Bilche - Schlafmäuse

Siebenschläfer

Siebenschläfer (Glis glis) im Tierpark Goldau Siebenschläfer (Glis glis) im Tierpark Goldau
© NTP Goldau

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Bilche (Gliridae)

Der Siebenschläfer bildet eine monotypische Gattung.

D LC 650

Siebenschläfer

Glis glis 
Engl.: The Fat Dormouse
Franz.: Le loir gris

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Siebenschläfer (Glis glis) im Wildpark Langenberg © Wildnispark Zürich
Die Bestände des Siebenschläfers gehen nur in den nördlichsten Gebieten seines Vorkommens zurück, ansonsten ist es eine häufige und weitverbreitete Art, die nicht gefährdet ist (Rote Liste: LEAST CONCERN).

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Approximative Verbreitung des Siebenschläfers (Glis glis)
Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Verbreitung: Europa und Westasien: Von Nordspanien über Mittel- und Südeuropa bis nach Lettland, Russland bis zur Wolga und dem Kaukasus, Nordiran und Nordtürkei. Auch auf einigen Mittelmeerinseln (Kreta, Sizilien, Sardinien, Korsika, fehlt auf Zypern und den Balearen). Eingeführt 1902 in Großbritannien.

Haltung in VdZ-Zoos: Goldau, Langenberg

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Das Siebenschläfer-Gehege im Wildpark Langenberg © Wildnispark Zürich
Besonderes:
Der Winterschlaf des Siebenschläfers dauert nicht sieben Monate, wie der Name sagt, sondern schwankt zwischen fünf und zehn, meistens acht Monaten. Tiere, die aus irgendeinem Grund nicht mindestens drei Monate geschlafen haben, bleiben in der folgenden Saison unfruchtbar. Der Siebenschläfer überwintert in selbstgegrabenen Erdöhlen, Baumhöhlen, Felslöchern oder in Gebäuden. Zum Schlafen kugelt er sich zusammen und die Körperfunktionen werden gedrosselt: Das Herz schlägt nur noch 35 Mal pro Minute anstatt 450 Mal, die Atmung ist verlangsamt und die Körpertemperatur liegt nur knapp über Umgebungstemperatur. Allerdings, wenn sie sich 0ºC nähert, so wacht der Siebenschläfer auf und wird aktiv, um sich wieder aufzuheizen. Er kann auch aufwachen, um Harn oder Kot abzusetzen. Längere Wachzeiten sind aber kaum möglich, da er im Gegensatz zum Eichhörnchen keine Vorräte hortet. Siebenschläfer scheinen in lockeren Gruppen ohne feste Rangordnung zusammenzuleben. Nach dem Winterschlaf sind die Streifgebiete der erwachsenen Tiere am größten, sie können bis zu 16 ha betragen. Im Verlauf des Jahres pendelt sich der Wert auf 1-3 ha ein (BARKHAUSEN, 2007; BARKHAUSEN, 2010).

Bucheckern sind die Hauptnahrung von Siebenschläfern. In Jahren mit geringer Buchenmast verzichten die Siebenschläfer auf die  Fortpflanzung und verlängern ihren Winterschlaf. Im Extremfall wurden 346 Tage nachgewiesen, ein Rekord  bei  freilebenden  Warmblütern. Die  Unterschiede im Schlafverhalten zwischen den Individuen deuten an, dass dieses nicht nur von Umweltfaktoren wie Klima und Nahrungsverfügbarkeit beeinflusst wird, sondern dass verlängerte Schlafphasen auch eine Strategie sein könnten, um das Risiko zu minimieren, erbeutet zu werden. Eine verlängerte Schlafphase ist anscheindend nur schwereren Tieren möglich, die noch Reserven aus der letzten Schlafphase haben. Die anderen versuchen bis in den Herbst ihre Reserven aufzufüllen, um dann den Winterschlaf zu beginnen (HOELZL et al. 2015). 

Bei der Beratung des vierten Eidgenössischen Jagdgesetzes im Jahr 1925 wurde der Vorschlag gemacht, den Siebenschläfer als jagdbar zu erklären da die Jagd - etwa in Frankreich - vorkomme. Doch ein Herr ZURBURG bekannte in der Nationalratsdebatte, er habe nicht die Ehre dieses Tier näher zu kennen, sondern wisse nur, dass die alten Römer den Siebenschläfer gemästet und gerne gegessen hätten. Er lehne deshalb den Antrag ab. Da sich offenbar auch andere Ratsherren kein Bild von diesem Tier machen konnte, entging der Siebenschläfer dem Schicksal, in der Schweiz jagdbares Wild zu werden (SCHMIDT, 1976).

Literatur:
BARKHAUSEN, A. (2007)
BARKHAUSEN, A. (2010)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HAUSSER, J. et al. (Hrsg., 1995)  
HOELZL, F., BIEBER, C., CORNILS, J.S., HERRITSMANN, H., STALDER, G. L., WALZER, C. & RUF, T. (2015)
SCHMIDT, P. (1976)

PD/SN - 24.12.2010; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 5970 mal Letzte Änderung am Dienstag, 25 Oktober 2016 14:19
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