grundlage molekulargenetischer Untersuchungen) in mehrere Arten aufgeteilt. Dabei wurde anderen Aspekten, etwa ob es sich effektiv um vikariierende Unterarten einer Art handelt, die sich in einer Übergangszone vermischen, zumeist keine Beachtung geschenkt. Ein Paradebeispiel für diesen unsinnigen Trend ist der Große Kudu: Aufgrund der Beurteilung einiger Museumsexemplare kamen GROVES & GRUBB (2011) zum Schluss, dass es vier verschiedene Großkudu-Arten gäbe. Diese Meinung wurde prompt von WILSON & MITTERMEIER (2011) in das neue Handbuch der Säugetiere der Welt übernommen. Begründet wurde die Aufspaltung im Falle der beiden südlichsten "Arten" strepsiceros und zambeziensis mit einer Verbreitungslücke und damit, dass (ein!) Kudufell aus dem Ostkap dunkler zu sein schien als solche aus Namibia. Hätte Herr GRUBB aufgrund der Tatsache, dass es unter den Menschen in Südafrika solche mit hellerer und solche mit dunklerer Hautfarbe gibt, mehrere Menschenarten stipuliert, wäre er wahrscheinlich im Gefängnis gelandet. Ganz abgesehen davon: Wenn der Verfasser dieser Zeilen in die von WILSON & MITTERMEIER publizierten Verbreitungskarten die ihm bekannten Naturschutzgebiete, einträgt, in denen Kudus vorkommen, stellt man rasch fest, dass es mit der Verbreitungslücke nicht so weit her ist, wie die Taxonomen angeben.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
KOEPPEL, K. (2007)
WALDER, S. (2007)

Literatur:
GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2011)

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Großer Kudubulle (Tragelaphus strepsiceros) im natürlichen Lebensraum, Weenen-Naturschutzgebiet, Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PD/SN - 03.02.2010; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 3574 mal Letzte Änderung am Dienstag, 11 Oktober 2016 13:47
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